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Stormarn „Wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben“
Lokales Stormarn „Wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben“
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20:22 30.07.2016

Sie sind jetzt 100 Tage im Amt, sind Sie schon im Kreis angekommen?

Als eingefleischter Bayern-Fan trinkt Landrat Dr. Henning Görtz seinen Kaffee natürlich aus dem entsprechenden Fanbecher. Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

„Wir arbeiten an einer zentralen Lösung für das neue Katastrophen-

schutzzentrum in Hammoor.“

„Ich fühle mich wohl. Ich bin gut angekommen. Aber der Start wurde mir auch leicht gemacht.“

Henning Görtz: Ja, ich bin gut angekommen. Aber der Start wurde mir auch leicht gemacht. Zum einen durch die gute Übergabe meines Vorgängers Klaus Plöger und zum anderen durch die guten und kompetenten Kollegen hier in der Kreisverwaltung, die mich wirklich herzlich empfangen haben. Ich fühle mich wohl. Ich glaube, ich kann mich schnell und gut in die Themen einarbeiten und hoffe, dass andere es auch so sehen. Zumindest ist bisher das Feedback gut. Sowohl von den Mitarbeitern der Verwaltung, aus der Politik aber auch von Dritten.

Was hat sich für Sie am stärksten verändert? Bevor Sie Landrat wurden, waren Sie ja Bürgermeister in Bargteheide.

Görtz: Wenig verändert hat sich der Tagesablauf oder die Art und Weise, wie ich arbeite. Das Tagesgeschäft der Verwaltung ist ja auch hier wichtig, die Zusammenarbeit mit der Politik sowie die Kontakte nach außen. Die Themen sind natürlich andere als in Bargteheide. Hier geht es um Themen wie Bauangelegenheiten, Naturschutz, Abfallwirtschaft, Feuerwehr, Leitstelle und Rettungsdienst sowie viele Kultur- oder Sozialthemen. Ich lerne viele interessante Vereine und Verbände näher kennen, das ist sehr spannend und macht unheimlich viel Spaß. Viele hatte ich auch schon vorher kennengelernt, aber jetzt ist es oftmals anders. Ein gutes Beispiel ist der Malteser Hilfsdienst. Dort hatte ich kürzlich meinen Antrittsbesuch. Ich wusste gar nicht, wie vielfältig und kompetent der aufgestellt ist.

Sie haben sich vorgenommen, neue Themen anzupacken, um die Erfolgsgeschichte des Kreises fortzuführen. Ist schon was passiert?

Görtz: Ja, zum Beispiel arbeiten wir an einer einhelligen, zentralen Lösung für das neue Katastrophenschutzzentrum. Zu 99 Prozent kommt es nach Hammoor, der genaue Standort, ob rechts oder links der Autobahn wird noch geklärt. Auch das Thema Wohnungsbaugesellschaft kommt voran. Viele Teile der Politik wünschen sich, dass der Kreis in dieses Thema einsteigt.

Der Kreis also als Anbieter von Wohnungen, mit einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft?

Görtz: Ja, möglicherweise. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Thema. Wir haben auch schon mit mehreren Institutionen gesprochen, die Erfahrungen damit haben. Im Herbst wollen wir ein Modell fertig haben, das wir auch den Bürgermeistern der Kommunen des Kreises vorstellen können. Damit sie wissen, wie so eine Gesellschaft aussehen kann, welche Rechtsform sie hat und ähnliches. Die Kommunen haben eine Schlüsselrolle, denn die wichtigsten Punkte sind Eigenkapital und Grundstücke. Das sind Themen, die wir angepackt haben. Aber es kommen auch viele Themen von außen.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich gerade?

Görtz: Uns beschäftigt aktuell die Schulbegleitung. Das Land hat sich aus der Finanzierung und aus dem pädagogischen Kernbereich herausgezogen, weil es jetzt an den Grundschulen auf die Schulassistenten setzt. Zwei Jahre lang gab es eine Mischfinanzierung von Kreis und Land. Das Landessozialgericht hat entschieden, dass die Kreise dabei unterstützen müssen, den Schulalltag des Kindes besser und möglichst selbstständig zu bewältigen. Nicht die Aufgabe der Schulbegleitung ist es, den Unterrichtsbesuch pädagogisch zu unterstützen. Die Schulassistenten, auf die das Land jetzt setzt, leisten aber eine ganz andere Arbeit als die Schulbegleiter, die individuelle Begleitung der Kinder wird deshalb weniger. Der Kreis Stormarn kann und will diese Lücke nicht füllen, das ist auch nicht unsere Aufgabe. Das ist eine schwierige Situation für viele betroffene Familien. Wir führen gerade viele Gespräche mit allen Beteiligten, aber wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben.

Was passiert jetzt eigentlich mit der Integrierten Rettungsleitstelle Süd? Immer wieder gibt es dort Schwierigkeiten. Zuletzt kündigte die Leiterin.

