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Unterwegs in Stormarn: Mit dem Rad von Reinbek nach Reinfeld

Reinbek Unterwegs in Stormarn: Mit dem Rad von Reinbek nach Reinfeld

Es gibt ihn schon seit fast 30 Jahren, bekannt ist er offenbar aber nur einigen Insidern. Grund genug, mal den Stormarn-Wanderweg zu erkunden. Denn Urlaub in der Heimat liegt ja im Trend. Statt zum Wanderstock greife ich jedoch zum Fahrrad.

Reinbek. Wer mit der Bahn aus dem wuseligen Hamburg anreist, bekommt in Allermöhe eine erste Ahnung, was ihn gleich erwartet. Der Stadtteil ist schon deutlich ländlicher, ein erstes Gefühl von Urlaub kommt auf. In Reinbek verstärkt es sich schlagartig, Sonne und Ruhe erwarten mich am Schloss.

Auch Bärbel und Werner Wellhausen sind begeistert. Das Ehepaar aus Egestorf bei Hannover verbringt ein paar Tage in Hamburg und macht heute einen Ausflug ins Stormarnsche. Wieder einmal. „Wir haben uns bei vorherigen Besuchen schon viel erschlossen, waren in Lütjensee und Großensee“, berichtet Werner Wellhausen. Auch Trittau sei schön, der Sachsenwald sowieso. „Und das Schloss hier auch“, ergänzt Ehefrau Bärbel und greift zum Fotoapparat.

Vom Stormarn-Wanderweg haben sie jedoch noch nichts gehört. „Hier geht er los? Hinterm Schloss am Mühlenteich? Fragen Sie doch mal im Schloss!“ Gesagt, getan. Die freundliche Dame weiß es auch nicht genau, Broschüren dazu seien auch keine mehr da. „Die müssen wir dringend nachlegen.“ Sie drückt mir dafür eine Karte von Reinbek und dem Sachsenwald in die Hand.

Los geht’s. Wildes Rauschen am alten Stauwehr des Mühlenteiches führt mich schnell zum ersten Wegweiser. Rausdorf 15 Kilometer, ein gelber Pfeil mit rotem Rand weist den Weg. Ich werde in den nächsten beiden Tagen gefühlt Hunderte davon sehen und sogar nachts davon träumen. Soll heißen: Der Weg ist – zumeist – gut ausgeschildert.

Der Blick von der anderen Uferseite auf das Renaissance-Schloss ist gigantisch, einige windschiefe Weidenbäume hängen ihre Blätter ins Wasser. Zu gerne möchte man schon die erste Pause einlegen, doch ich will ja auch langsam mal die ersten Kilometer machen.

Kaum losgeradelt, bin ich schon im Lauenburgischen, genauer in Wentorf. Es geht an einigen eindrucksvollen Villen vorbei, ehe ich plötzlich im Wald stehe, genauer im Forst Grübben. So steht’s zumindest in der Beschreibung. Menschen begegne ich hier keinen, obwohl ich schon wieder anhalte und mich länger an einem ersten Selfie probiere. Vögel zwitschern, Blätter rauschen, es geht steil bergab und wieder bergauf, der Weg wird holprig und dann matschig. Ein erster Vorgeschmack auf das, was mich noch erwartet im Laufe des Tages.

Ständig werde ich zum Anhalten und Fotografieren angeregt: hier eine geschnitzte Liebeserklärung in einer Doppelbuche, dort grüßt eine Holzeule, und immer wieder Schaukästen mit wissenswerten Informationen, zum Beispiel über das Naturschutzgebiet Bille. Mittlerweile bin ich im sogenannten Vorwerksbusch, auch noch nie gehört. Hier sind nun auch Menschen unterwegs, entweder mit Kinderwagen oder Hunden.

Ein paar Kilometer ist der Stormarn-Wanderweg identisch mit dem europäischen Fernwanderweg. Es geht vorbei an Wolfsschlucht, Blocksberg, Silker Reitstall, Niemanns Gasthof. Der Untergrund wechselt von matschig zu steinig zu wiesenhaft. Das Weizenfeld wird von der Sonne erwärmt, ich tausche die lange gegen die kurze Hose und bin schon wieder im Herzogtum Lauenburg, in Aumühle. Die Bismarckmühle als Wegmarke bedeutet mir: Sie haben den Sachsenwald erreicht.

