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Stormarn Von der Kauffrau im Einzelhandel zur Schulleiterin
Lokales Stormarn Von der Kauffrau im Einzelhandel zur Schulleiterin
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18:18 01.08.2015
Die Bücher für die Erstklässler, die nach den Sommerferien eingeschult werden, stehen bereit. Es ist die zweite Einschulung, die Schulleiterin Petra Gundlach an dieser Grundschule erlebt. Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Das Besondere an der Schulleiterin der Trittauer Mühlau-Schule: Petra Gundlach wurde in ihrer Position noch gar nicht bestätigt — und das obwohl sie seit einem Jahr an der Grundschule arbeitet. Das macht ihr nicht wirklich viel aus, schließlich hat sie vor ihrer Zeit in Trittau bereits zehn Jahre eine Schule geleitet.

Dabei hat sie nach ihrem Abitur in Hamburg-Oldenfelde überhaupt nicht in Richtung Schule gedacht. „Ich habe eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei einem Herrenausstatter gemacht“, erzählt die 50-Jährige. Da bleib sie auch, engagierte sich für die Auszubildenden und warb darum, statt Abiturienten doch lieber Hauptschüler einzustellen. Mit mäßigem Erfolg. Dafür drehte sie schließlich den Spieß um und studierte auf Lehramt in Flensburg. Lehrerin für die Grund- und Hauptschule wollte sie werden, mit den Fächern Deutsch, Musik, Biologie. Da konnte sich Gundlach endlich um die Hauptschüler kümmern. „Mein Referendariat habe ich in Geesthacht gemacht, bekam meine erste Hauptschulklasse dann in der Nachbarschule.“ Neun Jahre war sie an der Butenskamp-Schule Lehrerin, später Schulleiterin. Mit 730 Schülern war die damalige Grund- und Hauptschule groß. Langsam lief die Hauptschule aus, ein DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Zentrum für Flüchtlinge wurde stattdessen installiert. Eigentlich hätte Petra Gundlach bleiben können — auf Grund der Schülerzahl konnte sie aber nicht befördert werden.

Von drei Angeboten, die ihr gemacht wurden, wählte sie die Mühlau-Schule aus. „Ich wollte schon immer nach Stormarn“, erzählt die gebürtige Hamburgerin, die in Stapelfeld aufgewachsen ist und mittlerweile in Aumühle wohnt.

Statt wie gelernt Bio, Deutsch und Musik zu unterrichten, muss die Schulleiterin sich auf den Förderunterricht in der DaZ-Aufbaustufe beschränken. Arbeitet also mit Kindern, die von den DaZ-Zentren in Glinde, Reinbek oder Ahrensburg kommen und ihr Rüstzeug für die deutsche Sprache bekommen haben. Das macht ihr Spaß. Wie überhaupt die Arbeit mit Kindern wichtig für sie ist. „Man prägt die Kinder und die Kinder prägen einen auch. Es ist immer wieder erstaunlich, nach wie vielen Jahren man immer wieder neue Sachen erlebt. Sowohl anstrengende als auch schöne Momente machen diesen Beruf aus“, erklärt Petra Gundlach. Wenn die Viertklässler die Schule verlassen, sei es schön zu sehen, was aus den Kindern bereits geworden ist.

Die Schule und die Kinder hätten sich aber verändert. Deshalb begrüßt Gundlach den Einsatz von Schulischen Assistenten, den das Land jetzt forciert. „Wenn sie Kinder mit besonderem Förderbedarf haben, ist es für die Lehrer nicht immer einfach zu unterrichten. Die Anforderungen für den Unterricht sind gestiegen. Er muss auf unterschiedlichen Leistungsebenen stattfinden. Da darf eins von 27 Kindern unterwegs nicht verloren gehen“, so Gundlach. Da sei es von Vorteil, wenn Schulassistenten mit in den Unterricht gehen könnten. Aber auch außerhalb des Klassenraums seien sie wichtig.

Beispielsweise wenn es darum ginge, sinnvolle Pausenspiele zu entwickeln. „Viele Kinder können dies heute nicht mehr eigenständig entwickeln.“ Die Jungen und Mädchen entwickelten heute oft kein Wir-Gefühl mehr, seien nicht teamfähig. „Die Klassenstrukturen werden immer heterogener.“

Gundlach hat es anders erlebt. Zu den Schülern ihrer ersten Hauptschulklasse hat sie noch Kontakt. „Es ist so schön zu sehen, wie sie ins Leben gestartet sind.“ Einige sind erfolgreich, andere haben es nicht geschafft. Von manchen „habe ich die Kinder schon unterrichtet. Das ist ein tolles Gefühl“.

Grundschule bietet Förderunterricht für Migranten
Die Grundschule wurde 1974 in Trittau eröffnet. Die Schule hat sich 2009 den Namen Mühlau-Schule gegeben, in Anlehnung an die Mühlau oder Schönau, die den Mühlenteich der ehemaligen Korn-Wassermühle Trittaus speist.



Seit dem Schuljahr 2006/2007 ist die Schule Offene Ganztagsschule. Träger ist der Schulverband Trittau. Zurzeit unterrichten 23 Lehrer an der Schule, im vergangenen Schuljahr wurden 452 Jungen und Mädchen unterrichtet.



Die Schule bietet ihren Schülern mit Migrationshintergrund Deutsch als Zweitsprache (DaZ) im Förderunterricht an. Und zwar dann, wenn die Kinder aus den DaZ-Zentren in Glinde, Reinbek oder Ahrensburg nach Trittau wechseln. Im Laufe der Zeit rechnet Schulleiterin Petra Gundlach mit etwa 40 Kindern. Die werden in Forder- und Förderkursen weitergebildet.

K. Kuhlmann-Schultz

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