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Wie und wo wir 2030 leben werden

Bargteheide Wie und wo wir 2030 leben werden

Die neue LN-Serie blickt in Stormarns Zukunft: Wir werden mehr, aber nicht überall.

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Bargteheide. Der Kreis Stormarn im Jahr 2030: Selbstfahrende Autos, Häuser, die Elektrik und Heizung selbst regeln, Roboter, die Alte pflegen und Einkäufe, die per Drohne gebracht werden? Das ist eher Spökenkiekerei.

Sicher ist aber, dass Stormarn zu den wenigen Kreisen im Land Schleswig-Holstein gehört, der weiter stark wachsen wird. Mindestens 12000 Einwohner kommen bis 2030 zu den derzeit etwas mehr als 237000 hinzu — besagt eine Prognose des Büros BWP Baumgart und Partner aus Bremen. Die Flüchtlinge, die bisher und noch in den kommenden Jahren hinzukommen, nicht mitgerechnet. Dieses Bevölkerungswachstum stellt Kommunen wie Bad Oldesloe oder Bargteheide vor besondere Aufgaben. Aber auch Gemeinden wie Zarpen oder Rehhorst sind gefordert: Laut der Prognose verlieren sie viele Einwohner.

Die zu erwartende Wohnraumnachfrage vor allem in den Städten erfordert den Neubau von mindestens 1 000 Wohneinheiten pro Jahr sowie ein vergrößertes Angebot von kleineren und barrierefreien Wohnungen für die älter werdende Bevölkerung. Plus noch einmal mehr als 1000 Wohnungen für Flüchtlinge. Allein im vergangenen Jahr, das hat das Hannoveraner Pestel-Institut ermittelt, hätten im Kreis bereits 1130 Wohnungen allein nur für Asylbewerber gebaut werden müssen. „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her“, erklärt Institutsleiter Matthias Günther. Er rät dem Kreis, „die Neubaurate enorm zu steigern und beim Leerstand kräftig zu sanieren.“ Sein Blick in die Zukunft, für den Fall, dass sich nichts tut: „Das kann zu erheblichen sozialen Spannungen führen. Um für die Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnraum zu ermitteln, gilt folgende Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Kreis Stormarn kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen.“

Beim Kreis Stormarn drehen sich die Gedanken nicht nur ums Wohnen in 2030: Auf einem ersten Demografiekongress wurden bereits unterschiedliche Projektgruppen gegründet. Neben Stadt- und Raumplanung beschäftigen sie sich mit den Themenbereichen alternde Gesellschaft, Kommunen im Wandel, Arbeitswelt von Morgen und Familienpolitik. Die demografischen Fäden laufen noch beim Leiter des Fachbereichs Inneres, Wolfgang Krause, und der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Birte Kruse-Gobrecht, zusammen. Einen Demografie-Beauftragten hat der Kreis noch nicht.

Ein erster aktiver Schritt in Richtung 2030 ist gemacht: „Wir legen als Kreis eine neue Regionalverkehrsplanung auf, weil wir eine zukunftsorientierte Mobilität brauchen“, so Kruse-Gobrecht. Der Anteil der Menschen im Kreis, die älter als 65 Jahre als sind, wird sehr viel größer. Aus der kleinteiligen Bevölkerungprognose für Stormarn, die der Stadtentwickler Jens Rümenapp beim Kreis vorgestellt hat, geht hervor, dass ihr Anteil um 32 Prozent steigen wird — das sind 16300 ältere Frauen und Männer mehr. „Der Kreis muss sich diesem Thema stellen“, so Krause. Ältere Menschen, die auf den Dörfern wohnen, müssen mobil bleiben können. „Sie müssen zum Arzt oder zum Einkaufen kommen können.“ Kruse-Gobrecht fordert neue Modelle für die Grundversorgung — gerade auch dort, wo die Einwohnerzahl rapide sinken wird, wie beispielsweise in Rehhorst (siehe Grafik). „Wir müssen die Bedürfnisse der Menschen wahrnehmen, wir wollen ein lebenswertes Stormarn für alle Bevölkerungsteile sein.“ Das bedinge auch eine moderne Familienpolitik, da sich die „Familienmodelle verändern“. Und weniger Kinder geboren werden. Sie setzt darauf, sich gut zu vernetzen. „Wenn wir in Einzellösungen unterwegs sind, werden wir es nicht schaffen. Aber es gibt genug engagierte Köpfe, die sich den Herausforderungen stellen“, erklärt sie.

Wolfgang Krause schätzt, dass der Kreis seine Eigenständigkeit auch 2030 behält. Allerdings ändere sich die Verwaltungsstruktur. „Die Verwaltung wird zu den Bürgern kommen, es wird Sprechstunden beispielsweise in Einkaufszentren geben.“ Er setzt auf qualifizierten Nachwuchs — gerne auch mit Migrationshintergrund. Denn allein in den kommenden zehn Jahren gehen 40 Prozent der Kreisbeschäftigten in Rente. Ein weiterer Beleg für die alternde Gesellschaft.

