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Stormarn Wie früher im eigenen Zuhause: Briefkästen hängen im Altenheim
Lokales Stormarn Wie früher im eigenen Zuhause: Briefkästen hängen im Altenheim
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12:49 21.07.2016
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Bad Oldesloe

Anneliese Legler wohnt jetzt in der Kastanienallee – auch wenn diese nicht von großen Bäumen gesäumt wird. Es geht um einen Flur im bisherigen Pflegezentrum Lorentzenstraße in Bad Oldesloe, das seit gestern einen neuen Namen hat: Stadtgarten. „Diese Bezeichnung ist auch ein Teil des Konzeptes, das wir jetzt umsetzen wollen“, erläuterte Heimleiter Hermann J. Packbier.

 

Zimmer mit Vordach und Briefkasten: Heimbewohnerin Anneliese Legler in einem Flur, der jetzt den Namen Kastanienallee trägt.
„Wie sollte ein Pflegeheim aussehen, in dem wir später selbst wohnen möchten?“ Hermann J. Packbier, Heimleiter

Auch die 96-jährige Anneliese Legler wird bald eine Klingel, einen Briefkasten und ein Vordach vor ihrem Zimmer haben – dann nämlich soll dieser Bereich von den Senioren als eigener Hauseingang wahrgenommen werden. Die Veränderungen basieren auf Ideen und Vorschläge, die aus einem vor drei Jahren von den Mitarbeitern gegründeten Arbeitskreis hervorgingen. „Wir wollten uns nämlich Folgendes überlegen – wie sollte denn ein Pflegeheim aussehen, in dem wir später selbst einmal wohnen möchten“, sagte Hermann J. Packbier. Wichtig sei, den Bewohnern das „Gefühl eines Zuhauses“ zu verschaffen, in dem individuelles und kreatives Schaffen sowie bewegungsfördernde Maßnahmen und kulturelle Angebote zum Alltag gehörten. Mobilitätsförderung besitze deshalb eine hohe Priorität.

Daraus sei dann ein Konzept entwickelt worden – nämlich ein Stadtgarten für Menschen, die hier einziehen möchten, um teilweise auch so zu leben, wie sie es von ihrem ehemaligen Zuhause gewohnt waren, wie der Einrichtungsleiter weiter erklärte. Neben dem neuen Namen wurden auch die einzelnen Wohnbereiche mit Bezeichnungen ausgestattet. Es gibt neben der Kastanienallee außerdem eine Lindenstraße, einen Buchenweg und einen Rosengarten. Bei der Auswahl dieser Namen sei es auch auf die Entscheidungen des Bewohnergremiums angekommen. Bei den Planungen, so Packbier, hätten sich die Initiatoren auch in anderen Orten umgesehen. So dienten die Altstädte von Lübeck und Heidelberg als Vorbilder.

Auch außerhalb des Gebäudekomplexes will die Einrichtung ihrem Namen Stadtgarten gerecht werden. Die gesamte Fläche rund um das Haus werde deshalb barrierefrei gestaltet, damit die Senioren die Möglichkeit haben, alle Angebote im Freien zu nutzen. Es gibt eine Boulebahn, einen Barfußpfad, mehrere Hochbeete, einen Naschgarten, ein Gewächshaus sowie einige Fitnessgeräte.

Um das florale Ambiente auf dem Gelände an der Lorentzenstraße weiter zu betonen, wurde gestern ein neuer Baum gepflanzt – von Mike-M. Pitz, dem Geschäftsführer der HI Dienstleistung GmbH. Diese Gesellschaft ist Trägerin des Pflegeheimes. HI-Prokurist Andreas Flügge wies während einer Feierstunde darauf hin, dass mit der Namensänderung, die aus rechtlichen Gründen erst ab 1. August gilt, auch „eine Lebenseinstellung“ verbunden sei. Bisher hätten nicht alle Vorstellungen aus dem Arbeitskreis umgesetzt werden können – immerhin spielten finanzielle Überlegungen eine Rolle. Nach Angaben von Andreas Flügge sind bislang mehr als 100000 Euro in das neue Konzept investiert worden.

Bei den Veränderungen geht es allerdings nicht nur um die Lebenssituation der Heimbewohner. Die Mitarbeiter haben ihre sonst übliche weißfarbene Arbeitskleidung endgültig in den Schrank geräumt – stattdessen präsentieren sie sich jetzt mit farbenprächtigen Outfits. Zur Wahl steht Kleidung in rot, grün oder blau. Heimleiter Hermann J. Packbier wies darauf hin, dass die Umsetzung aller Ideen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde: „Und dabei kann es unter Umständen passieren, dass die Planungen noch einmal angepasst werden müssen, weil auch neue Menschen mit neuen Ideen in den Stadtgarten einziehen.“

Eine Eins vom MDK

90 ältere Menschen leben zurzeit in der Einrichtung an der Oldesloer Lorentzenstraße. Sie werden von insgesamt 45 Mitarbeitern betreut.

Nach Angaben des Unternehmens sind die Veränderungen im Stadtgarten auch von offizieller Seite anerkannt worden. Die Umsetzung habe zu einer großen Kundenzufriedenheit geführt und bei der alljährlichen Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) habe es erneut die Gesamtnote „Sehr gut“ für das Pflegeheim gegeben.

 Michael Thormählen

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