Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Windkraft sorgt für großen Zündstoff
Lokales Stormarn Windkraft sorgt für großen Zündstoff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 26.01.2017
In Autobahnnähe und von einer Stromtrasse geteilt: Bei Heilshoop könnten nach Plänen des Landes auf zwei Flächen Windräder gebaut werden. Die Anlage (r.) steht bei Barnitz.

Erinnerungen an den bösen Streit vor knapp acht Jahren wurden wieder wach. Schon damals hatte das Thema Windenergie die Heilshooper entzweit. Jetzt geht es erneut um den möglichen Bau von drei bis vier Windrädern. „Ich möchte nicht, dass sich die Bürger jetzt wieder gegenseitig beharken“, betonte Bürgermeister Wendelin Herbrand während einer Einwohnerversammlung.

Zur Galerie
Land weist Vorrangflächen in Heilshoop aus – Droht wieder ein heftiger Streit im Dorf?.

Für jedermann

Die Pläne zur Windenergie werden für einen Monat in der Amtsverwaltung Nordstormarn ausgelegt. Der Termin steht noch nicht fest. Bereits jetzt läuft das Online-Beteiligungsverfahren, das für jeden Bürger offen ist unter www.schleswig-holstein.de/windenergiebeteilgung.

Bisher blieb die Ruhe im Dorf gewahrt, denn Gebiete in der Gemeinde waren eigentlich nicht als Vorrangflächen für Windenergie vorgesehen. Das ist seit kurzem völlig anders. Im Dezember wurde bekannt, dass vom Land auch Bereiche in Heilshoop für diesen Zweck ausgewiesen werden sollen. Das erklärte auch der Bürgermeister während der Zusammenkunft im Gemeinschafthaus nochmals. Sie wurde von rund 70 Bürgern besucht. Windkraftanlagen würden errichtet, weil damit auch Geld verdient werden könne, meinte Wendelin Herbrand. Bekannt sei allerdings auch, dass Windräder Geräusche verursachten und von ihnen möglicherweise eine gesundheitliche Gefährdung ausgehe.

Der Bürgermeister erinnerte kurz an die Situation von 2009, als schon einmal Teile des Gemeindegebietes in den Windkraft-Fokus geraten waren. Die Gemeindevertretung habe damals einen Beschluss gefasst, um dieses Vorhaben zu verhindern. Später sei das Votum wieder aufgehoben worden. Nach den aktuellen Plänen sind zwei Flächen mit einer Gesamtgröße von rund 18 Hektar als Vorrangflächen vorgesehen. Sie liegen nahe der Autobahn 20 beidseitig der 110-KV-Stromtrasse. Drei bis vier jeweils rund 150 Meter hohe Windräder könnten errichtet werden. Herbrand wies darauf hin, dass detaillierte Pläne vermutlich im Februar in Räumen der Amtsverwaltung Nordstormarn ausliegen sollen. Das vom Land initiierte Beteiligungsverfahren laufe bis Mitte dieses Jahres.

Der stellvertretende Bürgermeister Jan Steen betonte, von den einst vorgesehenen Flächen für die Windenergie sei jetzt noch rund ein Drittel übriggeblieben. Es sei sehr schwierig, den Bau von neuen Anlagen zu verhindern, weil die Gemeinde für den betroffenen Bereich keinen Beschluss im Rahmen ihrer Bauleitplanung getroffen habe. Außerdem lägen vermutlich keine Kriterien vor, die den Bau von Windrädern verhinderten, sagte Jan Steen. Die Gemeinde müsse auch im Blick haben, dass sie durch den Betrieb der Anlagen ihre Steuereinnahmen verbessern könne. Er wies auf zwei unterschiedliche Modelle hin: Bei einem so genannten Bürgerwindpark könnten die Einnahmen zu 100 Prozent in Heilshoop bleiben. Sollte sich eine externe Gesellschaft daran beteiligen, seien es immerhin noch 70 Prozent für den Gemeindehaushalt.

Rudolf Kopel wies während der Einwohnerversammlung auf mögliche Ausschlusskriterien hin. Windräder dürften nicht errichtet werden, wenn in einer Entfernung von 3000 Metern Großvögel lebten. In Heilshoop, so Rudolf Kopel, fühlten sich unter anderen Rotmilane, Kraniche und Störche heimisch. Vorgeschlagen wurde, dass sich auch ein Experte mit diesem Thema beschäftige.

Entschieden wurde allerdings nichts. Bürgermeister Herbrand hatte die Bildung eines Arbeitskreises angeregt. Auch zu einer Abstimmung pro oder kontra Windkraft kam es während der Einwohnerversammlung nicht. Von Rudolf Kopel wurde vorgeschlagen, ein Moderator sollte während einer weiteren Zusammenkunft die vorliegenden Informationen sachlich aufbereiten. Von einigen Bürgern wurde geäußert, sie seien unentschlossen bei diesem Thema. Die Gemeindevertretung wurde aufgefordert, einen Beschluss zu fassen. Kommunalpolitiker regten eine Fragebogenaktion an, um sich vorher bei diesem Thema über den „Gemeindewillen zu informieren“.

Wie es jetzt weitergeht, ist offen. Die Gemeindevertretung will die Situation beraten. Die nächste öffentliche Sitzung ist für den 22. Februar geplant; Beginn um 19.30 Uhr im Gemeinschaftshaus.

 Michael Thormählen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

200 Euro zu viel abgebucht? Telefongesellschaft will Betrag nochmals prüfen.

26.01.2017

Vandalen haben einen Stolperstein mitten in Reinfeld so stark beschädigt, dass er ausgetauscht werden muss. Die Kunstwerke sollen an Personen erinnern, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

26.01.2017

Jan Christian Altmann aus Bargteheide stellt mittlerweile auch in Florida aus.

25.01.2017
Anzeige