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Stormarn Niemand hatte den heftigen Schneefall auf dem Radar
Lokales Stormarn Niemand hatte den heftigen Schneefall auf dem Radar
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18:07 11.03.2019
Kurze Lagebesprechung am Salzspeicher der Autobahnmeisterei zwischen Leiter Jörg Becker, Stefan Klempau und Frank Studt (v.r.). Das Lager ist gut gefüllt für weitere Streueinsätze. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Manch einer wird sich beim Blick aus dem Fenster die Augen gerieben haben. Dass der Winter noch einmal mit Schnee zurückkehren würde, damit hatten zum Wochenanfang wohl die wenigsten gerechnet. Auch Profis, wie die der Autobahnmeisterei in Bad Oldesloe, waren überrascht, dass das angekündigte Niederschlagsband keinen Schneeregen mit sich brachte, sondern richtig starken Schneefall.

Sprinter rutscht in den Graben

„Ja wir waren schon überrascht. Unsere Leute sind ab 3 Uhr morgens mit dem Streuwagen Kontrolle gefahren. Da war noch überhaupt nichts. Gegen 6.30, 7 Uhr, als sich die ersten Fahrer wieder auf den Rückweg machten, fing es unterwegs ganz intensiv an zu schneien“, berichtet Jörg Becker, Leiter der Autobahnmeisterei in Bad Oldesloe. In dieser Situation habe bei Bargteheide ein Sprinterfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und sei im Graben gelandet. Für seine Mitarbeiter habe der plötzliche Wetterumschwung bedeutet, blitzschnell in die Autobahnmeisterei zurückzukehren, die Fahrzeuge aufzutanken und den Pflug anzubauen. Bis sie wieder zum Räumen auf der Autobahn gelangten, sei deshalb einige Zeit vergangen.

Stormarner wurden vom plötzlichen Schneefall überrascht.

Schnee in Reinfeld, Sommer in Lübeck

Laut Becker hat sich damit ein ums andere Mal gezeigt, dass es im Gebiet, für das die Autobahnmeisterei zuständig ist, ganz verschiedene Klimazonen gibt. „An der Raststätte Buddikate bei Bargteheide herrschen andere Temperaturen als am Kreuz Lübeck. Von Reinfeld bis Ahrensburg schneit es, auf der anderen Seite ist Sommer“, ergänzt sein Kollege Stefan Klempau. Das bereite mitunter Autofahrern Schwierigkeiten, ihre Geschwindigkeit den aktuellen Wetterverhältnissen anzupassen, sodass es stellenweise bei akuten Temperaturstürzen dann gehäuft zu Unfällen komme. Als deutliches Beispiel nennt Becker die Serie von Unfällen, die sich am vergangenen Sonnabend während eines plötzlichen Hagelschauers auf den Autobahnen 1, 20 und 21 abgespielt haben. Zehnmal krachte es an diesem Abend.

Extreme Glätte auf den Autobahnen

Die unerwartet heftigen Schneefälle am Montagmorgen haben im Süden des Landes zu glatten Straßen und in der Folge zu Staus und mehrere Unfälle geführt. Laut Autobahnpolizei in Bad Oldesloe begann der Schneeeinsatz dort um kurz vor 7 Uhr. Vor allem zwischen Bargteheide und Reinfeld war die Autobahn 1 richtig glatt. Zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe überschlug sich in Richtung Norden ein Sprinter und landete im Graben. Menschen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Die linke der drei Fahrspuren war schneebedeckt. In Richtung Süden gab es stockenden Verkehr.

Auch bei anderen Glätteunfällen im Kreis Herzogtum Lauenburg und im Kreis Segeberg blieb es am Montag bei Blechschäden. Starker Schneefall behinderte den Berufsverkehr auf der A 7 zwischen Bad Bramstedt und Hamburg. Im Bereich des Autobahnzubringers Henstedt-Ulzburg kamen Lkw die Steigungen nicht hoch. Bei Henstedt-Ulzburg landeten ein Klein-Lkw und ein weiterer Lkw aufgrund der Glätte im Graben. Fußgänger und Fahrradfahrer hatten es bis zum Vormittag schwer, vorwärtszukommen.

