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Stormarn Weniger Raps – aber trotzdem schön
Lokales Stormarn Weniger Raps – aber trotzdem schön
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23:08 17.05.2018
Das Gelb des in der Hochblüte stehenden Rapses zwischen Reinfeld und der Kreisgrenze zu Segeberg bei Havighorst taucht die Landschaft in ein goldenes Licht. Quelle: Fotos: Uwe Krog (2)
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Bad Oldesloe/Havighorst

Peter Koll vom Kreisbauernverband Stormarn und Herzogtum Lauenburg sagt, dass „landesweit etwa 20000 Hektar weniger mit Raps bepflanzt worden sind“. Die Landwirte hätten die Fruchtfolge verändert, weil die Ertragssicherheit beim Raps nachgelassen habe. Grund sei das Verbot der so genannten Insektiziden-Beize, das Auftragen von Mitteln gegen Schädlinge wie Kohl-Fliege und Rapsrüssel direkt am Saatkorn. Die Landwirte rückten inzwischen merklich ab vom Raps. Der hat freilich auch gelitten durch das unbeständige Wetter während der Pflanzzeit im vergangenen August und September.

Gelber wird’s nicht. Die Rapsblüte ist in diesen Tagen auf ihrem Höhepunkt. Weithin kräftig leuchtende Farbtupfer zieren die Schleswig-holsteinische Landschaft. Doch das sattgelbe Blütenmeer ist im Vergleich zu den Vorjahren geschrumpft.

Jetzt wächst er unregelmäßig, und viele Felder haben freie Stellen, die den Blick auf einen nackten Boden gewähren. Für die Stormarner und lauenburgischen Bauern könnte das Verbot der Neonikotinoide „und weitere Restriktionen beim Einsatz von Insektiziden“, wie der Geschäftsführer des Bauernverbandes sagt, die Abkehr vom Raps bedeuten.

Ernst-Wilhelm Schorr, Bürgermeister und Landwirt in Havighorst an der Kreisgrenze zu Segeberg, sieht den Grund für die Fehlstellen in einem Mangel an Sauerstoff im Boden, weshalb er schlecht durchwurzelt sei. Es sei zu nass gewesen bei der Aussaat im vergangenen August. In Nordstormarn habe sich das Problem durch den schweren Boden noch verschärft. Ton und Lehm hätten die Feuchtigkeit im Boden gehalten. „Der Raps stand im Wasser.“ Dieses Problem hätte die Südstormarner weniger geplagt. Der Boden dort sei milder, besitze mehr Sandanteile.

Ausfall von bis zu 50 Prozent

Für alle gleich waren die klimatischen Bedingungen: die Tageshitze jetzt im April gefolgt von Temperaturstürzen bis in Gefrierpunktnähe während der Nacht. Da seien die Haupttriebe zwar sehr schnell „hochgeschossen“, hätten sich aber nur schlecht verzweigt. Auf manchen Flächen rechnet Schorr mit einem Ausfall von bis zu 50 Prozent bei dieser sensiblen und anspruchsvollen Feldfrucht.

Seit Mitte der achtziger Jahre breitete sich der Anbau von Raps aus. „Die größte Ausdehnung hatte er bei uns etwa 2008“, sagt Geschäftsführer Koll. Damals leuchtete das Land hinter der Ostsee um diese Jahreszeit fast nur noch nur in Gelb. Doch inzwischen sinnt die Landwirtschaft auf Alternativen. „Die Früchtevielfalt ist gestiegen“, weiß Bauer Schorr. Sommerweizen, Sommergerste und Hafer seien hinzugekommen. Zudem experimentieren die Landwirte laut Bauernverband mit Erbsen und Bohnen, die eine ähnliche Verwendungsvielfalt wie der Raps versprechen. „Allerdings muss man da noch mehr Erfahrungswerte sammeln“, sagt Bauer Schorr.

Speiseöl oder Schmierstoff

Rapsöl dient als Speiseöl und findet sich in Margarine. Es dient zur technischen Verwendung als Schmierstoff und in der Kosmetik. Das Raps-Schrot gehe ins Viehfutter. Außerdem werde Raps als Bio-Diesel verwendet. „Einen alten Mercedes 190 D können sie damit locker fahren“, sagt Koll. Die Erträge in Stormarn und im Lauenburgischen für dieses Jahr vermag er allerdings noch nicht vorauszusagen. „Das wissen wir erst zur Erntezeit Mitte Juli.“ Sicher nur sei die unveränderte Qualität. „Genveränderten Raps gibt es bei uns nicht.“

Höfe öffnen Tore

Zum Tag des offenen Hofes laden Bauernfamilien in ganz Deutschland für Sonntag, 10. Juli, ein. In Nordstormarn gewährt Familie Röhr auf dem Reinfelder Steinhof 1 einen Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag. Der Tag auf Steinhof 1 beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Geboten werden bis 17 Uhr: Hofbesichtigung, Ausstellung von Landmaschinen, Angebote für Kinder wie Trettrecker-Parcours mit Verlosung, Grillen, Milchmobil, Melkkuh-Modell zum selber Melken, Mähdrescher, Traktor mit Drillmaschine – und Informationen. Unterstützt wird der Tag des offenen Hofes vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

 Uwe Krog

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