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Stormarn Was kostet die Welt? Beckers Geld hängt an der Wäscheleine
Lokales Stormarn Was kostet die Welt? Beckers Geld hängt an der Wäscheleine
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23:46 05.02.2016
Der Bargteheider Künstler Heinz-Ludwig Beckers mit seiner Zeichnung zum Thema „Was kostet die Welt“. Quelle: Fotos: Bettina Albrod

Als in den 60er-Jahren ein Karmann-Ghia in der VW-Werbung durch gezeichnete Landschaften fuhr, saß Heinz-Ludwig Beckers am Zeichenstift. Als Gebrauchsgrafiker arbeitete er in der Werbung und hatte mit VW einen hochkarätigen Abnehmer für seine Arbeiten gefunden. Später war er freiberuflicher Verpackungsdesigner für Kunden wie Beiersdorf oder Kühne und entwarf Spirituosen-Designs für Coop. Dazwischen fand er immer wieder Zeit fürs Zeichnen, dem von Beginn an seine Leidenschaft galt. Von 1958 bis heute hat der Bargteheider Künstler eine Fülle von Arbeiten geschaffen, aus denen eine Auswahl ab 12. Februar im Bargteheider Stadthaus gezeigt wird.

„Ich zeichne an der Grenze zum Realismus. Dieser wird in die Zeichnung übersetzt.“

Heinz-Ludwig Beckers

Die Ausstellung mit gut 40 Arbeiten von Heinz-Ludwig Beckers ist vom 12. Februar bis zum 15. April (ausgenommen in den Osterferien) im Bargteheider Stadthaus zu sehen. Die Vernissage ist am 12. Februar um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

„Ich habe 1952 mit 17 Jahren mein Studium an der Werkkunstschule in Braunschweig begonnen“, erzählt Beckers. „Ich war wie mein Lehrer ein reiner Federzeichner.“ Als Pressezeichner verdiente er sich Geld, illustrierte Geschichten und zeichnete Porträts. Beckers Motive sind in den Anfangsjahren häufig Landschaftsaspekte in Schwarz-Weiß, die durch Rundungen und leicht verschobene Achsen tänzerisch-beschwingt daher kommen. „Ich zeichne an der Grenze zum Realismus“, beschreibt er seinen Stil. „Der Realismus wird in die Zeichnung übersetzt.“

Nachdem er seine Frau Hannelore kennengelernt hatte — auch sie eine Künstlerin — verbrachte das Paar viele Urlaube zeichnend in Italien oder Frankreich. 1976 gehörten Beckers zu den Gründungsmitgliedern des Kunstkreises Bargteheide, und im Rahmen der Themenausstellungen sind viele Arbeiten des Künstlers entstanden.

„Damals habe ich erstmals Farbe in ein Bild gebracht“, erläutert Beckers die Zeichnung eines Baggers, der sich ins Bauland gräbt. „Wenig Farbe kann manchmal die Wirkung von Schwarz-Weiß erhöhen.“

Seine Arbeiten bezeichnet er als geschriebene Bilder, in denen sich die Linien flüssig zu seiner künstlerischen Handschrift verbinden. Detailfreudig und mit dem Blick für filigrane Besonderheiten hat er so den anmutigen Fall von Fischernetzen eines Kutters genauso festgehalten wie die charakteristischen Linien und Falten in interessanten Gesichtern. „Ich habe viele Bargteheider Charakterköpfe gezeichnet“, erzählt Beckers. „Wenn ich ein Gesicht interessant fand, habe ich dem Menschen angesprochen, ob er mir Modell sitzt.“

In den späteren Jahren sind mit Zeichenfeder, Buntstift und Kreide viele Zeichnungen entstanden, die teils Karikaturenelemente enthalten und Beckers im Selbstporträt beispielsweise mit Augenklappe oder als Froschkönig zeigen. In diesem Semester hat er das Cover des Volkshochschul-Heftes gestaltet, eine poppig-blumige Hand, noch mal ein ganz neuer Stil.

„Die Werkschau verfolgt Beckers Arbeit von den Anfängen bis heute“, erläutert VHS-Leiterin Ute Sauerwein-Weber, „dadurch kann man die Entwicklung des Künstlers nachverfolgen.“

Seine aktuellen Arbeiten wird man in der Ausstellung „Starke Stücke“ des Kunstkreises Bargteheide sehen können. Damit wird Ende Mai das 40-jährige Bestehen des Kunstkreises gefeiert.

Bettina Albrod

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