„Die A 21 wird zumindest in Teilabschnitten fertig sein“, steht für Krause fest. Der Kampf der Politik, der Unternehmensverbände und Handelskammern für die Umwandlung der B 404 in die A 21 werde Erfolg haben. Krause ist sicher, dass die Erfolgsgeschichte des Kreises weitergeschrieben wird. Immerhin hat der Kreis bis dato die niedrigste Arbeitslosenquote im Land und verfügt über eine gesunde Wirtschafsstruktur, die nicht ohne Grund eine Sogwirkung auf andere Unternehmen hat. Er glaubt, dass der südliche Teil Stormarns am Hamburger Rand „verstädtern, die Achse in Richtung Lübeck ländlich geprägt sein wird“.

Bis 2030 müssen also unterschiedliche Modelle entwickelt werden, für unterschiedliche Bedarfe. Bei einer niedrigen Geburtenrate müssen sich Kindergartenbetreiber und Schulträger neue Wege überlegen.

Gleichzeitig muss der Fokus auf der Generation Ü-65 liegen. Hier spielt ausreichend Fachpersonal eine Rolle, sonst pflegt doch der Roboter die Alten.

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Serie

Stormarn
2030
Die Entwicklung Stormarns beschäftigt natürlich auch die Generation, die Mitte der 1990er Jahre geboren wurde. „2030 bin ich 35 Jahre alt“, rechnet Sabrina Borchers vor. Und sieht der Zukunft positiv entgegen. Familie und ein eigenes Haus stehen bei ihr auf der Wunschliste ganz oben. Die Auszubildende möchte aus dem Kreis Stormarn nicht wegziehen. „Stormarn hat ideale Voraussetzungen für junge Familien.“
Schon jetzt sei der Kreis in Sachen Schule und Kinderbetreuung gut aufgestellt. Borchers genießt zum einen das ländliche Umfeld, zum andern die Nähe zu Hamburg und zur Ostsee. „Ich kann mir nicht vorstellen, in die Großstadt zu ziehen“, erklärt die junge Frau, die für die CDU in der Gemeindevertretung ihres Heimatortes Barsbüttel sitzt. Sie setzt drauf, dass sich bis 2030 der Öffentliche Personennahverkehr verbessert. „Die Verbindungen, gerade in Richtung Norden, sind nicht gut.“ Ohne Auto könne man das vergessen.
Auch Nils Warnick (21), Vorsitzender Stormarner Jungen Union, plant, dem Kreis treu zu bleiben. Der Hoisdorfer, der in Hamburg studiert und als Werkstudent arbeitet, sieht mit Blick in die Zukunft Handlungsbedarf für die jüngere Generation. „Die Jugendlichen haben nicht so viele Möglichkeiten, sich zu betätigen. Deshalb begrüße ich zum Beispiel die Planungen zum Kinobau in Ahrensburg.“
Dringend notwendig seien, so Warnick, allerdings auch Investitionen in die Infrastruktur des Kreises. „Die Straßen müssen besser werden.“
Junge Leute bleiben im Kreis
Wie entwickelt sich der Kreis Stormarn in den nächsten Jahren? Dieser Frage geht die LN-Serie nach, die alle 14 Tage sonntags erscheint. Was schätzen Sie daran, hier zu leben? Schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion.

stormarn@ln-luebeck.de
Mehr Fachärzte erforderlich
Mehr Fachärzte, eine besser Versorgung im Öffentlichen Personennahverkehr und gut ausgebaute Wege — das sind nur ein paar Forderungen, die jetzige Bargteheider Rentner haben.
Horst Kolditz (68) möchte, dass sich die Stadt darauf einstellt, dass immer mehr alte Menschen dort leben werden. „Wenn die Menschen nicht mehr so mobil sind, dann brauchen sie Hilfe“, erklärt er.
Gerade auch deshalb, weil Familienangehörige oft weit weg wohnen würden. Schon beim Einkaufen sei das zu bemerken. Aber „der Einzelhandel stellt sich zunehmend darauf ein“. Dringenden Handlungsbedarf sieht Kolditz bei der Versorgung durch Fachärzte, das Angebot sei viel zu gering, die Wege weit.
Hedda Neidl (72) stimmt ihm da zu. Ihr ist aber auch wichtig, dass günstiger Wohnraum gebaut wird. „Davon muss es viel mehr geben, denn nicht jeder kann Wohngeld beantragen.“ Gleichzeitig müsse im Bereich der Altersheime noch jede Menge passieren. Gute Heime müssten erschwinglich sein.
Der Schwerpunkt von Reiner Ottersbach, Vorsitzender des Bargteheider Seniorenbeirates, sind die Flüchtlinge. „Diese Menschen müssen wir integrieren, damit die Unsicherheiten und Ängste abgebaut werden können.“ Die Betreuung der Senioren sei in Bargteheide optimal. kks

Kks K. Kuhlmann-Schultz

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