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Stormarn Vater soll seine Kinder missbraucht haben
Lokales Stormarn Vater soll seine Kinder missbraucht haben
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19:20 20.09.2013
Am Lübecker Landgericht wird der Fall von Hendrik L . verhandelt. Quelle: Sebastian Prey
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Travenbrück

Das war gewiss kein ungewohntes Bild gestern Morgen im Göttinger Hagenweg. Ein Polizeiwagen fährt vor, die Beamten klingeln an einer Wohnungstür. Diesmal an der von Hendrik L . (47), einem ehemaligen Stormarner aus Travenbrück. So etwas gehört zum Alltag im Hagenweg.

Früher war der fünfstöckige Wohnblock ein Studentenwohnheim. Heute wohnen da die Verlierer, Alkoholiker, Drogensüchtige, die Gestrandeten, die nicht zurecht kommen in dieser Gesellschaft.

Hendrik L. steigt mit den Beamten in den Streifenwagen, eine dreieinhalbstündige Autofahrt liegt vor ihm. Viermal muss er den Wagen wechseln. In Lüneburg übernimmt ihn die schleswig-holsteinische Polizei. Am Lübecker Landgericht warten sie Stunden auf den mutmaßlichen Kinderschänder. Sein Verteidiger Eckhard Brand, die Richter der Siebten Großen Strafkammer, der Staatsanwalt — und zwei seiner Opfer.

Hendrik L. war zu diesem Termin nicht erschienen, er musste vorgeführt werden. Er ist angeklagt, sexuelle Handlungen an seinen eigenen Kindern und an der Tochter seiner Lebensgefährtin vorgenommen zu haben. 14 Mal soll er die Kinder in Travenbrück sowie im segebergischen Henstedt-Ulzburg zwischen 1992 und 2003 missbraucht haben. Sieben Einzelfälle sind zur Anklage gekommen, die restlichen bereits verjährt.

Mit gesenktem Kopf schleicht er in Begleitung von Polizeibeamten durch die große Gerichtshalle. Er würdigt seine Kinder und deren Anwälte keines Blickes. Eine Mischung aus Angst und Abscheu liegt auf ihren Gesichtern. Ein Mädchen war erst sechs Jahre alt, als der Mann es missbraucht hat.

Die Vorladung will er nicht bekommen haben. „Meine Nachbarn räumen gern die Briefkästen aus, weil sie nach Geld suchen“, gibt er als Begründung für sein Nichterscheinen an.

Teigige Haut, gelichtetes Haar. Allein das dunkelblaue Jackett über einer speckigen Jeanshose und die Schuhe könnten darauf hindeuten, dass er einmal bessere Zeiten gesehen hat. Vor sich steht eine Flasche mit Mineralwasser. Die hat ihm der Pflichtverteidiger noch schnell besorgt. Aber sagen zu den Vorwürfen will Hendrik L. nichts.

So bleiben den vielen noch kommenden Zeugen an weiteren Verhandlungstagen quälende Fragen nicht erspart. Was zum Beispiel geschah, als er nach der Scheidung von seiner Frau die gemeinsamen Kinder alle zwei bis drei Wochen zu sich in seine Travenbrücker Wohnung holte.

Viel davon wird nicht über Saal 105 hinausdringen. Die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz gab den Anträgen der Nebenklage statt, die Opfer im Zeugenstand nicht öffentlich zu befragen.

Immerhin hat der Anklagte versprochen, an den kommenden Verhandlungstagen pünktlich zu erscheinen. Das einzige Problem nur sei, dass ihm das Geld für die Fahrkarten fehle. Die will ihm die Justiz nun besorgen. Uwe Krog

LN

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