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Stormarn Schüsse auf Robin L. (21): Obduktion zeigt Todesursache
Lokales Stormarn Schüsse auf Robin L. (21): Obduktion zeigt Todesursache
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15:12 09.10.2018
Tod in der Schützenstraße: In Bad Oldesloe wurde der 21-jährige Obdachlose Robin L. von einem Polizeibeamten erschossen. Warum, das ist nach wie vor unklar. Quelle: Jens Burmester
Bad Oldesloe

Nach dem Tod eines 21-jährigen Obdachlosen durch Polizeikugeln in Bad Oldesloe geht die Diskussion über den Einsatz der Beamten weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen jetzt von einem Angriff des jungen Mannes auf die Beamten. In der Stadt fragen sich viele Menschen, ob die Polizisten ihn nicht anders hätten stoppen können, ohne ihn zu töten.

Zwei Schüsse, dann lag der 21-Jährige sterbend auf dem Fußweg

Er hieß Robin. Am Sonntagvormittag gegen 11.30 Uhr tauchte er mit einem 18 Zentimeter langen Messer vor der Schwimmhalle in Oldesloe auf. Zeugen riefen die Polizei, die erste Beamtin und der erste Beamte entdeckten ihn 100 Meter entfernt in der Schützenstraße. Ein Warnschuss. Doch Robin rannte weg. Ein zweiter Streifenwagen kam dazu. Plötzlich zwei weitere Schüsse, so berichteten es Zeugen den LN. Dann lag der 21-Jährige sterbend auf dem Fußweg.

Obduktion offenbart genaue Todesursache

Der Leichnam des 21-Jährigen wurde am Montag in die Lübecker Rechtsmedizin gebracht und obduziert. Am Dienstag veröffentlichte der Leitende Oberstaatsanwalt Lübeck das Ergebnis der Obduktion. Demnach habe die „Schussabgabe zu schwersten inneren Verletzungen vornehmlich im Bereich der Luftröhre und der Lungenarterie“ geführt, was einen großen Blutverlust zufolge hatte. Die Obduktion decke sich aktuell mit den Angaben der Polizeibeamten, die sie unmittelbar nach den tödlichen Schüssen in Vernehmungen gemacht haben, so der Oberstaatsanwalt.

Nach den Schüssen hätten die Polizisten die Vitalfunktionen des 21-Jährigen überprüft, so die Staatsanwaltschaft. Zunächst sei er noch am Leben gewesen, doch kurz darauf hätten die Beamten keinen Puls mehr feststellen können. Der wenig später eingetroffene Notarzt habe nur noch den Tod von Robin festgestellt.

Schüsse von vorn in die Brust

Die zwei Schüsse aus dem Lauf der Waffe eines 32-jährigen Obermeisters der Wache Bad Oldesloe hätten den Obdachlosen „von vorne in die Brust“ getroffen, erklärte am Montag Staatsanwalt Christian Braunwarth, Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Lübeck. Mehrfach hätten die Beamten den 21-Jährigen zuvor lautstark aufgefordert, das Messer wegzulegen. Sie hätten sogar Pfefferspray eingesetzt.

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Oldesloer fragen: Hätte man Robin nicht anders stoppen können?

War dieses Spray wirkungslos? Jedenfalls habe sich der 21-Jährige schließlich „bedrohlich und mit gegen den Oberkörper gerichteten Stichbewegungen“ auf die Beamten zubewegt, so schildern es der Staatsanwalt und die Polizei in ihrer Erklärung. Nach Paragraf 258 des Landesverwaltungsgesetzes ist der Gebrauch von Schusswaffen zulässig, „um eine gegenwärtige Gefahr für Leib oder Leben abzuwehren“ – allerdings nur, um Personen „angriffs- oder fluchtunfähig zu machen“.

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Die Oldesloerin Hanna Möller beurteilt den Vorfall denn auch ganz anders. „Es waren doch mehrere Beamte vor Ort. Da muss es doch möglich sein, den Mann mit Pfefferspray oder mit dem Schlagstock außer Gefecht zu setzen“, sagt die Hebamme aus dem Oldesloer Geburtshaus. Dann legt sie Blumen vor dem Haus in der Schützenstraße ab, vor dem Robin starb. Zahlreiche weitere Oldesloer taten es ihr gleich. Robin sei nie aggressiv gewesen, erzählen andere Passanten. Und man habe doch gewusst, dass er nicht gesund gewesen sei.

21-Jähriger war nur noch wenige Meter von den Beamten entfernt

Dass der 21-Jährige psychisch krank war, sei tatsächlich auch den Beamten bekannt gewesen, als sie zum Einsatzort kamen, bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft. Allerdings betont Braunwarth, dass die Schüsse gefallen seien, „als der Mann nur noch wenige Meter von den Beamten entfernt war“. Tatsächlich wurden die Patronenhülsen nach den beiden letzten Schüssen in einer Entfernung von etwa vier Metern zum Leichnam gefunden. Robin L. sei zudem polizeibekannt gewesen. Es solle etwa bereits einen Vorfall mit einer Gaspistole gegeben haben, außerdem einen Autoaufbruch, einen Diebstahl.

Schusswaffengebrauch

Der Schusswaffen-Vorfall am Sonntag in Bad Oldesloe ist kein Einzelfall. Allein 2018 setzten Polizisten bei einem Einsatz in Schleswig-Holstein laut Landespolizeiamt schon viermal ihre Schusswaffe ein. Am 29. August in Flensburg und am 20. September in Heringsdorf gab es dabei jeweils einen Verletzten. Am 30. Mai hatte zudem eine mit der Bahn reisende Bremer Polizistin im Bahnhof von Flensburg einen tödlichen Schuss auf einen gewalttätigen Mann abgegeben.

Im Jahr 2017 haben Polizisten im Norden insgesamt sechs Warnschüsse abgegeben. Viermal feuerten sie zudem gezielt auf eine Person. Eine Person wurde dabei verletzt. 2016 gab es ebenfalls einen Verletzten, nur 2015 bei insgesamt nur zwei abgegebenen Schüssen keinen Verletzten. Im Jahr 2014 war im Norden zuvor letztmalig eine Person durch einen Schuss aus der Waffe eines Polizisten getötet worden, eine Person wurde verletzt.

In der Mehrzahl der Fälle von Schusswaffengebrauch würden Polizisten auf Tiere schießen, sagt der Sprecher des Landespolizeiamtes, Torge Stelck. So gaben die Beamten im Norden im Jahr 2017 allein 456 Schüsse ab, um etwa von einem Auto angefahrenes, schwer verletztes Wild von seinem Leiden zu erlösen.

Notwehr also? Die Frage, warum der Beamte dem jungen Mann aus dieser relativ kurzen Entfernung nicht in die Beine schoss, sondern in den Oberkörper, blieb allerdings auch am Montag unbeantwortet. Die Ermittlungen dauerten an, hieß es gestern nur. Der 32-jährige Polizeibeamte wird psychologisch betreut. Er stand nach dem Vorfall am Sonntag sofort unter Schock und ist derzeit nicht dienstfähig.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von dem Einsatzort in Bad Oldesloe zu sehen.

Wolfram Hammer, Jens Burmester

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