An der Mühle treffe ich sogar zwei echte Wandererinnen. „Meinen“ Wanderweg kennen sie jedoch nicht. Und weil sie mal schlechte Erfahrungen mit einem Boulevard-Magazin gemacht haben, wollen sie auch nicht abgelichtet werden.

Idylle im Sachsenwald

Etwas einfacher wird es später bei zwei Damen am Großensee. Doch bis dahin stehen mir gleich mehrere kleine Abenteuer bevor. Zunächst fehlt eine Markierung. Oder habe ich nicht aufgepasst?

Jedenfalls muss ich umdrehen, dann links tief in den Sachsenwald. Der grüne Waldboden, der viele Farn und die hohen Nadelbäume sind zwar wunderschön und auch für die Geruchsnerven ein echter Genuss, doch an Radfahren ist nicht zu denken. Der Weg ist durch viele Regenfälle zu einem Sumpfgebiet geworden oder sogar zugewachsen. Lange keiner mehr hier gewesen? Eine Eidechse huscht an mir vorbei, so flink wäre ich jetzt auch gerne. Vermutlich lacht sie den Radfahrer neben ihr gerade aus.

Was ist das denn jetzt? Pfeift da gerade wirklich jemand? Oder erlebe ich wahrhaftig das berühmte Pfeifen im Walde? Nein, es ist ein Jugendlicher, der durchs Unterholz streift. Ein paar Meter weiter seine Familie. „Die Strecke ist nicht immer ganz wegsam, oder?“, sagt die Mutter, während sie mein verschlammtes Fahrrad und die braunen Beine begutachtet.

Über die Corbek und an einem stillen Weiher vorbei geht’s in die Grander Tannen. Doch hier ist endgültig Schluss. Gutes Gelände vielleicht für „Sir Vival“ Rüdiger Nehberg, der in der Nähe in Rausdorf wohnt, aber nicht für einen Radfahrer. Ich muss umdrehen und fahre an der Straße zum Großensee.

Dorthin haben heute Ingrid Buck und Annchen Habbena aus Hamburg einen Ausflug gemacht. Anlass: Ingrid Buck hat heute Geburtsstaag. Den Stormarn-Wanderweg kennen sie nicht, wollen aber jetzt etwas spazieren gehen. „Am Mönchteich zwischen Lütjensee und Trittau war ich schon häufiger zum Wandern“, sagt Ingrid Buck.

Über Lütjensee geht es auch für mich weiter, anschließend auf dem Bahnradweg der ehemaligen Südstormarnschen Kreisbahn. Im Vergleich zu den Waldabschnitten fährt es sich tatsächlich wie auf Schienen.

Menschen sind hier heute kaum unterwegs, nur ein Rennradler, der mit einem „Moin“schnell vorbeirauscht.

In Hoisdorf treffe ich Peter Wilkens, der gerade mit seinem Hund „Rudi“ spazieren geht. „Im Jugendheim Lichtensee sind häufiger Wanderguppen“, berichtet Wilkens. Ob die allerdings auf dem Stormarn-Weg unterwegs sind, vermag er nicht zu sagen.

Großhansdorf zeigt mir, warum der Ort Waldgemeinde heißt, ehe ich über den Hopfenbach plötzlich schon in Ahrensburg bin. Vor mir taucht das Schloss auf, akustisch untermalt von einem Grillenkonzert. Im gesamten Forst Beimoor begegne ich keinem Menschen. „Soooo viel Wald in Stormarn“, denke ich und erreiche in der Dämmerung Bargteheide – zehn Stunden nach dem Start in Reinbek.

• Weitere Bilder des ersten Teils gibt es auf ln-online.de/Fotos. Die Fortsetzung der Tour folgt in der Sonnabend- Ausgabe.

Markus Carstens

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