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Stormarn Wildlebende Katzen kostenlos kastrieren
Lokales Stormarn Wildlebende Katzen kostenlos kastrieren
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13:46 13.10.2018
Am 15. Oktober startet in Schleswig-Holstein die landesweite Katzenkastrationsaktion. Fast 13000 Katzen wurden seit Start der Aktion von Tierschutzverbänden, Tierärzteschaft und Kommunen seit 2014 bereits kastriert, um das Elend freilebender Tiere einzudämmen. Quelle: dpa
Großhansdorf

Ab 15. Oktober können wild lebende Katzen, die von Menschen betreut werden, kostenlos kastriert werden. Bereits zum wiederholten Mal werden die Kosten über einen von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein verwalteten Fonds abgerechnet. Die Aktion ist ein Gemeinschaftsprojekt von Tierschutzverbänden, der Tierärzteschaft, der kommunalen Familie, des Landesjagdverbands und des Landes Schleswig-Holstein. Auch in Stormarn beteiligen sich über 20 Kommunen an der Aktion. Sie soll verhindern, dass wild lebende Katzen sich ungebremst vermehren.

„Das ist eine sehr sinnvolle Initiative“, urteilt Tierarzt Dr. Bernd Grundmann, Vorsitzender des Tierschutzvereins Großhansdorf. „Wild lebende Katzen sollten sich nicht weitervermehren.“ Zweimal im Jahr werfe eine Katze bis zu fünf Junge, die, wenn sie in der Wildnis aufwachsen, bösartig gegenüber Menschen werden. „Wildkatzen bekommen Junge, die keinen Kontakt zu Menschen haben und dadurch nicht sozialisiert werden. Die Sozialisierung muss aber innerhalb der ersten drei Wochen stattfinden. Danach ist es zu spät.“

Für den Überbringer der Katze kostenlos

Der Aufruf richtet sich an Menschen, die wild lebende Katzen füttern, ohne dass sie zum Haushalt gehören. Diese Tiere können sie nun zum Tierarzt bringen. Ein ausgefülltes Formular, das man aus dem Internet herunterladen kann, berechtigt dazu, die Katze kastrieren zu lassen. Die Kosten werden in voller Höhe übernommen: 25 Euro durch eine Spende (Honorarverzicht) der durchführenden Tierärzte, die Restkosten von 59 Euro bzw. 115 Euro - je nachdem, ob es sich um einen Kater oder eine weibliche Katze handelt - werden über den Fonds finanziert. Das Landesnaturministerium zahlt insgesamt 90 000 Euro, der Deutsche Tierschutzbund 10 000 Euro. Die Katzen müssen nach Durchführung der Kastration wieder an der Stelle des Fangs ausgesetzt werden.

„Für eine Katze ist der Eingriff keine große Sache“, erklärt Grundmann, „sie können eigentlich sofort wieder rausgelassen werden, auch wenn sie meist einen Tag drinnen behalten werden.“ Das Bündnis appelliert zudem auch an private Katzenhalter, ihre Tiere in eigener Verantwortung zur Kastration zu bringen. Auch im Tierheim tauchen immer wieder mal wilde Katzen auf. „Leute bringen uns gelegentlich wilde Katzen, wenn das Muttertier überfahren wurde und die Jungen hilflos sind“, sagt Monika Ehlers vom Tierheim Großhansdorf. „Kleine Tiere kann man noch sozialisieren, größere nicht. Wir sind für die Katzenkastrations-Aktion sehr dankbar.“

Über 20 Stormarner Kommunen machen mit

In Stormarn beteiligen sich Ahrensburg, die Ämter Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land mit allen Gemeinden, Kuddewörde, Siek und Stapelfeld an der diesjährigen Kastrations-Aktion. Die Orte tragen für jede auf ihrem Gebiet gefangene Katze 50 Prozent der Kosten. „Die Stadt Ahrensburg hat aufgrund einer Abfrage des Städteverbandes zugesagt, sich an den Kosten der Kastration zu beteiligen für frei in Ahrensburg herumstreunende Katzen“, erklärt Imke Bär, Sprecherin im Ahrensburger Rathaus. „Die endgültige Höhe dieser Kosten wird der Stadt erst nach Ablauf der Aktion mitgeteilt.“ Die Kostenbeteiligung gelte nur für Streuner, nicht für privat gehaltene Katzen.