Görtz: Richtig ist, wir hatten Schwierigkeiten bei der Einführung der Software Cobra 4. Es wurden teilweise nicht die richtigen Wehren informiert oder es wurden zu viele alarmiert. Es hat einen runden Tisch gegeben und mittlerweile hat sich die Einsatzanforderung gebessert. Über die personelle Entwicklung in der Leitstelle kann ich noch nichts sagen.

Das nächste Problem im Bereich des Feuerwehr- und Rettungswesens kommt mit der Einführung der verschlüsselten Alarmierung. Die ist für die Feuerwehren, also die Kommunen, teuer.

Görtz: In der Tat. Aber aus Datenschutzgründen müssen die Retter und die Feuerwehrleute künftig verschlüsselte Einsatzmeldungen über die Alarmmelder bekommen. Viele Wehren benötigen dafür neue Geräte. Ich kann verstehen, dass die Kommunen knurren, denn ein Gerät kann mehr als 300 Euro kosten. Eigentlich sollen die Wehren bereits 2017 damit ausgerüstet sein, aber wir prüfen derzeit, ob wir eine Übergangsfrist einräumen können. Es rächt sich jetzt, dass Stormarn bereits vor 15 Jahren als erster Kreis die digitale Alarmierung umgesetzt hat, da gab es aber die Verschlüsselung noch nicht. Ostholstein und der Kreis Herzogtum Lauenburg waren später dran, deshalb haben die das schon.

Ein weiteres Problemfeld, der IT-Verbund. Ihre Sicht der Dinge?

Görtz: Es gibt bei den sieben Trägern eine Erwartungshaltung gegenüber dem IT-Verbund, die der Verbund teilweise nicht erfüllen kann. Die Kollegen stehen vor der Herkulesaufgabe, die EDV am Laufen zu halten, neue Dinge einzuführen, ich nenne als Stichwort nur die Einbindung mobiler Geräte, zum Beispiel das Arbeiten mit Tablet und zum Dritten für eine Harmonisierung der sieben Träger zu sorgen. Erst wenn alle auf einem technischen Stand sind, wird man anfangen, Geld zu sparen. Das bedeutet, alle müssen auf einheitliche Verfahren umstellen, dabei müssen sich einzelne Träger auch mal von einem Verfahren verabschieden. Und deshalb wird auch mal gegrummelt.

Macht sich der Demografische Wandel in der Verwaltung bemerkbar?

Görtz: Wir sind mittendrin in den Problemen, die der Wandel mit sich bringt. Das sieht man an Themen wie der Wohnungsnot, steigenden Sozialhilfekosten oder dem Fachkräftemangel. Wir haben dreimal eine Fachdienstleiterstelle Soziales ausgeschrieben und konnten die Stelle nicht besetzen. Jetzt mussten wir zwei Fachdienste zusammenlegen. Damit sind wir ein Opfer des Fachkräftemangels.

Ist es nicht einfach so, dass die Verwaltung nicht attraktiv genug ist für Arbeitnehmer? Allein schon aufgrund der Bezahlung?

Görtz: Natürlich spielt der Verdienst eine Rolle, wenn man in den öffentlichen Dienst wechselt. Das ist vor allem ein Thema bei Ärzten und Ingenieuren, die wir im Kreis ja auch beschäftigen. Wenn ich aber als Arbeitgeber nicht so gut bezahlen kann, dann muss ich mit anderen Qualitäten punkten. Wir haben hier attraktive Teilzeitmöglichkeiten, sind Mitglied bei der Stiftung Familie und Beruf Stormarn, wir bieten Telearbeit und ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Wir haben eben andere Vorzüge.

Was liegt jetzt als nächste Aufgabe an?

Görtz: Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2017. Ich möchte einen stabilen, sozialen und schuldenfreien Haushalt vorlegen. Das wird in den kommenden Wochen mein Schwerpunkt sein. Grundsätzlich liegt mir daran, das gute Verhältnis zwischen Politik, Gemeinden und Verwaltung aufrecht zu halten. Denn das macht ja das Stormarner Modell aus.

Interview: K. Kuhlmann-Schultz

Vom Bürgermeister zum Landrat

Dr. Henning Görtz hat nach seinem Abitur in seiner Heimatstadt Bargteheide in Hamburg Betriebswirtschaft studiert. Der Diplom-Kaufmann promovierte dann an der Uni Potsdam und hatte verschiedene Lehraufträge. 1998 wurde der 39-Jährige Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Landes-CDU leitete Görtz seit 2002 und wurde damit auch Pressesprecher von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Später wurde er Chef des Leitungsstabes im Finanzministerium.

In die Bargteheider Stadtvertretung zog er 1986 ein, 1996 wurde er Vorsitzender der CDU-Fraktion. Und im Jahr 2008 wurde Görtz zum ersten Mal in das Bargteheider Bürgermeisteramt gewählt.

Auch beim zweiten Mal hatte er die Mehrheit. Er ist verheiratet mit Ehefrau Anja und hat einen Sohn.

LN

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