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Stormarn Verdi-Aktion: Forderung nach mehr Personal im Krankenhaus
Lokales Stormarn Verdi-Aktion: Forderung nach mehr Personal im Krankenhaus
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21:55 10.10.2017
Im Rahmen einer bundesweiten Verdi-Kampagne forderten auch einige Mitarbeiter der Asklepios-Klinik in Bad Oldesloe mehr Personal. Quelle: Foto: Materne
Bad Oldesloe

Die Aktion dauerte kaum fünf Minuten und doch konnte die Gewerkschaft nur wenige Klinikmitarbeiter für ihren Ruf nach besserer Personalausstattung gewinnen. „Es ändert sich doch eh nichts“, sagt eine Mitarbeiterin als sie an der kleinen Schar vorbeigeht. „Es ist frustrierend“, sagt Imke Wriedt von der Gewerkschaft Verdi. Am Freitag hätten sie und einige Gewerkschaftsmitglieder noch stundenlang versucht, Klinik-Mitarbeiter zu mobilisieren. „Doch die Mitarbeiter sind desillusioniert und frustriert“, sagt sie. Seit Jahren fordere man eine bessere Personalausstattung, doch es ändert sich nichts. „Es wird sogar schlimmer.“

„Die gesetzlichen Voraussetzungen sind unter aller Sau“, findet Bernd Werner deutliche Worte. Der 60-Jährige ist Pfleger auf der Intensivstation, arbeitet seit 30 Jahren in der Krankenpflege. Als Gewerkschaftsmitglied unterstützt er die Protestaktion in seiner Freizeit. Im Krankenhausbetrieb gehe es nur ums Geld, nicht mehr um den Menschen, kritisiert Werner. Operationen und Gerätemedizin, das seien die Geldbringer, nicht die Pflegeleistung. Was zählt, sei die Dokumentation auf dem Papier.

Mit der Einführung der Fallpauschalen habe alles angefangen in den 90er Jahren, sagt Imke Wriedt von Verdi. „Inzwischen gibt es Kräfte, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Behandlungsleistungen in Codes zu übersetzen für die Abrechnung.“ Diese Mitarbeiter seien inzwischen fast wichtiger als das Pflegepersonal. „Das ist doch traurig“, sagt Wriedt. Währenddessen reibe sich das Pflegepersonal auf – überall in deutschen Krankenhäusern.

Laut einer Verdi-Erhebung müssten 70000 zusätzliche Pflege-Stellen an hiesigen Krankenhäusern geschaffen werden, um eine gute Versorgung sicherzustellen. Es sei inzwischen normal, dass Kollegen, die dienstfrei haben, doch zur Arbeit gehen, weil jemand anderes krank geworden ist. „Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten tagtäglich ausgleichen müssen, dass die Arbeitgeber zu wenig Personal einstellen“, sagt Wriedt. Deshalb fordert Verdi auch eine gesetzliche Personalbemessung. Dies sei nun auch angestoßen, soll aber „ausgerechnet“ von der Deutsche Krankenhausgesellschaft zusammen mit den Krankenkassen ausgehandelt werden, schildert Wriedt. Laut einer Studie des Deutschen Krankenhaus-Instituts zur Personalsituation auf den Intensivstationen werde die angestrebte Versorgung von zwei Patienten pro Pfleger und Schicht „im Mittel“ erfüllt.

„Das bildet die Realität nicht ab“, sagt Intensivpfleger Werner. Nicht immer seien alle Betten belegt, dann komme es mal zur Überversorgung. Personalpläne aber seien so ausgelegt, dass keiner krank wird, sagt Werner. Was ist in Zeiten von Frühjahrs- und Herbstgrippe? In Urlaubszeiten?

Man bemühe sich Krankheitsfälle zu kompensieren, „in Einzelfällen kommt es leider auch bei uns vor, dass wir Pflegekräfte aus dem Frei holen müssen“, teilt Klinik-Geschäftsführer Andreas Reichardt schriftlich mit. „Vor dem Hintergrund der hohen Arbeitsverdichtung befürworten wir grundsätzlich die Diskussion um die Personalbemessung. Hier ist auch die Politik gefordert, finanzielle Mittel bereit zu stellen.“ Die Politik soll laut Wriedt aber erst ins Spiel kommen, wenn sich Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft bis Juni nicht einigen können bei der Personalbemessung.

 Von Nadine Materne

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