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Stormarn Weniger Tage, mehr gemeinsame Feste
Lokales Stormarn Weniger Tage, mehr gemeinsame Feste
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11:19 24.03.2016
Blick in das Festzelt in Klein Wesenberg: Erstmals wird nur noch an zwei Tagen gefeiert. Am Pfingstmontag gibt es kein Programm mehr in den Wesenberger Tannen. Quelle: Fotos: Ln-Archiv/hfr
Bad Oldesloe

Weiterhin hohe finanzielle Belastungen und einen deutlichen Rückgang bei den Besucherzahlen: Stormarns Schützen suchen nach Alternativen, damit sie auch in Zukunft noch ihre Feste feiern können. „Vielleicht sollte in größeren zeitlichen Abständen gefeiert werden oder wir richten ein Schützenfest auf Kreisebene aus“, lauten die Vorschläge von Rolf-Peter Fröhlich, dem Vorsitzenden des Kreisschützenverbandes.

Schützenfeste finden in Stormarn weniger Resonanz — Vereine in Bad Oldesloe und Klein Wesenberg streichen deshalb in diesem Jahr erstmal einen Tag — Kreisverband regt eine bessere Zusammenarbeit an.

Die Schützenbrüder und -schwestern der Redderschmiede trifft die Entwicklung besonders schmerzlich. Gerade in ihrem Jubiläumsjahr — der Verein wurde am 19. April 1966 in Bad Oldesloe gegründet — muss bei der Feier abgespeckt werden. In den vergangenen Jahren wurde stets an zwei Tagen im Juni groß gefeiert. Doch das, so Vorsitzender Joachim Kunde, sei zum 50-jährigen Bestehen leider nicht mehr drin: „Wir richten unser Fest nur noch an einem Tag, dieses Mal am 25. Juni, aus. Diese Entwicklung hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Besucherzahlen an den bisherigen beiden Festtagen deutlich nachgelassen haben.“

Weniger Resonanz hat es nach den Worten des Vereinsvorsitzenden sowohl aus den Reihen der aktiven Mitglieder wie aus der Bevölkerung gegeben. „Vor 20 Jahren hatten wir noch mehr als 200 Schützen, jetzt sind es gerade mal 70“, stellt Joachim Kunde fest. Die Zahl der Jugendlichen sei erschreckend gering — nur noch fünf sind zurzeit in der Redderschmiede jünger als 20 Jahre. Darüber hinaus fehle der „Mittelbau, denn die Hälfte unserer Mitglieder ist älter als 60“, so Joachim Kunde.

Ein großes Zelt wird es auch dieses Mal zum Schützenfest geben, dazu einen Umzug mit den Aktiven befreundeter Vereine und die traditionelle Proklamation der neuen Majestäten — das alles jedoch zusammengefasst an nur einem Sonnabend. Den Weg einer reduzierten Feierlichkeit haben bereits andere Schützenvereine gewählt. „Die Sülfelder machen das schon seit drei Jahren. Wir müssen jetzt sehen, ob sich unser neues Konzept bewährt“, meint Vereinschef Kunde. Einen Blick in die Zukunft will er aber nicht riskieren: „Ob es noch in zehn Jahren ein Schützenfest bei der Redderschmiede geben wird, kann ich nicht sagen.“ Eine Zusammenarbeit mit der Bürgerschützengilde in Bad Oldesloe, die schon seit längerem nur noch intern feiert, ist für Joachim Kunde allerdings kein möglicher Schritt aus der Misere.

Dabei ist für den Kreisvorsitzenden Fröhlich eine Kooperation eine Chance, um die Schützenfeste der Zukunft auf eine sichere Basis zu stellen: „Wir haben ja gerade noch neun bis zehn Feste im Kreis.

Und die finanzielle Belastung für den Veranstalter ist groß, gerade das Engagement durch einen Zeltwirt bedeutet einen enormen Kostenfaktor.“ Dass die Resonanz aus der Bevölkerung und den eigenen Reihen nicht mehr so groß sei, könne nicht bestritten werden: „Viele Mitglieder bevorzugen das sportliche Schießen, aber mit Traditionen haben sie nicht viel im Sinn.“

Der Sport gewinnt auch innerhalb des Schützenvereins Klein Wesenberg zunehmend an Bedeutung. „Wir haben erfreulicherweise Mitglieder dazugewonnen und sind bei mehr als 230“, stellt Vorsitzender Andreas Möller fest. Ein Schützenfest sei „reine Brauchtumspflege“, die für den Verein nicht unbedingt notwendig sei. Erstmals wird die Feier abgespeckt und nur noch an zwei Tagen — am 14. und 15.

Mai — in den Klein Wesenberger Tannen gefeiert. „So ein Programm auf die Beine zu stellen, bedeutet eine Menge Arbeit. Außerdem gibt es gerade zu Pfingsten viele Veranstaltungen in der Umgebung“, betont der Vorsitzende.

Disco und Königsball im Festzelt, dazu der große Umzug — das Programm in Klein Wesenberg wird an zwei Tagen zusammengefasst und dafür der Pfingstmontag gestrichen. Der Verein, so Andreas Möller, hofft auf eine Kostenersparnis: „Es wird sich zeigen, ob wir damit erfolgreich sind.“

Innerhalb des Kreisverbandes zirkulieren bereits Alternativvorschläge. Vereine in der Nachbarschaft könnten sich bei der Ausrichtung von Schützenfesten abwechseln. „Lieber nur noch ein großes Fest alle drei Jahre als jedes Jahr ein kleines, zu dem dann kaum noch jemand kommt. Und wenn in Bad Oldesloe gefeiert wird, dann kann es in Klein Wesenberg eine Pause geben“, regt Rolf-Peter Fröhlich an. Der Verband könnte außerdem selbst in die Bresche springen und sich engagieren: „Vielleicht sollten wir auch ein großes Kreisschützenfest ausrichten.“

Feier in der Schützenhalle

50 Jahre alt wird der Schützenverein Redderschmiede. Zur offiziellen Feier am 24. April werden zahlreiche Gäste in der Schützenhalle erwartet. Eingeladen sind Mitglieder befreundeter Vereine. Nach den Worten des Vorsitzenden Joachim Kunde wurde dieser Ort auch aus finanziellen Überlegungen gewählt, „auch wenn es etwas eng werden wird“. Die Gastgeber könnten allerdings selbst für die Bewirtung bei der Jubiläumsfeier sorgen, die damit kostengünstiger ausfalle.

Von Michael Thormählen

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