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Stormarn „Was wir tun, könnte der Nachbar auch“
Lokales Stormarn „Was wir tun, könnte der Nachbar auch“
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22:48 26.10.2017
In Kochkluft (v.l.): Geschäftsführer Thorsten Bormann, Betreuerin Heike Rohn, Willi Rump und Alexia Barmpas, pädagogische Assistenzkraft.
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Bad Oldesloe

Ein bunter Mix aus Tomaten, Mais, Thunfisch, Käse und anderen Zutaten wartet darauf, zur schmackhaften Pizza ausgebacken zu werden. Im neuen Domizil von Horizonte in den alten Räumen der Markt-Apotheke in Bad Oldesloe haben sich Männer und Frauen eingefunden, um gemeinsam und vor allem gesund zu kochen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, erfüllt alle mit Stolz.

Wer seelisch leidet, wird immer noch gesellschaftlich ausgegrenzt. Dabei können Schicksalsschläge wie der Tod eines geliebten Menschen oder der Verlust des Jobs jeden aus der Bahn werfen. Die Horizonte SH OHG hilft Betroffenen, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.

„Gruppenangebote wie diese sind sehr wichtig bei uns. Sie helfen den Klienten, ihren Tagesablauf wieder zu strukturieren. Niemand soll allein zu Hause etwas Vorgefertigtes in den Ofen schieben müssen“, sagt Geschäftsführer Thorsten Bormann. Doch das sei es nicht allein. Die Mitglieder der Kochgruppe lernten gleichzeitig, mit dem zur Verfügung stehenden Geld zu haushalten, eine Fähigkeit, die vielen aufgrund ihrer seelischen Einschränkung verloren gegangen sei. Auch andere Beschäftigungen wie im Nähzirkel oder der Musikgruppe seien geeignet, den Klienten wieder zu einem eigenständigen Leben zu verhelfen. Viele profitierten auch davon, sich im Kreise anderer Mitmenschen mit ähnlich gelagerten Problemen austauschen zu können. Das Spektrum der psychischen Einschränkungen ist weit gespreizt. Denn Hilfe suchen bei Horizonte ebenso Depressive wie Leute mit Borderline-Erkrankungen, Zwangsstörungen und anderen seelische Leiden.

Abgesehen von den kreativen Aktivitäten, für die jetzt am neuen Standort mehr Platz vorhanden ist, zielt das Programm von Horizonte auch darauf ab, den Klienten den Wiedereinstieg in einen Beruf zu ermöglichen. Das Café im Oldesloer KuB ist so ein geschützter Raum, in dem sie ihre beruflichen und sozialen Fähigkeiten schulen und verfeinern können, um somit die Chance zu bekommen, sich später für eine ähnlich geartete Arbeit zu bewerben.

In diese Richtung zielt auch die Zukunftswerkstatt. Sie bietet Klienten eine Plattform, die sich schon soweit stabilisiert haben, dass sie wieder einer geregelten Tätigkeit nachgehen können.

Gemeinsam mit den Sozialpädagogen von Horizonte loten sie aus, welche berufliche Orientierung ihnen liegen würde, welche Fertigkeiten sie dafür mitbringen müssen und ob es gegebenenfalls Qualifikationen gibt, die ihnen den Quereinstieg in den Job eröffnen. Sie helfen auch, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Denn für einen Laien ist es oftmals schwer zu erahnen, ob nun das Jobcenter oder der Rentenversicherungsträger in einem solchen Fall die Förderung übernimmt.

„Was wir hier machen sind keine Zauberkunststücke. Was wir tun, könnte eigentlich auch der Nachbar machen“, sagt Thorsten Bormann und spricht damit einen wunden Punkt an. In anderen Kulturen würden Menschen nicht so in der Anonymität untergehen wie in den westlichen Ländern. Dort hätten auch Leute mit psychischen Problemen einen festen Platz in der Gemeinschaft und würden besser aufgefangen, als dies etwa hierzulande der Fall sei. Ein Wandel sei auch leider nicht in Sicht, sagt Bormann. Er befürchtet eher, dass die Tendenz der Vereinzelung noch zunehmen wird.

Hauptsitz Bad Oldesloe

Vor zehn Jahren wurde die Horizonte SH OHG in Ahrensburg als freier Träger für Eingliederungshilfen gegründet. Seit acht Jahren ist der Hauptsitz in der Hamburger Straße in Bad Oldesloe. Rasch wuchs die Zahl der Niederlassungen. Inzwischen gibt es Horizonte auch in Trittau, Elmshorn, Bad Segeberg, Norderstedt und Neumünster. 40 Mitarbeiter sind bei der Horizonte SH OHG beschäftigt, darunter diplomierte Sozialpädagogen und Pädagogen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Heilerzieher, Erzieher und Suchtberater.

 Dorothea von Dahlen

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