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Stormarn Waldwege werden in Form gebracht
Lokales Stormarn Waldwege werden in Form gebracht
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20:43 24.08.2017

„Der Regen hat den Untergrund aufgeweicht und den Wegen doch erheblich zugesetzt“, stellt Matthias Wruck fest. Der Revierförster streift täglich durch die Reinfelder Wälder, um den Fortschritt bei den laufenden Sanierungsarbeiten zu überwachen. Denn viele Wege müssen in diesen Tagen ausgebessert werden – noch vor Beginn der kalten Jahreszeit und der nächsten Holzernte.

In der Reinfelder Försterei sollen auch Lkw unterwegs sein – Granitsteine aus Norwegen sorgen für mehr Tragfähigkeit – Spazierwege werden mit einem Grader ausgebessert.

Volker Weiß, Sachgebietsleiter für Wegebau bei den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, ist mit im Revier Fohlenkoppel unterwegs und hat auch den Überblick für das gesamte Land: „Wir müssen den Ansprüchen der Holzindustrie gerecht werden. Denn die Baumstämme sollen möglichst frühzeitig verkauft werden, und dafür müssen die Wege befahrbar sein.“ Und zwar auch mit großen Fahrzeugen, denn die Förstereien sorgen zwar für das Abholzen, doch der Abtransport wird in der Regel von den Käufern, von privaten Unternehmen, erledigt.

„Die Fahrwege müssen deshalb eine Breite von mindestens 3,50 Meter aufweisen“, erläutert Volker Weiß. Dann könnten sie auch von voll beladenen Lastwagen befahren werden. Als tragfähiges Material wird von den Landesforsten gebrochener Granitstein verwendet. „Es ist ein ganz neutrales Gestein, ein Material, das so auch in der Natur vorkommt“, betont der Sachgebietsleiter. Allerdings nicht in Schleswig-Holstein – und so wird der Granit per Schiff von Norwegen in das nördlichste Bundesland transportiert. Mehrere 1000 Tonnen könnten dann auf einen Schlag angelandet werden. Sie werden anschließend auf die insgesamt 31 Förstereien in Schleswig-Holstein verteilt, um die 850 Kilometer langen Wirtschaftswege zu befestigen. Insgesamt hat Volker Weiß für diese Aufgabe rund eine Million Euro pro Jahr im Etat.

Auch das Reinfelder Revier bekommt jetzt seinen Anteil. „Wir haben hier sicher einen Nachholbedarf“, so der Sachgebietsleiter. In der Fohlenkoppel sind in diesen Wochen die Mitarbeiter eines privaten Unternehmens im Einsatz, um die kleinen Granitsteine auf den Wirtschaftswegen zu verteilen. Spaziergänger können diese Aktionen beobachten oder passieren auch die Halden mit dem Material, das jetzt noch eingebaut werden muss.

Rund 300 Tonnen wird Matthias Wruck für seine Försterei bekommen. Damit sollen Strecken von knapp zwei Kilometer wieder instand gesetzt werden. Fünf bis zehn Jahre, so schätzen die Experten, wird es dann zunächst einmal Ruhe bei den Ausbesserungen geben. Aber auch dies sei von der Witterung abhängig. Wichtig sei, dass die Sanierungsarbeiten noch vor dem Beginn der nächsten Holzernte abgeschlossen werden können.

Die Fohlenkoppel gilt als Region für Laubmischwald, vor allem Buchen gedeihen sehr gut. Und im kommenden Monat soll mit dem Einschlag begonnen werden. Matthias Wruck hofft auf eine erfolgreiche Ernte. Die Qualität der Bäume sei gleichbleibend gut – und vermutlich auch die Preise. „Buche ist zurzeit durchaus gefragt, denn die aktuellen Marktsignale sind gut. Es ist ein helles Holz, das für die Herstellung von Möbeln verwendet werden kann“, so Volker Weiß. Es müsse natürlich sicher aus den Wäldern bis in die Sägewerke transportiert werden.

Nicht nur Fahrwege, die eine besondere Tragfähigkeit aufweisen müssen, werden zurzeit instandgesetzt. Auch die Strecken, auf denen nur Spaziergänger oder Pkw unterwegs sind, müssen nach Angaben der Experten regelmäßig ausgebessert werden. „Denn der Wald holt sich sonst diese Wege wieder“, sagt Volker Weiß. Also wird ein so genannter Pflegegrader eingesetzt, der über die schmalen Wege fährt und die Oberflächen mulcht. In diesen Tagen ist Hans-Ulrich Hinz mit dem großen Fahrzeug in Reinfeld unterwegs. Der Grader ist von den Landesforsten neu angeschafft worden. Und Volker Weiß bittet bei Passanten um Verständnis, wenn wegen der laufenden Ausbesserungsarbeiten der sonst so erholsame Spaziergang nicht ganz störungsfrei verlaufen kann.

Denn, und da gibt es für die beiden Forstleute keinen Zweifel, Wälder bieten nicht nur die wichtigen Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen – sie sind auch für viele Naturliebhaber unverzichtbare Oasen zu allen Jahreszeiten. Auch wenn die kräftigen Niederschläge in den vergangenen Wochen den Wegen erheblich zusetzten, „für den Wald ist es doch ein fruchtbares Jahr“, ist Revierförster Matthias Wruck überzeugt.

Revier in Reinfeld

Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) betreuen knapp ein Drittel der 173412 Hektar großen Waldfläche im Land. Mit Gründung der Forsten als Anstalt öffentlichen Rechts im Jahr 2008 wandelte sich die einst traditionelle Forstverwaltung in ein Unternehmen. Der Hauptsitz in Neumünster bildet die Schnittstelle und den Koordinationspunkt der Geschäftsfelder Holz und Dienstleistungen, Jagd und Wild, Gemeinwohlleistungen sowie biologischer und technischer Produktion. In den SHLF-Wäldern gibt es Wege mit einer Länge von rund 1500 Kilometern.

Die Revierförsterei Fohlenkoppel hat eine Größe von 450 Hektar. Ihr Sitz ist in Reinfeld an der Bolande 42.

 Michael Thormählen

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