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Stormarn Winteraktion: Nabu zählt Vögel im Oldesloer Pastoratsgarten
Lokales Stormarn Winteraktion: Nabu zählt Vögel im Oldesloer Pastoratsgarten
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18:15 09.01.2016
Ein gern gesehener Gast im Garten: der Dompfaff.

Eine besondere Überraschung gab es erst zum Abschluss der Aktion — leider eine negative. Kinder fanden im Pastoratsgarten eine tote Mönchsgrasmücke. „Das Tier wollte hier vermutlich überwintern und ist wegen der großen Kälte erfroren“, meinte Klaus Graeber. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Bad Oldesloe war gestern zusammen mit weiteren freiwilligen Helfern bei der großen Vogelzählung im Einsatz.

Die Mönchsgrasmücke zählt zu den Zugvögeln und sie hätte sich eigentlich schon vor Wochen aus Stormarn in Richtung Südeuropa auf den weiten Flug machen müssen. Doch dieses Tier wollte offenbar den Winter im Norden verbringen. „Über den Grund kann man nur spekulieren“, sagte Klaus Graeber. Eine Folge des sich andeutenden Klimawandels — immerhin war es noch im Dezember deutlich zu warm für die Jahreszeit. „Die Mönchsgrasmücke weist keine äußeren Verletzungen auf. Wir können deshalb davon ausgehen, dass sie leider den Kälteeinbruch nicht überlebt hat“, stellte der Nabu-Vorsitzende fest.

Er hielt akribisch die Zahlen der von den anderen Helfern gesichteten Vögel auf einem großen Papierbogen fest. Erfreulicherweise machten gestern auch ein Dompfaff und ein Buchfink auf dem Gartengelände in unmittelbarer Nähe der Beste Station — damit hatten die Experten auch gerechnet. Allerdings ließ sich eine Sumpfmeise während des Mittagszeit nicht blicken. „Die ist bei uns nicht so häufig“, erläuterte Klaus Graeber. Unterstützt wurde die jüngste Aktion auch von Kindern der Juna-Gruppe, der gemeinsamen Nachwuchsorganisation von Nabu und dem Bund für Umweltschutz Deutschland, die in Bad Oldesloe von Margit Baumann geleitet wird.

Der alte Pastoratsgarten neben der Peter-Paul-Kirche bietet sich nach den Nabu-Erfahrungen wegen seiner abwechslungsreichen Flora als besonders geeignet an, weil er gern von vielen Vögeln angeflogen wird. Und dazu zählen die sogenannten Standvögel, die das ganz Jahr über in der Region leben, sowie die Zugvögel aus dem hohen Norden, die jetzt ein milderes Klima benötigen.

Zu den Dauerbewohnern gehören etliche Stockenten, die auf der Beste unterwegs sind. Die Zähler kamen auf zwölf Tiere — das bedeutete einen Rekord in der Nabu-Liste. „Wir passen auf, dass es keine Doppelzählung gibt, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen“, meinte Klaus Graeber.

Bei den meisten Hausvogelarten haben die Naturfreunde erfreulicherweise stabile Populationen festgestellt. Für diese Tiere ist nach den Erfahrungen nicht einmal eine dauerhafte Fütterung notwendig, um ihr Überleben zu sichern. „Die stärksten Vertreter dieser Arten können auch ohne menschliche Hilfe den Winter überstehen und sich dann im nächsten Frühling umso mehr vermehren“, erläuterte Klaus Graeber. Immerhin gebe es einen bei der regelmäßigen Fütterung erfreulichen Aspekt — die Hausbewohner bauten eine Beziehung zu den Vögeln auf, wenn sie dann im eigenen Garten kleine Kolonien formierten.

Deutlich schwieriger hätten es dagegen die Vögel, die in Feld und Flur überleben müssten und wegen einer intensiven Landwirtschaft keine großen Lebensräume mehr vorfinden. Da könne es für einige Arten durchaus kritisch werden, „und die Rückgänge der Zahlen sind schon gewaltig“, erläuterte Klaus Graeber. Beispiele dafür seien Feldlerche, Goldammer oder Rebhuhn. Zusätzliche Grünstreifen am Rande der Felder würden einen positiven Effekt für den Bestand haben.

Heute geht es weiter
Die große Zählung wird heute, 10. Januar, fortgesetzt und abgeschlossen. Für die Dauer einer Stunde können alle Vogelfreunde die Tiere in ihrem eigenen Garten genau registrieren. Die Ergebnisse können am besten online an den Nabu weitergeleitet werden. Die Adresse lautet www.stundederwintervoegel.de.



Im Mai gibt dann eine weitere Aktion, wenn die Gartenvögel im Frühling gezählt werden.

Michael Thormählen

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