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Stormarn Vor 175 Jahren erschien in Oldesloe die erste Zeitung
Lokales Stormarn Vor 175 Jahren erschien in Oldesloe die erste Zeitung
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20:37 05.04.2014
Harry Mähl (66) aus Neritz suchte für das Theaterstück nach guten Anekdoten aus der Vergangenheit der Stadt. Quelle: Fotos: Susanna Fofana
Bad Oldesloe

Wo wird der nächste Spielort für das neue historische Theaterstück des Vereins Bad Oldesloe macht Theater (Badomat) sein? Am Wochenende wollen sich Vereinsmitglieder auf die Suche danach begeben. Ob sie wohl einen geeigneteren Ort finden werden als den Hof des Bürgerhauses, wo schon der Vorgänger „Marke Bölck“ begeisterte? Zumal der Hof quasi draußen vor der Tür des Stormarner Tageblattes liegt, dem Nachfolger der vor 175 Jahren am 6. April 1839 erschienenen ersten Oldesloer Zeitung, um die und deren Verleger Julius Schythe sich die neue Theatergeschichte rankt.

Zum Projektentwicklungsteam des Oldesloer Vereins, kurz PET genannt, gehören 15 Mitglieder. Harry Mähl (66) ist einer von ihnen und zudem Vorstandsmitglied. „Unser Arbeitstitel heißt ‘Schythe‘“, verrät er. Aber welchen Namen das Stück tatsächlich trägt, wenn es um Pfingsten 2015 endlich bühnenfertig sein wird, steht noch längst nicht fest. Dreimal schon haben sich die Oldesloer mit dem alten und neuen Regisseur Sven Lenz (früher Lange) getroffen, um ihm ihre Ideen und interessante Oldesloer Originale aus der Zeit der Revolution und die Erhebung gegen Dänemark in der Zeit um 1848 zu präsentieren.

Der Hamburger Theaterfachmann „hat den Plot schon im Kopf“, glaubt Mähl. Lenz schreibe gerade mit Hochdruck an dem Oldesloer Drehbuch. Das Casting wird vom Verein noch vor den Sommerferien angestrebt. „Nach den Ferien geht es dann los“, sagt Mähl. Schließlich bringt man rund 100 Laiendarsteller in historischen Kostümen nicht von heute bis morgen auf die Bühne.

Die Idee von einer Zeitung lag vor 175 Jahren quasi „in der Luft“, so Mähl. Die Bevölkerung wollte nicht länger auf fragwürdige Erzählungen von Bänkelsängern oder Reisenden angewiesen sein. Die Nachrichten in der Erstausgabe des „Oldesloer königlich privilegiertes Wochen-Blattes für Stadt und Land“, die am 6. April 1839 in einer Auflage von 250 Exemplaren gedruckt wurde, erschienen da schon vertrauenswürdiger. Der Postmeister, Senator und Kanzleirat Peter Schythe hatte damals erkannt, dass die aufblühende Stadt Oldesloe mit fast 3000 Einwohnern eine Druckerei und eine Zeitung benötigt.

Deshalb wurde sein 1814 geborener Sohn Julius Buchdrucker. Die Absicht dahinter, so schreibt Friedrich Bangert in der „Geschichte der Stadt und des Kirchspiels Bad Oldesloe“, „daß er hier einmal eine Druckerei und eine Zeitung gründe und dadurch eine sicher fließende Nahrungsquelle für seine Familie erschließe.“

Vier Jahre dauerte die Druckerlehre in Rendsburg, vier weitere Jahre ging der Junior auf Wanderschaft bis nach Italien. Ohne Schwierigkeiten erhielt die Familie danach die Erlaubnis zur Gründung einer Druckerei. Die Genehmigung für die Herausgabe einer Zeitung erfolgte jedoch nur unter der Bedingung, dass keine politischen Nachrichten darin veröffentlicht werden.

Alle Versuche, die Dänen umzustimmen, scheiterten. Bangert: „Die Regierung blieb hart weil sie die Verbreitung von Nachrichten über die innere und äußere Politik durch die Presse nicht dulden wollte.

Dass aber die Politik trotz des Verbotes bald im Wochenblatt auftauchte, zeigen die vielfachen Verweise der Regierung an den Zensor und an den Verleger, die bereits im Jahre 1840 begannen und erst im März 1848 durch Verkündung der Preßfreiheit ihren vorläufigen Abschluss fanden.“ Schythe kam wegen der Verstöße sogar ins Gefängnis, ins „Blauen Haus“ an der Hude. Er gab es trotzdem nicht auf, die Politik der schleswig holsteinischen Freiheitsbewegung gegen die Dänenherrschaft zu unterstützen, die dann 1863 beendet war.

Dargestellt werden soll im Theaterstück die Revolutionszeit anhand der skurrilen Oldesloer Typen, die die Vereinsmitglieder von Badomat in alten Unterlagen entdeckten. Dazu gehören außer dem Verleger Schythe und seiner Schwester auch der Bürgermeister und Zensor von Colditz sowie ein Politiker, der unbedingt an die Macht will.

Mehrere Titel
Der Name der ersten Oldesloer Zeitung wurde 1862 in „Oldesloer Landbote“ geändert. Ein in Trittau erschienenes Lokalblatt wurde 1888 mit dem Landboten vereint. 1898 wurden die Ostholsteinischen Nachrichten in Oldesloe gegründet, die jedoch nicht lange existierten.



Ein Lübecker Verlag gründete das Oldesloer Tageblatt, stellte es aber zum 75-jährigen Jubiläum des Landboten wieder ein. Die Reinfelder Nachrichten existierten nur drei Monate. Charles Colemann (1852 - 1936) zog 1877 von Oldesloe nach Lübeck und gründete dort 1882 den General-Anzeiger, der Vorgänger der Lübecker Nachrichten war. Die heißen heute in Stormarn Stormarner Nachrichten. sus

Susanna Fofana

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