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„Wir müssen Anreize für Lehrer schaffen“

„Wir müssen Anreize für Lehrer schaffen“

Anita Klahn (FDP) spricht im LN-Interview über die Probleme der Schulpolitik im Land: Lehrer wollen nicht nach Schleswig-Holstein, Schüler schneiden im bundesweiten Vergleich miserabel ab.

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Anita Klahn (57) ist gelernte Druckvorlagenherstellerin und Industriemeisterin Druck. Die FDP-Politikerin kommt eigentlich aus der Eltern-Bewegung. Als Mutter von drei Söhnen hat sie sich in den 90er Jahren mit anderen Müttern zusammengeschlossen, um gegen die bundesweit höchsten Kita-Gebühren in Schleswig-Holstein vorzugehen. Seit 2000 ist sie Mitglied der FDP, 2001 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Bezirksverbands Nordstormarn. Seit 2009 ist sie Mitglied des Landtags in Kiel. Anita Klahn lebt mit ihrem Mann in Bad Oldesloe.

Quelle: Foto: Britta Matzen

Frau Klahn, wie haben Sie die ersten Wochen mit der neuen Landesregierung erlebt?

Anita Klahn: Das waren sehr arbeitsreiche, anstrengende, aber auch sehr spannende Wochen. Allein im Bereich Bildung haben wir bei den Koalitionsverhandlungen weit über 60 Stunden verhandelt.

Jeder Satz, jedes Wort wurde geprüft. Insbesondere waren die Gespräche für uns als ehemalige Opposition dadurch geprägt, dass die weiterregierenden Grünen jetzt unsere Partner sind. Das bedeutet für beide Seiten ein vorsichtiges Herantasten an die Positionen. Abgesehen davon freue ich mich natürlich besonders, dass wir als Stormarner FDP den Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz stellen.

In welchen Bereichen und Ausschüssen sind Sie im Landtag tätig?

Zunächst bin ich stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP – und in einer kleineren Fraktion ist man eigentlich in nahezu alle Themen eingebunden. Meine Schwerpunkte sind weiterhin die Bildungspolitik sowie Teilbereiche aus der Sozialpolitik – wie Familie und Gleichstellung, Kita und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendhilfe. Dem Bildungsausschuss gehöre ich als ordentliches Mitglied an, dem Sozial- und dem Petitionsausschuss als Stellvertreterin, dazu bin ich Mitglied des Landesjugendhilfeausschusses.

Worauf werden Sie in den kommenden Monaten Ihr Augenmerk legen?

Wir werden mit der Koalition eine Schulgesetzänderung auf den Weg bringen, um G 9 und damit das Abitur nach 13 Jahren wieder einzuführen. Denn viele Kinder und Jugendliche brauchen mehr Zeit für sich, für Hobbys und Persönlichkeitsentwicklung. Wichtig ist uns dabei aber, dass den Schulen die Wahlfreiheit bleibt, G 8 beizubehalten, wenn sich eine entsprechende Mehrheit dafür findet. Bei der Einführung von G 8 im Jahr 2007 war vorgesehen, die bundesweit geltenden Anforderungen an das Abitur dementsprechend anzupassen. Das ist aber nicht geschehen. Dadurch kam es zu einer extremen Verdichtung des Lernens, die vielerorts zu Problemen geführt hat. Wir wollen die Unterrichtsversorgung an allen Schulen, auch den beruflichen, durch mehr Planstellen deutlich verbessern.

Weil die Schülerzahlen steigen, suchen die Bundesländer händeringend Lehrer und Sozialpädagogen. Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich kreativ und wirbt Lehrer über Facebook an. Schleswig-Holstein soll eher untätig sein. Stimmt das?

Wenn man wie ich aus der Wirtschaft kommt, fragt man sich in der Tat, warum die Personalplanung im Bereich Lehrer in unserem Land so schwierig ist. In Schleswig-Holstein bekommen Lehrer durchaus bis zu zehn befristete Verträge hintereinander. Da muss man sich nicht wundern, wenn sie in andere Bundesländer abwandern. Außerdem haben wir noch ein weiteres, altbekanntes Problem: In Physik, Chemie und Mathematik gibt es nahezu keine Lehrer. Der Leiter der Oldesloer Theodor-Mommsen- Schule ist seinerzeit selbst nach Berlin gefahren, um einen Physiklehrer abzuwerben. Interessenten dieser Studienfächer gehen in die freie Wirtschaft. Das ist für unsere Schülerinnen und Schüler dramatisch. Wir müssen definitiv Anreize schaffen, um Lehrer speziell für diese Fächer zu uns ins Land zu holen. In Bezug auf die fehlenden Sonderpädagogen werden wir mit einer Erhöhung der Studienplatzzahl eine erste Verbesserung erreichen.

