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Stormarn Vogelschießen unter Polizeischutz
Lokales Stormarn Vogelschießen unter Polizeischutz
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00:13 22.06.2017
Am Oldesloer Kindervogelschießen nehmen sämtliche Schülerinnen und Schüler aller Oldesloer Schulen – von der ersten Grundschulklasse bis zur achten Schulklasse – teil, mehr als 3000 Kinder und Jugendliche. Quelle: Fotos: Michael Thormählen, Ln-Archiv

Denn sogenannte weiche Ziele wie Volksfeste könnten ins Visier islamistischer Terroristen geraten, warnen Experten. „Wir stehen tatsächlich in Kontakt mit der Polizei und erwarten von dort eine Lageeinschätzung“, teilt Bürgermeister Jörg Lembke mit.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nach Anschlägen – Lkw könnten Oldesloer Umzug schützen.

Das Programm

7.30 Uhr   Abmarsch der Umzugsspitze von der Stadtschule

7.45 Uhr   Ankunft am Marktplatz

8 Uhr   Eintreffen Theodor-Mommsen-Schule

8.30 Uhr   Beginn des Umzuges 10 Uhr Beginn der Spiele und des Vogelschusses auf dem Exer

Die Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit hätten gezeigt, dass die Sorgen nicht ganz unbegründet seien. „Größere Menschenmengen wurden von Attentätern schon mehrfach für Anschläge genutzt.“

„Es gibt keine konkrete Bedrohungslage. Aber wir kennen alle die schrecklichen Szenen von der Brücke in London oder vom Weihnachtsmarkt in Berlin. Deshalb denken wir über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nach, wie wir die Menschen vor potenzieller Terrorgefahr schützen können“, sagt Michael Demski, Leiter des Polizeireviers Bad Oldesloe und damit Verantwortlicher für die polizeiliche Sicherheit der Veranstaltung. In den kommenden Tagen soll zwischen der Polizei, der Stadt, dem Ordnungsamt und dem Vogelschießer-Ausschuss als Veranstalter ein enger Austausch zum Sicherheitskonzept für das beliebte Oldesloer Kinderfest stattfinden.

Ein Vorschlag des Polizeichefs: „Statt den Umzug am Anfang und Ende nur mit Blaulicht wie in den vergangenen Jahren zu begleiten, denken wir an schwere Fahrzeuge. Als letztes könnten wir zum Beispiel einen Lkw fahren lassen.“ Zudem solle geprüft werden, inwieweit sich der Verkehr umleiten lasse, ohne den Verkehrsfluss lahmzulegen.

Auch Lembke hat sich über die Sicherung des Umzugs bereits Gedanken gemacht. „Es hängt natürlich von der Einschätzung der Polizei ab. Aber an bestimmten Kreuzungspunkten könnte man schwere Lkw platzieren.“ Im ersten Schritt will der Oldesloer Bürgermeister versuchen, die Sicherheitsmaßnahmen mit Bordmitteln umzusetzen. „Wir haben schweres Gerät vom Bauhof und von den Stadtwerken, was wir einsetzen können.“ Inwieweit ehrenamtliche Helfer der Feuerwehr mit eingebunden werden könnten, müsse man prüfen. Sollten Bordmittel für die Sicherung nicht ausreichen, könnte sich Lembke auch vorstellen, mit örtlichen Speditionen zu reden.

Bereits bei anderen Großveranstaltungen in Stormarn wurden die Sicherheitskonzepte überarbeitet – als Konsequenz aus den jüngsten Anschlägen. So wurde bei den Stadtfesten in Ahrensburg und Bargteheide die Polizeipräsenz spürbar erhöht, auch Barrikaden an Zufahrtsstraßen wurden errichtet.

„Die Stadtfeste in Ahrensburg und Bargteheide waren stationäre Veranstaltungen, die sind einfacher zu schützen als eine bewegliche Veranstaltung wie den Umzug vom Kindervogelschießen“, sagt Demski.

Auf dem mehrere Kilometer langen Marschweg könne theoretisch an jeder Ecke jemand lauern. „So viel steht fest: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, so der Oldesloer Revierleiter. Es könne beispielsweise ein Angreifer sein Auto in einem Hinterhof abstellen und aus einer Seitenstraße in die Menge rasen. So eine Art Anschlag könne auch keine Hundertschaft verhindern. „Wir können die Bürger nicht so weit in Watte packen, dass sie rundum geschützt sind. Da muss man sich nichts vormachen“, befürchtet auch Lembke.

Wie sollen die Menschen mit der wachsenden Terrorgefahr umgehen? Diese Frage stellen sich auch viele Oldesloer. Nicht hingehen zum Kindervogelschießen? Oder sollen die Behörden die Veranstaltung besser gleich absagen? „Solange wir keine konkreten Hinweise auf eine Bedrohungslage haben, wird die Veranstaltung nicht abgesagt“, macht Lembke deutlich. Gar nicht erst teilzunehmen an dem Vergnügen, hält der Bürgermeister für keine gute Idee. „Im Gegenteil. Das hilft doch nur denen, die Ängste schüren. Wir wollen dem Terror doch entgegen treten.“ Auch Polizeichef Demski appelliert an die Bürger, ihre Lebensart, die für einige Menschen das Feindbild ist, nicht zu ändern. „Wenn wir auf Freiheit, Vergnügen und Genuss verzichten, dann haben die Terroristen ihr Ziel doch erreicht.“

 Britta Matzen

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