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Stormarn Vater zerstückelte Sohn — bestreitet aber den Mord
Lokales Stormarn Vater zerstückelte Sohn — bestreitet aber den Mord
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00:00 20.12.2012
Marlies V. aus Bad Oldesloe gestern Morgen zum Prozessauftakt in Kiel: Die Ehefrau des 63-Jährigen, der wegen heimtückischen Mordes an seinem Sohn angeklagt ist, tritt als Nebenklägerin auf. Quelle: Kronlage
Kiel

Dass Hans V. seinen toten Sohn zerstückelt hat, ist unbestritten. Der 63-Jährige gab das in der ersten Vernehmung durch die Kripo und auch gestern in einer schriftlichen Erklärung vor Gericht zu. Doch er will seinen Sohn nicht getötet haben. Das habe Henning selbst getan. Es sei ein Unfall gewesen. Der ehemalige Druckereiarbeiter und Hobby-Schweinebauer aus Sülfeld steht seit gestern wegen Mordes vor dem Kieler Landgericht; die 8. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jörg Brommann soll klären, was am 17. Juni dieses Jahres geschah. Die Staatsanwaltschaft wirft Hans V. vor, seinen Sohn mit einem Feuerwerkskörper getötet zu haben.

Laut Anklage saß der 27-jährige Henning V. an jenem Vormittag in der Küche, hörte laute Nazi-Musik, stülpte sich einen Stahlhelm über und paradierte mit einem Luftgewehr auf und ab. Zum Ärger des Vaters. Henning war zu dem Zeitpunkt stark betrunken. Eine spätere Blutprobe ergab 2,46 Promille. Der Vater soll dann seinem am Küchentisch eingeschlafenen Sohn einen angezündeten Feuerwerkskörper in den Mund geschoben haben. Er explodierte. Die Leiche habe der Angeklagte zerteilt und in der Jauchegrube versenkt. Zwei Tage später habe die Schwester des Toten, Rebecca V. (28), die Körperteile in der Grube entdeckt.

Nach Darstellung des Angeklagten in seiner schriftlichen Erklärung habe der Sohn sich den Feuerwerkskörper selbst in den Mund geschoben und ihn aufgefordert, diesen anzuzünden. Dabei könne nichts passieren, soll Henning versichert haben. Der Vater sei schließlich in sein Zimmer gegangen. Kurze Zeit später habe es kräftig gerummst, und er nahm an, dass sein Sohn den Feuerwerkskörper in der Küche gezündet habe. Als er nach ihm habe sehen wollen, habe er Henning leblos am Tisch sitzen sehen. Weil der Sohn tot war, habe er keinen Notarzt mehr gerufen.

Hans V. wollte dann, um der 28-jährigen Tochter den „Schock ihres Lebens“ zu ersparen, den Sohn fortschaffen. Doch die Leiche war zu schwer. Da griff der Vater zu einet Fuchsschwanz-Säge und zerteilte den Körper. Er packte die Körperteile in Plastiktüten und entleerte sie in die Jauchegrube.

Eine gleichlautende Erklärung hat Hans V. bei der ersten Vernehmung durch die Polizei abgegeben, sagte der Kripobeamte Achim Labbow. In jener Vernehmung habe Hans V. die zerrüttete familiäre Struktur und schließlich die Eskalation auf dem Bauernhof seiner Frau angelastet. Ebenso wie das Alkoholproblem von Henning V.

Das hörte sich Ehefrau — und Nebenklägerin — Marlies V. regungslos an. Sie war an jenem Tag, als ihre Tochter die Leichenteile in der Jauchegrube fand, nach Sülfeld gefahren und hatte ihren Mann in eine Klinik für Psychiatrie einweisen lassen. Fest steht, dass der 63-Jährige an Depressionen leidet und Medikamente einnimmt; er wurde als suizidgefährdet beschrieben.

Zeugen beschreiben Opfer als labil

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Sieben Zeugen aus dem beruflichen und privaten Umfeld des Toten beschrieben Henning V. als eine zwar umgängliche, aber doch noch unreife, labile, wenig strukturierte Person mit deutlichem Alkoholproblem, rechtsradikaler Tendenz und latenter Gewaltbereitschaft. Zwischen ihm und seinem Vater habe kein schlechtes, aber auch kein inniges Verhältnis bestanden.

Verhandlungstage: Es sind noch drei angesetzt, 9., 11. und 16. Januar.

Ursula Kronlage

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