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Stormarn Wenn die Luft knapp wird: Aus Nütschau naht Nachschub
Lokales Stormarn Wenn die Luft knapp wird: Aus Nütschau naht Nachschub
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00:00 13.10.2012
Thomas Rakow kontrolliert, ob der Schlauch noch intakt ist. Ansonsten müsste er repariert werden.
Stormarn

Vorsichtig zieht Torben Gabrecht die Maske über den Puppenkopf. Per Knopfdruck pumpt er Luft hinein. Die Wangen des Dummys blähen sich auf. Ein prüfender Blick auf den Computerbildschirm gibt dem Techniker der Kreisfeuerwehrzentrale in Nütschau die Gewissheit: Die Reparatur war erfolgreich. Nirgendwo entweicht Luft. Die Atemschutzmaske ist wieder dicht. So unspektakulär dieser Vorgang auch erscheinen mag, für die Stormarner Feuerwehrleute, die immer wieder in riskante Situationen geraten, sind diese Handgriffe wie eine Lebensversicherung. Denn nichts wäre fataler, als eine Rauchvergiftung während eines Brandeinsatzes. Einsätze mit Atemschutzgeräten werden ohnehin penibel mit der Stoppuhr überwacht, weiß Sönke Nehls, Chef der Kreisfeuerwehrzentrale, zu berichten. Nach 20 Minuten sei Schluss. Dann müsse der Feuerwehrmann abgelöst werden. „Man hat Hitzeschutzbekleidung an, die sehr dick und schwer ist. Das Atemschutzgerät wiegt gut 17 Kilogramm. Manchmal kommt noch Schneidwerkzeug hinzu. Und das Luftholen selbst fällt auch schwer, weil der Widerstand beim Einatmen sehr groß ist“, erklärt er. Deshalb stehe ein Feuerwehrmann in voller Montur nur zwei Einsätze mit einer Pause zwischendrin durch. Damit den Feuerwehrleuten im wörtlichen Sinne nicht die Luft ausgeht, werden auch die Sauerstoff-Flaschen regelmäßig gewartet und gefüllt. Wie wichtig dies ist, zeigt ein Fall aus der Schweiz, von dem Nehls berichtet. Dort gab es einige tödliche Unfälle von Feuerwehrleuten, weil die Flaschen bei hohen Temperaturen einfach zerplatzten. „Das war ein Materialfehler an einem bestimmten Fabrikat, das wir hier zum Glück nicht führen“, sagt der Betriebsleiter.Für den tadellosen Zustand der Schläuche ist Thomas Rakow zuständig. Das Mobiliar seines Arbeitsplatzes erinnert auf den ersten Blick an eine Großküche. Ein ewig langer Arbeitstisch mit Vierkantbeinen aus Edelstahl dominiert die schmale Halle. Am Ende des Tisches öffnet Rakow eine Metallkammer, in der große Bürsten zum Vorschein kommen. Routiniert „fädelt“ er einen 20 Meter langen, mit schwarz-braunem Ruß verschmutzten B-Schlauch ein und drückt auf „Start“. Die Schlange kriecht langsam vorwärts, bis sie schließlich wieder in leuchtendem Rot und in voller Länge auf der Arbeitsplatte ausgerollt ist. Jetzt koppelt Rakow das gute Stück an die Wasserleitung. Der Schlauch schwillt zusehends an. Der Techniker schreitet die Waschanlage ab und prüft, ob nicht doch irgendwo „etwas rausblubbert“. Dann müsste die Schadstelle markiert und der Schlauch bis dorthin gekürzt werden. Befindet sich das Loch mittendrin, bleibt also nichts anderes übrig, als ihn komplett auszumustern. Beim gerade gereinigten Schlauch ist das nicht nötig. Er wird zum Trocknen aufgehängt. Dazu befestigt Rakow ihn an einem Seil und befördert ihn per Flaschenzug hinauf in den 30 Meter hohen Turm der Feuerwehrzentrale. Wie zig andere Schläuche baumelt er mindestens für die nächsten drei Tage von der Decke. Etwa 80 generalüberholte, randvolle Atemluftflaschen und 1000 B- und C-Schläuche lagern jederzeit abholbereit im Depot der Kreisfeuerwehrzentrale in Nütschau. Bei Bedarf können sich die 89 Stormarner Feuerwehren in Absprache mit der Rettungsleitstelle neues Material abholen. Bei Großbränden oder anderen Havarien bringen die Mitarbeiter der Kreisfeuerwehrzentrale sogar selbst den Nachschub. Als etwa im Sommer die Lagerhalle des Erdbeerhofs in Hamberge lichterloh in Flammen aufging, wurden Nehls und seine Kollegen ebenfalls alarmiert. Damals musste eine Schlauchverbindung von sage und schreibe 600 Metern von der Trave aus über die B 75 bis zum Brandort gelegt werden. Da war die Unterstützung des Kreisfeuerwehrzentrums unabdingbar. Ebenso beim Großbrand in einem Ahrensburger Recycling-Betrieb, bei dem so starker Qualm aufstieg, dass die Feuerwehren mit ihren eigenen Atemluftflaschen, die sie an Bord haben, nicht ausgekommen wären. Zum Glück eilte Hilfe für die Helfer herbei.

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