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Stormarn „Wir müssen die Begegnung mit den Flüchtlingen suchen“
Lokales Stormarn „Wir müssen die Begegnung mit den Flüchtlingen suchen“
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20:27 03.05.2016

Das Rennen um den Chefsessel im Bad Oldesloer Rathaus ist längst eröffnet. Montagabend hatten Wähler die Chance, sich die Kandidatin der SPD näher anzusehen.

Maria Herrmann diskutierte im Bürgerhaus in der Mühlenstraße über ein Thema, das vielen Leuten unter den Nägeln brennt: Flüchtlinge und Integrationspolitik. An ihrer Seite Genossen aus der Partei:

Bundestagsabgeordneter Franz Thönnes, Landtagsabgeordnete Serpil Midyatli sowie Karin Iding vom Freundeskreis Flüchtlinge in Großhansdorf. „Wir tun es für unsere neuen Nachbarn“, lautete das Thema der Veranstaltung.

Wie kann eine erfolgreiche Integration gelingen? Wie schaffen wir es, den Menschen, die vor Krieg, Terror, Tod und Vergewaltigung zu uns geflüchtet sind, eine Perspektive zu geben? Gemeinsam mit den Gästen versuchte Maria Herrmann, Antworten zu finden.

Zunächst wies Serpil Midyatli darauf hin, dass Integration vor allem in den Städten gut laufe, in denen der Bürgermeister die „Flüchtlingssache zur Chefsache“ erklärt und die Verwaltung mit ins Boot geholt habe. „Wir haben in Bad Oldesloe eine Koordinationsstelle in der Verwaltung. Aber hier wurde das Flüchtlingsthema nicht zur Chefsache erklärt. Bei uns reduziert sich das momentan auf warm und trocken untergebracht“, rügte Herrmann. Somit sei die Koordinationsstelle nicht mehr als ein Alibi. „Wenn ein Koordinator von der Verwaltung eingesetzt wird, sollte er versuchen, mit der Wirtschaft in Kontakt zu treten und Praktika für die Menschen zu organisieren.“

Anschließend schilderte die Oldesloer SPD-Fraktionsvorsitzende, dass sie in Sammelunterkünften angerufen habe, um sich zu erkundigen, wo der Schuh am meisten drücke: „Es ist das Problem mit den Afghanen. Sie können nicht verstehen, warum sie im Vergleich zu Irakern benachteiligt werden.“

Afghanen stellen in Schleswig-Holstein die drittgrößte Gruppe unter den Migranten dar. Doch obwohl Kämpfe mit den Taliban und anderen bewaffneten Gruppen ihr Land zerreißen, werden sie bei uns als Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft — mit keiner guten Bleibeperspektive. Anspruch auf Integrations- und Sprachkurse hat man jedoch nur mit einer guten Bleibeperspektive. „Das bedeutet: Afghanen bleiben außen vor“, brachte es Serpil Midyatli auf den Punkt. Sie blieben aus dem Kreis der Berechtigten ausgeschlossen, obwohl sie gut ausgebildet und bereit seien, sich zu integrieren und einzubringen. Das sorge für Unmut und sei ein großer Fehler, so die SPD-Sprecherin für Integration im Landtag. „Die bittere Wahrheit: Die Politik will es so“, kritisierte Herrmann.

Die fehlende Beschäftigung während des Asylverfahrens sei ein weiteres dringliches Thema, um das man sich kümmern müsse. „Jeder, der mal arbeitslos war, weiß, wie sehr das am Selbstbewusstsein kratzt und wie schnell man in ein Loch fällt“, mahnte die Bürgermeister-Kandidatin. „Es ist ganz wichtig, dass wir den Asylbewerbern Beschäftigungen geben — sie brauchen dringend Praktikumsplätze. Das ist ein Punkt, den man auf kommunaler Ebene zusammen mit der Wirtschaft schaffen muss.“ Zudem dürfe man auch die dezentral Untergebrachten nicht aus dem Blick verlieren. „Wir haben im Nachbarschaftszentrum eine Frau, die spricht die Leute direkt an. ,Fehlt ihnen etwas? Kann ich helfen?‘ Solche Menschen brauchen wir, die unsere neuen Nachbarn begleiten und an die Hand nehmen“, so Herrmann. Diese Idee stehe auch hinter den Treffpunkten. „Wir müssen die Begegnung mit den Flüchtlingen suchen, den Dialog.“ Nur so könne Integration gelingen.

Von Britta Matzen

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