Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn „Weniger, aber größere Betriebe“
Lokales Stormarn „Weniger, aber größere Betriebe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:51 15.02.2016
Geschäftsführer Peter Koll

Die Globalisierung und ein sensibleres Verbraucherverhalten zwingen auch die Landwirte im Kreis Stormarn zum Umdenken. Die Frage ist, was sich dadurch langfristig ändert und in welchem Tempo. Laut Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, läuft alles auf eine Konzentration hinaus. „Die Größe der Betriebe nimmt kontinuierlich zu, die Zahl dagegen ab“, sagt er. Ihm zufolge werden pro Jahr etwa drei Prozent der Landwirte aufgeben. Gemäß der jüngsten Zählung gebe es 600 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte in Stormarn. „Nimmt man das zur Grundlage, wird bis 2030 etwa ein Drittel der Betriebe verlorengehen“, sagt Koll. Was die Rinderzucht anbelangt, so gibt es derzeit 250 Betriebe in Stormarn, 120 davon halten Milchkühe. Zu hohe Kosten für gesetzlich geforderte Stallumbauten und schlechte Preise hätten viele Bauern in jüngster Zeit zur Aufgabe gezwungen, sagt Koll. Der Gesamtbestand bleibe zwar mit 9500 Rindern im Kreis gleich, doch pro Betrieb steige die Anzahl der Tiere. Kleinere Betriebe seien zurzeit nicht mehr wirtschaftlich.

Dramatisch ist auch die Lage bei der Schweinehaltung. Von 105 Betrieben im Jahr 2010 sind heute noch 90 Schweinehalter im Kreis übriggeblieben. „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist wichtig, damit die Landwirtschaft für 2030 gerüstet ist“, sagt der Geschäftsführer. Als richtigen Schritt in diese Richtung nennt er die Gruppenhaltung von Sauen. Zukunftsträchtig sei auch die Direktvermarktung und die Einführung von Qualitätsmarken. Stormarn sei ein struktur- und einkommensstarker Kreis, so dass auch teurere Produkte ihre Abnehmer fänden.

Laut Koll wird sich ein Problem auf jeden Fall verschärfen: Die Flächen im Kreis werden knapp. Gewerbegebiete expandieren. Da Stormarn eine aufstrebende Region ist, müssen mehr Wohnhäuser entstehen.

„Die Städte werden weiter wachsen. Da können wir nur Rücksicht auf die Agrarstruktur und intelligente innerstädtische Lösungen fordern“, sagt Koll. Er ist sich indes sicher, dass Stormarn „nicht zum Freizeitpark von Hamburg verkommt“. Wünschenswert sei, dass die Erzeugung qualitativ hochstehender Nahrungsmittel die nötige Wertschätzung erfahre. Dann könnten Bauern 2030 zuversichtlich entgegensehen.

dvd

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige