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Stormarn Vor 170 Jahren gab es neben Musik auch politische Stimmung
Lokales Stormarn Vor 170 Jahren gab es neben Musik auch politische Stimmung
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18:15 19.10.2013
Trittau

Von 1838 bis 1842 herrschte in Schleswig-Holstein Versammlungsverbot. Die eine Seite forderte die Eigenständigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein unter deutscher Regierung, auf der anderen Seite wollte Dänemark Schleswig an sich binden. „Um das Versammlungsverbot zu umgehen, haben sich damals viele Männerchöre gebildet“, erklärt Norbert Scheller, Vorsitzender des Trittauer Gesangvereins von 1843.

So auch in Trittau: „Lehrer, Advokaten, Pastor — sie alle haben sich damals im ‘Burgkrug‘ in Trittau getroffen.“ Nach außen hin einte sie der Gesang, innen drin aber gärte es. „Man hat sich bei den Treffen politisch ausgetauscht, aber man hat auch tatsächlich gesungen. Der Kantor oder der Lehrer waren damals Dirigent.“ Vaterländische Lieder verbanden politische Gesinnung und das Hobby Singen, und beim Sängerfest 1844 brachte das Schleswig-Holstein-Lied den Wunsch nach einem deutschen Schleswig-Holstein mit Noten auf den Punkt. 20 Männer, so die Chronik, gründeten 1843 den Verein und hielten dessen Banner hoch, das einige Damen aus Lübeck gestickt hatten.

Während der Erhebung Schleswig-Holsteins in den Jahren von 1848 bis 1851 ruhten die Aktivitäten, bis 1873 die Sangestätigkeit wieder auflebte. Die Geschichte veränderte sich laufend, die beiden Weltkriege sorgten für Unterbrechungen, aber der Trittauer Gesangverein blieb. „So richtig aktiv wurde er erst wieder in den 70er-Jahren“, berichtet Chronist Helmut Girnuweit. Inzwischen stand das Singen im Vordergrund, das vor allem Geselligkeit garantierte.

„Damals haben wir Sängermaskeraden gehabt“, erinnert sich Jürgen zum Felde. „Das war wie Karneval, da hat man sich verkleidet.“ Zumindest die Frauen, die dann mit durften, Männern fehlte es an Mut.

1960 erhielten die Sänger eine Plakette vom Bundespräsidenten für ihre Tätigkeit — mittlerweile gehört der Trittauer Gesangverein zum Sängerbund Schleswig-Holstein, zum Deutschen Sängerbund und zur Chorgemeinschaft Stormarnsche Schweiz.

Vor zwei Jahren hat Norbert Scheller den Vorsitz übernommen und ist nun die Stimme von 30 aktiven Sängern unter der Leitung von Waldemar Majewski und 100 passiven Mitgliedern. „Dieses Jahr sind wir 170 Jahre alt geworden“, sagt er, „beim Festgottesdienst war die Kirche gefüllt.“ Gefüllt ist auch der Terminkalender der Sänger, die nicht nur Lieder, sondern auch Freundschaft verbindet.

„88 Termine im Jahr“, erklärt zum Felde, „wir singen Adventskonzerte in Trittau und Basthorst, sind beim Tag des Liedes dabei, werden für Geburtstage, Hochzeiten und Feiern aller Art oder zum Tanz in den Mai eingeladen.“ Dann singen sie Oper, Volkslieder, Gospel, Seemanns- oder Kirchenlieder. „Wir haben schon im Felsendom in Helsinki und in der Semperoper in Dresden gesungen oder in Frankreich.“

Dorthin führen sie Chorreisen, die zu den Höhepunkten des Jahres gehören und die Verbindung zu den Partnerchören stärken.

Beim reinen Männerchor ist es geblieben, nachdem sich die Befürworter eines gemischten Chors abgespalten haben. „Wenn Frauen dabei sind, gibt es Gezänk“, hat Scheller beobachtet. „Wir singen alle, weil es uns Spaß macht. Wir sind keine Profis, aber wir üben seit über hundert Jahren.“ Vier Jahrzehnte Sangesalter kommen zum Singen in der Wassermühle zusammen, und der Chor hätte gerne weitere Mitglieder. „Männer traut Euch!“, „Singen kann jeder“ oder „Singen ist gesund“ wirbt ein Flyer, der zum Schnupper-Mitsingen einladen soll.

„Das ist ein netter Verein“, schwärmt Wilfried Sieksmeyer, „ich singe schon seit 67 Jahren mit.“ Norbert Scheffler fährt seine Liebe zum Trittauer Gesangverein sogar spazieren: Auf seinem Nummernschild steht TG 1843.

Der Trittauer Gesangverein trifft sich jeden Mittwoch um 19.30 Uhr in der Wassermühle in Trittau. Er ist auch auf Facebook vertreten.

Bettina Albrod

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