Unterrichtsausfall an Schulen ist auch ein großes Thema. Was will die Politik dagegen unternehmen?

Wir sind uns in der Koalition einig, dass wir mehr Lehrerstellen brauchen und diese auch schaffen werden. Aber die Schwierigkeit wird sein, überhaupt Lehrer für diese Stellen zu finden, vor allem in den Mangelfächern. Wir brauchen dringend ein Personalentwicklungskonzept und müssen die Belastungen des Lehrerberufes reduzieren.

Die Grundschulen sollen im Fokus der neuen Landesregierung stehen. Was wird sich für die Schüler in Stormarn ändern?

Zunächst ist es so, dass die Grundschüler in Schleswig-Holstein im Schnitt sehr viel weniger verpflichtenden Unterricht haben als die Schüler in Hamburg oder Bayern. Das zieht die Qualität nach unten. Wir wollen jetzt den Unterricht aufstocken und dafür in den nächsten vier Jahren 80 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen. Dann wollen wir den flexiblen Eintritt in die Grundschule statt der Stichtagsregelung ermöglichen. Das heißt, dass Kinder je nach Entwicklungsniveau und Begabung auch mit fünf oder sieben Jahren eingeschult werden können. Das ist das, was Ärzte schon lange empfehlen.

Wir wollen, dass die Schreibschrift wieder verpflichtend ist und dass das Schreiben nach Hören aufhört. Man muss den Kindern Raum geben, Rechtschreibung und Basiswissen richtig zu erlernen. Zudem wollen wir in der Grundschule wieder Noten einführen. Auch ein wichtiges Thema.

Das sind ziemlich viele Änderungen.

Ja. Schleswig-Holstein steht nach aktuellen Erhebungen der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ im Bildungsbereich bundesweit nur auf Platz 13. Das kann uns doch nicht zufrieden stellen. Und das heißt doch auch, dass wir dringend Reformen anstoßen müssen.

Beim Thema Kita-Plätze fühlen sich die Kommunen überlastet. Vor allem in finanzieller Hinsicht. Sie tragen zum Teil mehr als 50 Prozent der Kosten. Tobias Koch (CDU) hat jetzt gesagt, dass die Ein-Drittel-Lösung kommt. Ein Drittel Land, ein Drittel Kommunen, ein Drittel Eltern.

Wir wollen die Kommunen unterstützen, aber wir haben auch gesagt, dass die Entlastung der Eltern spürbar sein muss. Die prozentuale Regelung ist für Eltern in diesem Zusammenhang keine verlässliche Größe, weil das auch bedeuten kann, dass sie am Ende mehr als derzeit bezahlen müssen. Wir müssen deshalb schauen, dass wir eine landesweite Regelung finden, die Qualität in der Kita sichert und zugleich eine von allen Beteiligten akzeptierte Finanzierung gewährleistet. Ein Kita-Platz darf nicht mehr kosten als das Kindergeld, war immer mein Credo. Mittelfristig wollen wir dahin kommen, dass Kitas kostenfrei sind, denn die Kita ist eine Bildungseinrichtung.

Der Bundestagswahlkampf hat schon begonnen. Welche Rolle spielt der Norden?

Wir stellen mit Wolfgang Kubicki den Spitzenkandidaten der schleswig-holsteinischen FDP für die Bundestagswahl. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass er nach Berlin gehen wird. So umtriebig er ist: Er kann bedauerlicherweise nicht überall sein. Ich sehe das deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich wird er der schleswig-holsteinischen Landespolitik und dem Kieler Landtag fehlen – auch meine Fraktion wird sich neu aufstellen müssen. Der Vorteil für Schleswig-Holstein wird aber sein, dass eine starke Persönlichkeit unsere Interessen in Berlin vertritt. Das sind beileibe keine schlechten Aussichten.

 Interview: Britta Matzen

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