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Unterwegs in Stormarn: Mit dem Rad von Reinbek nach Reinfeld

Bad Oldesloe Unterwegs in Stormarn: Mit dem Rad von Reinbek nach Reinfeld

LN-Reporter on Tour: Teil II des Stormarn-Wanderweges führt von Bargteheide über Grabau und Bad Oldesloe nach Reinfeld – Auch hier gibt es so einiges zu entdecken.

Bad Oldesloe. Der Tag beginnt ähnlich wie der gestrige. Kaum gestartet in Bargteheide am Bornberg (59 Meter über dem Meeresspiegel!), komme ich schon wieder kaum voran.

Das liegt jedoch nicht an der schlechten Wegstrecke, sondern an Jersbek. Linke Hand der restaurierte Eiskeller, rechts das schmucke Torhaus von 1678 und gleich daneben die barocke Gartenanlage mit ihren rund 200 Jahre alten Alleen. Es blüht überall: weiß, gelb, rot und lila. Dazwischen arbeiten zwei Parkpfleger. „Ein verwunschenes Kleinod am Stormarn-Wanderweg“, schreibt dazu Petra Hübner aus Bargteheide auf ihrer Internetseite „Stormerland“.

Und in der Tat: Die zehn Stationen laden zu einem Extra-Ausflug ein. Nur die vielen Flugzeuge stören wirklich. Innerhalb von einer Minuten steuern drei Flieger knapp über Jersbek den Hamburger Flughafen an. Dass sich jetzt schon mehrere Initiativen gegen die Fluglärm-Belästigung gegründet haben, ist also kein Wunder.

Eine Augenweide ist der sogenannte Heckengang, an dessen Ende zwei Walker ihre Stöcke schwingen. Es sind Karin Gatermann und Udo Treichel aus Bargteheide, die vor ihre Arbeit eine Sporteinheit gesetzt haben. Und siehe da: Mit Udo Treichel treffe ich zum ersten Mal auf der Tour jemanden, der den Stormarn-Wanderweg genau kennt. „Ich fahre öfter mit dem Fahrrad von Bargteheide bis Reinfeld auf diesem Weg. Und in Nütschau trifft man auch immer wieder auf Wanderer.“

Auch in die andere Richtung fährt Treichel gern. „Als Radfahrer nutze ich diesen Wanderweg gerne für längere Tagestouren. Streckenführung, die Einbettung in die Natur Stormarns, unerwartete Schlenker in Bereiche, in die man sonst nicht kommen würde, machen den Weg zu einem Genuss auch für Radler“, sagt der Bargteheider, hat aber auch einen Kritikpunkt: „Was mir dabei vor allem im Bereich Lütjensee negativ auffällt, ist die mangelnde Wegweisung. Dreimal habe ich dieses Jahr versucht, den Weg von Bargteheide aus Richtung Reinbek ohne Karte und GPS nur anhand der gelb-roten Richtungspfeile zu fahren, dreimal bin ich in Lütjensee gescheitert.“

Für mich geht’s heute aber in die andere Richtung weiter bis in die Sülfelder Tannen und über den Damm einer alten Bahntrasse, die zum Radwanderweg wurde. Kurz vor Grabau fahre ich in ein Wäldchen, es geht bergab und über eine kleine Holzbrücke der Norderbeste, ehe sich vor mir ein echtes Idyll offenbart: Links und rechts des Wanderweges Wasser. Links tummelt sich ein Schwanenpaar und lässt sich in der Sonne treiben.

„Es ist wirklich so schön hier.“ Eine Stimme reißt mich aus meinem Tagtraum. Sie gehört Fiona Coldwell-Hoffmann, die vor zweieinhalb Jahren mit ihrem Ehemann von Bad Oldesloe nach Grabau gezogen ist und nun täglich hier entlangspaziert mit ihren zweijährigen Hunden „Nala“ und „Siba“. „Ich sage immer, dass wir im Paradies wohnen“, so die gebürtige Engländerin weiter.

Auch Wanderer wissen dieses Kleinod zu schätzen. Jedenfalls würden es immer mehr, die bei ihm einkehren, hat Thomas Niethammer festgestellt. Seit zehn Jahren führt er nun den Dorfkrug, und Wanderer sind vor allem in den Sommermonaten keine Ausnahme mehr. „Sie stärken sich mit einer deftigen Mahlzeit oder übernachten auch hier“, so Niethammer.

Vorbei an Herrenhaus und Hügelgräbern sowie der schönen kleinen Kirche in Tralau lande ich in einer geschwungenen Hügellandschaft in Nütschau. Die hellgrüne Wiese schmiegt sich sanft an den dunkelgrünen Wald. Bevor mich hier aber noch mehr Insekten anfallen, radel ich Richtung Kloster. Es ist Mittagszeit, und der große Gemeinschaftsraum ist proppevoll. Alles Wanderer, die sich stärken? „Nein“, erklärt Bruder Benedikt, „Familienferien“. Im Sommer sei es immer so voll, viele seien mittlerweile Stammgäste.

Auf der Karte steht heute Brathering, ich werde kurzerhand eingeladen. „Benediktinische Gastfreundschaft“, sagt Bruder Benedikt.

Das Gut Altfresenburg und das Brenner Moor sind die nächsten Zwischenziele auf dem Weg nach Bad Oldesloe. Es geht über Felder und Wiesen, bis der Weg immer schmaler wird. Manchmal sind es Brennnesseln, manchmal ist es Schilf, das hineinragt. Eine kleine Maus huscht über den Weg und ist genauso scheu wie der Jogger, der plötzlich um die Ecke kommt und schnell vor mir wegläuft.

Viel kontaktfreudiger sind Ellen und Jan Witt aus Sehmsdorf, die zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld auf einer Bank an der Trave sitzen und die letzten Sonnenstrahlen vor dem drohenden Regenschauer genießen. „Wir gehen auch viel wandern“, sagt Ellen Witt. Aber der Stormarn-Wanderweg ist ihnen kein Begriff. Eher schon der Travewanderweg, der an dieser Stelle identisch ist mit meiner Route. „Es gab mal Pläne, den Traveweg bis nach Reinfeld fortzuführen, aber daraus ist bis heute nichts geworden“, erzählt Ellen Witt.

Weiter gedacht haben die Planer des Stormarn-Wanderweges. Der führt über die B 75 und eine Bahnbrücke in den Forst Kneeden und schließlich nach Steinfeld. Dabei treffe ich sogar noch eine echte Wandererin, die zugleich sogar Urlaub hier macht: Marie Wollenschläger aus Nordstrand, die eine Woche bei ihrem Bruder in Krems (Kreis Segeberg) verbringt. „In Bad Oldesloe habe ich keine einzige vernünftige Wanderkarte bekommen“, berichtet die Frau von der Nordsee, die jedoch der fehlende Service genauso wenig von ihrer Tour abschrecken konnte wie jetzt die dunklen Wolken am Himmel.

Vermutlich ich sie auch noch nass geworden – so wie ich am Ziel meiner Tour im Neuhöfer Park in Reinfeld.

Markus Carstens

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