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Vom Prediger-Witwenhaus zum Pastorat

Reinfeld Vom Prediger-Witwenhaus zum Pastorat

Eigentlich wollte der Reinfelder Kirchengemeinderat das Prediger-Witwenhaus am Neuhöfer Teich nur ein wenig besser herrichten - dann aber entpuppte sich das alte Haus als äußerst marode. Die Zeichen stehen auf Abriss.

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Das alte Gemäuer ist von Gerüsten ummantelt. Handwerker und Architekten entdeckten nach und nach immer mehr marode Stellen.

Reinfeld. Eigentlich wollte der Reinfelder Kirchengemeinderat das Prediger-Witwenhaus am Neuhöfer Teich nur ein wenig besser herrichten, damit Pastorin Dr. Christina Duncker dort ihr neues Pastorat einrichten kann. Aber inzwischen ist daraus eine genauso aufwändige wie teure Sanierung geworden.

LN-Bild

Eine unliebsame Überraschung ereilte Reinfelds Kirchengemeinde, als sie das alte Witwen-Predigerhaus am Neuhöfer Teich auf Vordermann bringen wollte.

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Denn als die Männer von Firma Hoffmann das Mauerwerk sowie Wände, Balken und Dachgeschoss näher in Augenschein nahmen, entpuppte sich das alte Haus als äußerst marode. Der Zahn der Zeit hatte am Dachstuhl mehr als nur genagt. Er hatte ihn an einigen Stellen geradezu weggebissen. Der Putz fiel von den Wänden. „Am Ende“, berichtet die Pastorin, „standen alle Zeichen auf Abriss“.

Dass der Rat sich dann doch zur Sanierung entschied, kann sie nur begrüßen. „Schließlich hat das Haus eine spannende Geschichte, die es zu erhalten gilt. Damit wir wissen, woher wir kommen.“ Und so viele historische Gebäude gebe es nicht mehr in Reinfeld.

Tatsächlich geht das 1744 errichtete Gemäuer am Lokfelder Damm, um das die Maurer einen Gürtel aus Gerüststangen gezogen haben, an dem noch ein verwelkter Richtkranz hängt, auf den Vater des berühmten Dichters, Komponisten und Journalisten Matthias Claudius zurück. Es diente als Bleibe für die Witwen der Reinfelder Prediger, es wurde mehrfach neu aufgebaut – „und es gibt viele Reinfelder, die mit dem Witwen-Predigerhaus eine ganz persönliche Geschichte verbindet“, erläutert Christina Duncker. „Das darf nicht einfach verschwinden.“

Doch der Wunsch der Kirchengemeinde nach dem Erhalt des historischen Hauses am Neuhöfer Teich, habe das Lübecker Architektenehepaar Voßgrag vor manchmal schier unlösbare Probleme gestellt, berichtet die Pastorin. „Die Statik des Dachstuhls war selbst für die Architekten nicht mehr durchschaubar“. Ein wenig sei ihnen die Arbeit allerdings durch die Tatsache erleichtert worden, dass das Haus nicht unter Denkmalschutz stehe und damit mehr Freiheit bestand, neue Wände einzuziehen oder Fenster zu verändern, neu zu gestalten. Sie wollten und mussten eine Balance finden zwischen dem möglichst zu erhaltenden Äußeren und den modernen energetischen Standards von heute.

Im November nun, hofft die Pastorin, dort einziehen zu können. Zuvor will sie die Gemeinde in das neue Pastorat einladen. „Es ist ja ein Teil von ihr.“ Und sie hat schon ganz konkrete Pläne, wo und wie sie die Besprechungs- und Arbeitsräume einteilt.

Doch bis dahin haben Vorarbeiter Heinz Reimers und seine Leute noch eine Menge zu tun, nachdem sie bereits seit Januar entkernt, neue Innenwände gezogen haben und einen Ringbalken aus Beton auf das Mauerwerk zur Stabilisierung setzten. Verblendsteine haben sie ergänzt und alten Putz abgestemmt. Auf den neuen Putz sollen zusätzlich Platten gegen die Salzbildung im Mauerwerk gelegt werden. Die Putzerkolonne, hofft Vorarbeiter Reimers, rückt in dieser Woche an.

Und dann wartet auf den kirchlichen Auftraggeber, auf die Maurer und auf die Architekten noch ein ganz spannender Moment: Die Bodenplatte an dem alten Eingang mit der blauen Tür, soll umgedreht werden in der Hoffnung, auf der anderen Seite eine Inschrift zu finden. Wie viele andere Steine in den Wänden, stammt sie noch aus Klosterzeiten. Es handele sich um eine frühere Grabplatte, weiß die Pastorin. Darunter sei aber niemand beerdig. Die Platte soll dann an anderer Stelle an die Geschichte des Hauses aus dem 18. Jahrhundert erinnern.

Und der hohe, schattenwerfende Tannenbaum im Garten, dessen ausladende Zweige schon die Mauern streicheln, soll noch weggenommen werden. Den oberen Teil des mächtigen Baums will Pastorin Duncker in der Kirche als Weihnachtsbaum aufstellen.

Durch die Räume wehen 200 Jahre Geschichte

1802 kauft die evangelischeKirchengemeinde von Meister Lübkert ein kurz zuvor am Neuhöfer Teich errichtetes Haus und richtet es als neues Prediger-Witwenhaus ein. Dieses Gebäude besaß neben drei Kammern außerdem vier Zimmer, die beheizt werden konnten. In einem kleinem Nebenbau gab es einen Kuh-, Schweine- und Holzstall. Alle Bauten waren mit Stroh gedeckt.

1827 bezieht die Frau des Pastors Balemann als erste Predigerwitwe das Haus. 1879 erhalten das Haupthaus und 1881 der Stallanbau ein Ziegeldach.

1978 wird das Haus renoviert und diente dem Diakon als Dienstwohnung.

 Uwe Krog

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