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Stormarn Vogelsterben: Oldesloer Schüler bauen Futterhäuser
Lokales Stormarn Vogelsterben: Oldesloer Schüler bauen Futterhäuser
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17:46 13.03.2019
Hilfe für Vögel in Not: Unter Anleitung von André Wolf bauen Mädchen der Grundschule West auf dem Oldesloer Friedhof Vogelhäuschen. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Lautes Hämmern und das wütende Winseln eines Akkuschraubers dringen aus der Halle. Im Betriebshof des Oldesloer Friedhofs geht es hoch her. Doch es sind nicht die kräftigen Gärtner, die hier etwas zusammenbauen. Stattdessen stehen zartbesaitete Mädchen an den Arbeitstischen. Bewaffnet mit allerlei Werkzeug haben sich die 15 Schülerinnen aus den Klassen 4 a und b der Grundschule West vorgenommen, im Rahmen einer Projektwoche Schutzhäuschen für die Vögel zu bauen, die sich in der parkartigen Anlage tummeln.

Friedhof als Refugium für seltene Arten

Naschen am Meisenknödel: Der Buntspecht ist ein ständiger Gast auf dem Oldesloer Friedhof. Quelle: Foto: privat/hfr

„Wir bauen das hier, weil die Vögel mittlerweile nicht mehr so viel Futter in der Natur finden. Es gibt ja kaum noch Insekten. Es wird zu viel gesprüht auf den Feldern und da sterben sie aus“, weiß Helmine (9) zu berichten. Das bestätigt auch Friedhofsleiter Jörg Lelke. „Inzwischen geht man ja schon dazu über, nicht nur im Winter, sondern auch das ganze Jahr über Futter für die Tiere auszulegen, weil sie sonst nicht überleben würden. Die Vögel bekommen ja ihre Brut gar nicht mehr groß“, sagt er. Umso mehr erfreuter war er, dass das Projekt mit der Grundschule zustande kam, sodass bald auf dem Friedhof große Futterhäuser aufgestellt werden können. Denn die parkartige Anlage ist in der Stadt offenbar ein wichtiges Refugium für Vögel. Zig seltene Arten wie die Sumpf- und die Beutelmeise sind dort beheimatet. Auch Spechte, Eulen und verschiedene Finken fühlen sich auf dem Friedhof wohl.

Kreatives Werken statt Handysucht

Baut sich eine ganz schicke Behausung: die Beutelmeise. Quelle: Foto: Norbert Dreessen

Voll konzentriert bemüht sich Evelyn (9), den Schrauber möglichst waagerecht zu halten, bevor sie den Abzug herunterdrückt. Millimeter für Millimeter frisst sich die Schraube ins Holz. Passt, wackelt und hat Luft. „Gut so. Das hast Du toll gemacht“, lobt André Wolf die Schülerin und nun darf die nächste ihr Geschick unter Beweis stellen. Der Tischler, der eine Möbelwerkstatt in Ahrensburg betreibt, hat selbst als Kind viel gebastelt und gewerkelt. „Ich bin so aufgewachsen. Mein Vater hat mir viel gezeigt damals und es hat mir als Kind sehr viel Spaß bereitet. Das möchte ich anderen mit meinem Projekt ’Ärmel hoch’ vermitteln und gleichzeitig ein Zeichen gegen den digitalen Trend setzen. Schüler sind ja heutzutage nur noch mit ihrem Handy beschäftigt“, erzählt er. Die Altersspanne derer, die bei dem Tischler in eine Express-Lehre gehen, um etwas mit eigenen Händen herzustellen, ist groß. Mal buchen Firmen bei ihm Workshops für ihre Angestellten, um den Zusammenhalt des Teams zu stärken, mal leitet Wolf aber auch Häuslebauer an, die ihrem Heim mit dem Bau einer Holztreppe einen individuellen Anstrich geben wollen. Da Wolf zwölf Jahre lang als Ausbilder tätig war, fällt es ihm auch leicht, jungen Leuten das nötige Wissen zu vermitteln und sie fürs Werken zu begeistern.

Selbst die seltene Sumpfmeise ist auf dem Oldesloer Friedhof beheimatet. Quelle: Foto: imago stock&people

Bei den Oldesloer Schülerinnen hat das offensichtlich auch geklappt. Sichtlich stolz betrachten sie, was sie in den vergangenen Stunden geleistet haben. Das Grundgerüst des recht großen Vogelhauses haben sie aus Holzleisten zusammengeschraubt und die Bodenplatte mit einem Spezialkleber an den Stützen befestigt, auf denen das Dach ruht. Obendrauf tackerten die Mädchen Schilfrohr fest, so wie es sich für ein zünftiges Vogelquartier gehört. Als letzten Schliff brachten sie rundum noch eine Leiste, auf die sie zur Zierde dünn abgesägte Astscheiben eines Eibenbäumchens genagelt hatten. Nach diesem Muster sollen noch weitere Futterhäuser für die Vögel entstehen.

Jungvögel brauchen Proteine

Ursachen des Vogelsterbens hat der Naturschutzbund (Nabu) erforscht. Demnach ist der dramatische Rückgang weniger in einer gestiegenen Todeszahlen ausgewachsener Tiere zu suchen, sondern darin, dass nicht genug Jungvögel großgezogen werden. Laut Vogel-Kenner Lars Lachmann passiert dies, wenn Vögel keinen geeigneten Lebensraum und nicht mehr genügend Nahrung finden.

ProteinreicheInsekten stellen die wichtigste Nahrungsgrundlage für die Aufzucht frisch geschlüpfter Singvögel dar. Altvögel können laut Lachmann wie bei die Sperlingsarten mit Körnern und anderer vegetarischer Nahrung klarkommen. Zugvögel, so erklärt der Nabu-Experte, ernähren sich dagegen grundsätzlich von Insekten. Ihm zufolge hat eine Langzeitstudie ergeben, dass in 63 meist in Nordwest-Deutschland gelegenen Naturschutzgebiete ein Rückgang der Fluginsekten von 76 Prozent innerhalb von nur 27 Jahren zu verzeichnen war.

Dorothea von Dahlen

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