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Stormarn Von A bis ZZ: Er kennt jedes Autokennzeichen
Lokales Stormarn Von A bis ZZ: Er kennt jedes Autokennzeichen
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22:23 20.01.2017
Reinbek

Viele Autobesitzer fahren mit ihrer Visitenkarte herum. Neben dem Ortskennzeichen haben sie ihre Initialen, ein Firmenkürzel oder das Geburtsdatum auf dem Nummernschild – eine Geheimschrift auf Rädern oder auch Ersatz für das Wappen, das Ritter einst im Schilde führten. „Vielen Autofahrern ist das Kennzeichen eine Herzensangelegenheit“, so Hans-Wolfgang Neumann. „Das betrifft auch die Ortskennzeichen.“ Denn nach der Kennzeichenliberalisierung 2012 drücken viele Autofahrer ihre Heimatverbundenheit wieder auf dem Nummernschild aus. Auch Neumann sind Kennzeichen wichtig: Der Reinbeker hat sechs Jahre an einem Buch über Autokennzeichen geschrieben und dabei mehr als 700 Ortskennzeichen aus Deutschland sowie gut hundert Sonderzeichen dargestellt.

Der Reinbeker Hans-Wolfgang Neumann hat ein Buch geschrieben und eine App rund um das Thema Autokennzeichen entwickelt.

Viele davon hat man noch nie gesehen. Wer weiß schon, dass SÖM für den Landkreis Sömmerda in Sachsen steht? Oder FG für Mittelsachsen und dafür Freiburg Pate stand? Und welcher Bayer erkennt bei OD für Stormarn das Kürzel der Kreisstadt? „Ich wollte mehr bieten als nur die Kennzeichen“, so Neumann. „Deshalb findet man in dem Buch auch den Kreis, eine Karte, ein paar charakterisierende Stichworte, die Stadt, die damit abgekürzt ist, einen Link zum Kreis, die Fläche und die Einwohnerdichte pro Quadratkilometer.“ Für den Bodenseekreis liest sich das dann so: „FN – Wirtschaftskraft pur in alter Natur- und Kulturlandschaft mit hohem Freizeitwert, Baden-Württemberg, Friedrichshafen“, und dann folgen Zahlen, Link und Karte.

Das Thema Auto hat Neumann, der 27 Jahre lang Schulleiter in Stapelfeld war, schon immer gereizt. „Ich war lange Kreisfachberater für Verkehrserziehung in Stormarn.“ Zudem hat auch er das Autokennzeichen-Raten auf Reisen gespielt. „Nach der Pensionierung wollte ich etwas machen, aber keine Vogelhäuschen bauen“, so der 72-Jährige. „Da habe ich beschlossen, ein Buch zu schreiben.“ Zu den Kennzeichen fiel ihm so viel ein, dass er bald viel zu viel geschrieben hatte und erst einmal pausierte. „Da hat mir ein Bekannter geraten, dass ich das als App rausbringen soll.“

Neumann entwickelte eine App fürs Handy und ließ sie von einem Informatiker ins Netz stellen. Dort gibt es nun alles Wissenswerte über 821 Autokennzeichen. Doch der Gedanke an ein Buch ließ den Pädagogen nicht los. „Die Rückmeldung zu der App war sehr positiv, also habe ich mit dem Buch weitergemacht.“ Auf 253 Seiten findet der Leser darin alle deutschen Kennzeichen sowie interessantes Zusatzmaterial. „Viele wissen, dass das angehängte ,H‘ für historisches Fahrzeug steht, aber das angehängte ,E‘ ist noch selten. Das bezeichnet Elektroautos, die Privilegien haben und beispielsweise auf Bus- und Taxispuren fahren dürfen.“

Angela Merkel fährt ein Auto mit dem Nummernschild des Bundes „0 - 2“, getoppt wird das nur vom Bundespräsidenten, der „0 - 1“ hat, in „0 - 3“ ist der Außenminister unterwegs. Neumann hat alle Ministerien durchdekliniert, gefolgt von den Diplomatenkennzeichen. „Die Staaten haben einen Zahlencode“, hat er festgehalten, „Für die USA ist es die 17.“ Die Nationalitätskennzeichen Europas folgen, ehe Neumann zu dem Kapitel „Auf der Strecke geblieben“ kommt. „Das sind alte Kennzeichen von 1956, die nicht mehr gelten, nach der Kennzeichenreform aber wieder benutzt werden dürfen“, erklärt er. So wie HUS für Husum statt NF für Nordfriesland.

„Wenn man sich mit Kennzeichen beschäftigt, fallen einem besondere Dinge auf“, so Neumann. „NY“ steht nicht für New York, sondern für Niesky in Sachsen, wenn der „EIS“-Wagen kommt, ist er aus Eisenberg, „TUT“ ersetzt nicht die Hupe, sondern Tuttlingen, „ABI“ verweist auf Anhalt-Bitterfeld. Für die zweite Auflage plant Neumann eine Ergänzung. „Im Volksmund werden die Kennzeichen oft mit Sinn gefüllt, beispielsweise OD für „Old Driver“, WST (Westerstede) für „Wir stechen Torf“ oder STD (Stade) für „Schönster Teil Deutschlands“. Das will ich noch mit aufnehmen.“ Am Ende des Buches gibt es ein Register und ein paar Spiele gegen Langeweile beim Autofahren. Beim Autokennzeichen-Raten hat Neumann die Antwort jetzt immer parat.

Nicht alle Kennzeichen sind erlaubt

Nummernschilder gibt es in Deutschland seit dem Jahr 1896. Nötig wurden sie, damit die Fahrzeuge etwa bei Fahrerflucht erkannt werden konnten. Das heutige System wurde 1956 eingeführt. Die Buchstaben vor dem Strich zeigen, wo der Wagen zugelassen wurde. Nicht alle Buchstabenkombinationen sind erlaubt; unzulässige Zusammenstellungen sind beispielsweise HJ, KZ, NS, SA, SS.

Das Buch von Hans- Wolfgang Neumann „Herzensangelegenheit Autokennzeichen“ ist unter ISBN-Nummer: 978-3-00-053597-0

in jeder Buchhandlung zu bekommen und kostet 14,95 Euro.

 Bettina Albrod

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