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Stormarn Wo Männer wieder zu Kindern werden
Lokales Stormarn Wo Männer wieder zu Kindern werden
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12:35 15.11.2016
Gleisarbeiten an der Bahnstrecke: Maßstabsgetreu waren selbst die Bahnarbeiter. während der großen Schau in Bad Oldesloe. Quelle: Petra Dreu
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Bad Oldesloe

Wer denkt, Modelleisenbahnen sind doch schon längst out, der irrt ganz offensichtlich, wie die Eisenbahnfreunde Bad Oldesloe unter Beweis stellten. „Im Schnitt kommen 1500 bis 1600 Besucher zu unseren Ausstellungen“, verriet Horst Külper, Chef der Eisenbahnfreunde. Stilecht mit Uniform und passender Schirmmütze sah er aus, als wäre er gerade eben aus einem Bahnwaggon gestiegen, der zur nächsten Abfahrt vor der Schule steht. Das hätte sicherlich auch so manchem Besucher gefallen, denn Parkplätze rund um das Schulgelände waren Mangelware.

Dafür aber gab es Modelleisenbahnen in Hülle und Fülle. Große, kleine, Modelle aus längst vergangenen Zeiten und moderne Doppeldecker, wie sie heute auch zwischen Bad Oldesloe und Hamburg verkehren.

Mit ihnen haben die Eisenbahner fast die komplette Schule in Beschlag genommen. Die Eisenbahnen schlängeln sich durch den Freizeitbereich, die große und die kleine Turnhalle und durch die Gymnastikhalle.

Zufrieden schaute Horst Külper über die Ausstellungsflächen, auf denen sich Züge durch blühende Landschaften, vorbei an Schaf- und Kuhherden, Bauarbeiter-Kolonnen, durch Wälder, Wiesen und Felder, historische Städte und Industriegebiete schlängelten. Immer maßstabsgerecht und genau zu den Größen der Modelleisenbahnen passend sind Bäume, Häuser und Menschen angefertigt. Sie bilden Landschaften ab und zeigen Szenen und Begebenheiten, wie sie sich an jeder Bahnlinie abspielen könnten.

Aus 3600 Mini-Ziegelsteinen hat Rolf Buggenthin von den Freunden der LGB Norddeutschland ein Bahnhofsgebäude mit Bäckerei und Schlemmerkate nachgebaut. Wie auf der Ausstellungsfläche tobt in den winzigen Geschäften das Leben. Der Modelleisenbahner freut sich über die große Resonanz der Besucher: „Das hier ist eine gelungene Mischung. Man bekommt Anregungen von anderen Ausstellern. Das ist ein richtiger Wettbewerb, der zudem Spaß macht“, erzählte Rolf Buggenthin.

„Wir stellen alle Bahngrößen aus“, so Horst Külper. Seine Uniform hat er Einsparmaßnahmen der Deutschen Bahn zu verdanken. „Als in Bad Oldesloe das Bahnbüro aufgelöst wurde, haben wir die Uniform geschenkt bekommen“, erklärte Külper, der selbst mal bei der S-Bahn in Ohlsdorf gearbeitet hat. „Aber nur acht Wochen. Weil ich ein besseres Angebot bekommen habe, habe ich aufgehört“, erzählt er.

Das Hobby Modelleisenbahnen aber ist geblieben und so wurde er 1988 Mitbegründer der Eisenbahnfreunde Bad Oldesloe war. „Uns hat es als lose Vereinigung schon länger gegeben. Als das Stellwerk abgerissen werden sollte, wurden wir zum Verein“, sagte der Vorsitzende, der auch heute noch dem damaligen Bürgermeister Peter Gudert dankbar für seine Unterstützung ist. Die Stadt hat das Stellwerk nämlich gekauft und an die Eisenbahnfreunde verpachtet, die jetzt für die Unterhaltung des Gebäudes zuständig sind.

Nachwuchsprobleme haben die Modelleisenbahner nicht. Immerhin sind fünf der 40 Mitglieder Jugendliche über zwölf Jahre. Was viel nicht wissen: Die Zeit, in der die Lokomotiven noch mit Kohle angefeuert wurden, ist nicht nur in der realen Welt vorbei. Wie für viele andere Dinge im Leben gibt es auch für die Mini-Eisenbahnen inzwischen Apps. Wie es geht, zeigte Holger Faesing vom TT-Modulstammtisch Hamburg-Holstein, der seinen Schweröl-Kesselwagenzug mit dem Smartphone steuerte: „Damit kann ich den Zug sogar hupen lassen.“

Die Lokomotive muss nach Öl riechen

Nicht nur in der Gemeinschaftsschule gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand, sondern auch 400 Meter weiter in den Räumen der Beruflichen Schulen in Oldesloe war Hochbetrieb. Dort hatten 30 Aussteller ihre Stände aufgebaut, um von alten Modellautos bis hin zu Mini-Bäumen und Eisenbahnschienen in den unterschiedlichsten Spurweiten Sammler glücklich zu machen.

Sie kamen aus Hamburg, aber auch aus Städten wie Kiel und Lübeck, um ihre Sammlungen zu vervollständigen oder aber Sachen zu tauschen oder zu verkaufen, die sie doppelt haben. Einen Karton mit alten Eisenbahnen hatte Peter Hansen aus Ahrensburg mitgebracht. „Das ist eine Sammlung aus Kindertagen. Mein Vater hat sie gekauft. Ich habe dann in den 60er Jahren damit gespielt. Meine Kinder sind groß, und bevor ich jetzt auf Enkelkinder warte, verkaufe ich die Sammlung. Leider hat sie erste Anzeichen von Zink-Pest und wird nicht besser“, erzählte er und zeigte seine Lokomotiven Michael Rose, der die Börse mit Thomas Harz organisiert hatte.

Rose, Sammler von Viking-Modellautos und Modelleisenbahnen, schnupperte an einer Hansen-Lok. „Wenn sie nach Öl riecht, ist sie gut gelaufen ist. Gegen Zink-Pest aber kann man nichts machen“, meinte der Sammler, der auch Raritäten wie einen 70 Jahre alten Märklin- Bahnhof aus Blech mitgebracht hat, der immerhin 150 Euro wert ist. Einen Magirus-Müllwagen aus dem Jahr 1955 hat er für 15 Euro abgegeben. Rose: „Der Mann hat sich so gefreut, weil er mit genau dem gleichen Müllauto in seiner Kindheit gespielt hat.“

Petra Dreu

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