Wesentlich dramatischer verlief eine Unfallserie am späten Sonnabend, als unvermittelt ein Hagelschauer für spiegelglatte Straßen sorgte. Eine Person wurde dabei schwer verletzt. Besonders betroffen waren nach Angaben der Polizei zwischen 21.20 und 23 Uhr die Autobahnen 1, 20 und 21. Insgesamt registrierte die Polizei zehn Glätteunfälle. Unfallursache sei jedes Mal nicht angepasste Geschwindigkeit im Zusammenhang mit der Witterung gewesen.

Demnach ereigneten sich allein sieben Unfälle auf der A1 zwischen den Anschlussstellen Bargteheide und Bad Oldesloe. Zwei Unfälle gab es auf der A 21, einen weiteren auf der A 20 zwischen Genin und Lübeck Süd aufgenommen. Innerhalb kürzester Zeit, teilweise im Minutentakt, seien die Verkehrsunfälle auf den Autobahnen gemeldet worden. Dabei seien zehn Fahrzeuge beschädigt worden, der Gesamtsachschaden wird auf 60 000 Euro geschätzt.

Eine 24-jährige Frau aus Lübeck wurde bei einem Unfall auf der A 1 schwer verletzt. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Zwei weitere Personen wurden leicht verletzt. Für die Unfallaufnahmen und Sperrmaßnahmen waren 13 Streifenwagen der Polizei eingesetzt.

24 Stunden in Rufbereitschaft

Um Autofahrern dennoch eine größtmögliche Sicherheit zu bieten, sind Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Bad Oldesloe und der unter Vertrag stehenden Fuhrunternehmen in der kalten Jahreszeit in ständiger Rufbereitschaft. Von November an bis Ende April müssen sie zu jeder Tageszeit mit einem Einsatz rechnen. Denn anders als bei nachgeordnete Straßen steht das Personal für den Winterdienst auf Autobahnen durchgehend 24 Stunden an sieben Tagen zur Verfügung. Abgesehen von den täglichen, fest eingeplanten Routinekontrollen kommen weitere Einsätze in akuten Wetterlagen hinzu, wie auch am Montagmorgen geschehen.

Sensoren liefern verlässliche Daten

Bei drohender überfrierender Nässe wird zudem vorbeugend gestreut. Doch menschliches Ermessen ist allein nicht in der Lage zu beurteilen, wo solche Gefahrenstellen drohen, zumal das Straßennetz, für das die Autobahnmeisterei zuständig ist, immerhin 100 Kilometer umfasst. Deshalb wurden in die Fahrbahnen von A 1, A 20 und A 21 Sensoren eingelassen, die pausenlos Temperatur und Feuchtigkeit messen. In der Betriebsdienstzentrale des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr in Neumünster laufen die Daten des Straßenwetterinformationssystem (SWIS) letztlich auf. Danach richten Becker und seine Kollegen auch ihre präventiven Einsätze aus.

Spaßbremse Petrus

Petrus, ein Spielverderber? Wochenlang war nichts passiert, keine Flocke gefallen. Gerade als es sich Jörg Becker und seine Kollegen von der Autobahnmeisterei 2016 zur internen Weihnachtsfeier gemütlich machen wollten, kam der Alarm: Alle raus, es schneit! Gut, dachte Becker, und verschob das Betriebsfest im darauf folgenden Jahr sicherheitshalber auf März. Doch es half nichts. Erneut wusste starker Schneefall das traute Beieinander zu sprengen. Für 2018 steht ein Nachholtermin übrigens noch nicht fest. Wenn der Klimawandel weiter seine Kapriolen schlägt, sitzen die Winterdienstler vielleicht bald in Badehose um den Tannenbaum und packen ihre Weihnachtsgeschenke aus.

Dorothea von Dahlen

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