Bad Oldesloe oder Reinfeld sind nicht dabei. „Wir sind von der Aktion informiert worden, das Thema wilde Katzen ist als Problem in Reinfeld aber gar nicht bekannt“, erklärt Reinfelds Bürgermeister Heiko Gerstmann. Ähnlich sieht es in Bad Oldesloe aus. „Als die Anfrage kam, haben wir gesehen, dass in Bad Oldesloe kein Bedarf ist, das ist hier kein gravierendes Problem“, so auch der Oldesloer Bürgeramtschef Thomas Sobczak.

Immer mehr frei lebende Katzen

In den vergangenen vier Jahren wurden laut Mitteilung des Landes bei dem Pilotprojekt im nördlichsten Bundesland fast 13 000 Katzen kastriert, darunter gut 60 Prozent weibliche Tiere. „Die Zahl von frei lebenden, nicht an Menschen gebundene Katzen steigt stetig“, heißt es in der Mitteilung weiter. Katzen würden ab sechs Monaten geschlechtsreif. So entstünden schnell große Katzenpopulationen, die wiederum die Populationen von Wildvögeln und anderen Kleintieren beeinflussen. „Auf der Suche nach Nahrung werden die Tiere nicht immer fündig, ein Teil ist daher krank oder verletzt. Zudem wird der Nachwuchs der frei lebenden Katzen oft krank geboren und leidet unter Mangelernährung, Parasitenbefall und Infektionen.“

Der Leiter des Vereins Tierschutz Mölln, Gaston Prüsmann, kommentiert die Initiative des Landes, freilebende Katzen kastrieren zu lassen, mit gemischten Gefühlen. „Ich will es mal so ausdrücken“, sagte Prüsmann, „es ist eine sehr gute Aktion, die aber leider nicht bis zu Ende gedacht ist.“ Damit meint der Tierexperte, der in seiner Tierschutzstation im Lilienthalweg bis zu einigen Dutzend Katzen beherbergt, dass eine Aktion im Herbst nicht ausreichen würde, um des Problems der Überzahl an verwilderten Katzen Herr werden zu können. Es müsste, so Prüsmann, auch jeweils im Frühjahr eine solche Aktion geben. „Einmal im Jahr bringt nichts, dann geht das Problem im Frühjahr wieder von vorne los“, sagt der Tierschutz-Leiter. Der Effekt würde verpuffen.

Bei dieser Gelegenheit appelliert Gaston Prüsmann erneut an die Kommunen, sich verstärkt der Aufstellung einer Katzenschutzverordnung zuzuwenden. Die würde die Halter von Hauskatzen stärker in die Pflicht nehmen, ihre Kater kastrieren zu lassen. Leider, so der Tierschützer, habe das Land dieses Thema auf die Kommunen geschoben, die das wiederum weitergeschoben hätten – auf die lange Bank.

 

So geht es

Voraussetzung für die die Teilnahme an der Aktion ist, dass die Katzen in einer der teilnehmenden Gemeinden gefangen wurden und dass zur Kastration ein Vordruck ausgefüllt und unterschrieben wird, dass es sich um eine frei lebende Katze handelt. Die erforderlichen Dokumente sind unter folgendem Link abrufbar: www.schleswig-holstein.de/gegenkatzenelend. Bislang ist die Aktion bis zum 12. November geplant. Sollte der Fonds davor schon ausgeschöpft sein, wird die Aktion vorzeitig beendet.

Bettina Albrod, Matthias Wiemer

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