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Stormarn Wie kam die Ananas nach Ahrensburg?
Lokales Stormarn Wie kam die Ananas nach Ahrensburg?
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20:37 22.10.2017
Dr. Angela Behrens (v.l.), Dr. Tatjana Ceynowa, Eva Stankowski und Sonja Vogt haben den Ahrensburger Schlosspark ins Haus geholt. Quelle: Fotos: B.albrod

Kein Zweifel, Graf Schimmelmann hatte einen grünen Daumen: Der erfolgreiche Kaufmann und dänische Schatzmeister kaufte 1759 Schloss Ahrensburg von der Familie Rantzau und ließ einen üppigen Garten mit Parkanlage und Gewächshäusern anlegen, in denen er beispielsweise Ananas und andere tropische Gewächse zog. Davor war die Grünanlage um das Schloss landwirtschaftlich genutzt worden, danach wurde das Parkgelände im 19. Jahrhundert in Form eines englischen Landschaftsgartens angelegt.

Die unterschiedlichen Gesichter des Ahrensburger Schlossparks und seine Geschichte seit dem 16. Jahrhundert werden ab sofort im zweiten Obergeschoss des Ahrensburger Schlosses in einer Dauerausstellung präsentiert. Dazu informieren Tafeln im Park über die Besonderheiten.

„Schloss Ahrensburg hatte drei Gartenanlagen aus drei Epochen“, erläutert Museumsleiterin Dr. Tatjana Ceynowa. „Im 16. Jahrhundert wurden die Gräben gebaut, im 18. Jahrhundert die Lindenreihen gepflanzt und im 19. Jahrhundert wurde mit Hügeln und Bäumen ein englischer Landschaftspark geschaffen.“ Das alles ist aus Mitteln der Stiftung Schloss Ahrensburg saniert und nun mit Unterstützung von Stadt, Kreis und Stiftungen der Sparkasse Holstein ins Haus geholt worden. Eva Stankowski, Sonja Vogt, Luisa Wolff und Annette Krüger, fachlich beraten von Ahrensburgs Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens, haben in der Gartengeschichte gegraben und sie als anschauliches grünes Kabinett für Besucher fruchtbar gemacht.

Denen blüht etwas, wenn sie das Kabinett betreten, denn echte Grünpflanzen umrahmen eine grüne Gartenlaube als Kulisse für die Gartengeschichte. „Wir haben unter anderem historische Planzeichnungen gefunden, die zeigen, welche unterschiedlichen Vorstellungen von einer Gartenanlage existierten“, erklärt Eva Stankowski. Zu Beginn dominierten Stallungen und Wirtschaftsgebäude das Bild der Außenanlage, ehe mit Graf Schimmelmann Prunk und bunte Blumen an die Stelle der Nutzpflanzen traten. „Gewächshäuser, exotische Pflanzen und ein Blumengarten waren die Standeszeichen für den ehemaligen Bürger, der in den Adel erhoben worden war und das auch nach außen zeigen wollte“, erklärt Dr. Tatjana Ceynowa. Im 19. Jahrhundert wurde der englische Landschaftsgarten Mode, der mit hohen Bäumen und kleinen Hügeln grüne Akzente im Park setzte.

In der Ausstellung, die mit vielen Exponaten die Infotafeln anschaulich aufwertet, erfährt man manche Besonderheit. So gab es im Schlosspark bis 1850 eine eigene Brauerei, für die der Hopfen im Park wuchs. Die vielen Linden hat man vor allem wegen ihres guten Dufts angepflanzt. Fundstücke vom Dachboden wie das steinerne Bein, das zu einer Figur des Kriegsgottes Mars gehörte, ergänzen die Ausstellung. Gartenschere und Hacke geben Einblicke in die Gerätschaften einstiger Gärtner im Schloss, Geweih und Jagdgeschichte zeugen vom adeligen Zeitvertreib.

Dazu kommen zwei Spielstationen im Raum: Die eine ermöglicht den Bau einer eigenen Schlossanlage aus Bausteinen auf dem ehemaligen Plan des Parks, die andere führt mit Quizfragen durch die Welt der Blumen und Pflanzen. Im Schlosspark selbst informieren verschiedene Stationen im Grünen über die Geschichte des Parks.

Neue Dauerausstellung

„Gräben, Grün und Gartenkunst – die Geschichte des Schlossparks Ahrensburg“ ist das Zimmer im zweiten Stock im Schloss überschrieben, das die Geschichte des Schlossparks abbildet und an den Wochenenden von 12 bis 16 Uhr geöffnet ist. Hier wird anschaulich an drei Stile der Gartenbaukunst erinnert. Materialien aus dem Ahrensburger Stadtarchiv sind in das Ausstellungskonzept eingeflossen.

Schloss Ahrensburg ist heute ein Museum adeliger Wohnkultur und kann in den Sommermonaten von März bis Oktober Dienstag bis Donnerstag sowie Sonnabend und Sonntag von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Von November bis Februar ist am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

 Bettina Albrod

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