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Vom Offizier zum Pazifisten: Paul von Schoenaich

Reinfeld Vom Offizier zum Pazifisten: Paul von Schoenaich

Vor 150 Jahren wurde er geboren: Gedenken im Reinfelder Heimatmuseum.

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Paul von Schoenaich aus Westpreußen war mit einer Hamburgerin verheiratet und suchte sich in Reinfeld seine Wahlheimat. Das Foto zeigt ihn noch als Soldaten mit zwei Söhnen. Den einen hatte er im Ersten Weltkrieg verloren. Danach wurde Paul von Schoenaich zum Pazifisten.

Quelle: Fotos: Heimatmuseum Reinfeld/ukk

Reinfeld. Er gilt nach Matthias Claudius als der zweitbekannteste Reinfelder: der Pazifist Paul von Schoenaich. Die Reinfelder haben sogar ihre Hauptgeschäftsstraße nach ihm benannt, 1946. „Eine Ehre, die nur selten jemandem zu Lebzeiten zuteil wird“, sagt Lehrer Albrecht Werner. „Später ist das Thema eher vernachlässigt worden“, ergänzt Bürgervorsteher Gerd Herrmann. Mit dem Gedenken zu seinem 150. Geburtstag soll der von den Nazis gegängelte Sohn einer westpreußischen Adelsfamilie wieder mehr ins Bewusstsein geholt werden — am Sonntag, 21. Februar, im Heimatmuseum.

Fünf Tage später zwar als sein tatsächlicher Geburtstag am 16. Februar, aber das ist ein Dienstag, an dem nur wenige die Zeit fänden, den Ausführungen von Lehrer Albrecht Werner über das Leben und Wirken des Paul von Schoenaich zu folgen und die Relikte seines Lebens zu betrachten. Die Veranstaltung liegt auf einer Linie mit der Verlegung von Stolpersteinen in der Innenstadt vor zwei Jahren, Erinnerungen an die Reinfelder Nazi-Opfer Richard Minkwitz und Carl Harz. Schon damals hatte Kommunalpolitiker Manfred Schönbohm angemahnt, von Schoenaich nicht zu vergessen: „Ein großer Denker“.

Schönbohm kann sich gut vorstellen, dass „nach dem Claudius-Jahr nun ein Schoenaich-Jahr folgt“.

Denn Paul von Schoenaich, hat Albrecht Werner zusammengetragen, beschritt zwar schon als Jugendlicher die Militärlaufbahn und diente als Offizier in verschiedenen Heereseinheiten. Das Ende des Ersten Weltkriegs erlebte er im Kriegsministerium in Berlin. Dort hatte er auch historische und volkswirtschaftliche Vorlesungen besucht. Diese Studien, vor allem aber der mörderische Weltkrieg, dem auch sein Sohn Alphons zum Opfer fiel, hätten einen bemerkenswerten Wandel vom hohen preußischen Offizier zum entschiedenen Pazifisten in Paul von Schoenaich bewirkt. „Der Bruch mit dem alten militaristischen System und die Demokratie als einzige richtige Staatsform waren für ihn notwendige Voraussetzungen für den Wiederaufbau des Vaterlandes“, sagt Lehrer Werner. „Wenn es doch mehr von seiner Sorte gegeben hätte.“

Gleichzeitig habe er sich für ein bodenständiges Leben auf dem Lande entschieden. Paul von Schoenaich erwarb 1919 Land zwischen der Ahrensböker Straße und dem Herrenteich. „Er ließ sich etwa auf Höhe der heutigen Polizei- und Feuerwache ein Haus bauen und betrieb auf dem in Richtung Heidekamp anschließenden Gelände eine Obstplantage und wohl auch ein bisschen Viehzucht. Der Straßenname Am Obstgarten weist heute darauf hin“, sagtet Werner.

In Reinfeld schrieb Paul von Schoenaich seine kritischen Stellungnahmen zur Tagespolitik und seine Aufrufe für Frieden und Völkerverständigung, die er in politisch entsprechend ausgerichteten Zeitungen im ganzen Reich veröffentlichte. Von Reinfeld aus unternahm er vielfache Vortragsreisen ins In- und Ausland und besuchte als Mitglied und späterer Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft nationale und internationale Friedenskongresse. Er gründete eine Art Runden Tisch in der kleinen Stadt und wurde 1933 als entschiedener Kriegsgegner von den Nazis in sogenannte Schutzhaft genommen, saß 24 Stunden in der Zelle im Obdachlosenasyl an der Sperrsitzgasse und anschließend zehn Wochen im preußischen Altona im Gefängnis. Zwar sei er dank der Intervention amerikanischer Quäker schnell wieder herausgekommen, aber nach seiner Entlassung wurde der Pazifist weiter gegängelt.

Es gab ein Ausgehverbot und ein Veröffentlichungsverbot, Hausdurchsuchungen. Von Schoenaich aber schrieb heimlich und im Weinkeller gut versteckt weiter. Die meisten seiner Werke sind in der Reinfelder Stadtbücherei auszuleihen. „In ihnen“, sagt Lehrer Werner, „kann man vieles finden, das heute noch gültig ist.“

Werner und Bürgervorsteher Herrmann wollen das Thema „Paul von Schoenaich“ nun an die Immanuel-Kant-Schule herantragen. Und weitere Veranstaltungen sollten folgen. ukk

Erinnerungen gesucht

Paul von Schoenaich starb am 7. Januar 1954 im Alter von fast 88 Jahren. Spannend wäre es, von alten Reinfeldern zu erfahren, welche Erinnerungen sie an ihn haben. Gibt es noch Fotos und andere Erinnerungsstücke? Sie können mitgebracht werden ins Heimatmuseum zum Gedenken an Paul von Schoenaich am Sonntag, 21. Februar, von 10 bis 12 Uhr.

LN

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