Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Wo sind die teuren Rathaus-Leuchten?
Lokales Stormarn Wo sind die teuren Rathaus-Leuchten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:34 26.10.2016
Bei der Anschaffung der dänischen Design-Leuchten war man 1986 nicht kleinlich. Dicht an dicht hingen die teuren Lampen im ersten Stock, wo der Wandteppich „Eingliederung der Vertriebenen“ den Raum schmückte. Quelle: Fotos: Matzen

Seit einem halben Jahr wird das historische Rathaus in Bad Oldesloe saniert. Eigentlich hätte das klassizistische Schmuckstück, das der dänische Architekt Christian Frederik Hansen Anfang des 19. Jahrhunderts entworfen hat, zur Eröffnung des KuB fertig gestellt werden sollen. Doch daraus wurde nichts. Die Umbaumaßnahmen hätten sich insgesamt etwas nach hinten verzögert, teilt das ausführende Architektenbüro Sunder-Plassmann aus Kappeln mit. Bis Ende des Jahres soll das Rathaus aber bezugsfertig sein.

Zur Galerie
33 Design-Pendelleuchten wurden bei einer Zoll-Auktion feilgeboten – Verbleib von 66 weiteren ist ungeklärt.

Britta Matzen fragt sich, wie im Rathaus mit Steuergeld umgegangen wird.

1,3 Millionen Euro verschlingt die Sanierung nach Auskunft von Kämmerin und Projektleiterin Mandy Treetzen. Im Frühjahr wurde die Fassade gestrichen, danach wurden auch die Fenster, Türen und Wände mit neuer Farbe bedacht. Daneben wurden die Böden abgeschliffen, gelaugt und weiß pigmentiert, Ausbesserungen am Dach vorgenommen und Risse am Mauerwerk beseitigt. Auch die Technik des Rathauses wurde auf den neuesten Stand gebracht: Kabel, Heizungen und Brandschutz.

„Es wird außerdem ein komplett neues Beleuchtungskonzept für das Gebäude erstellt – mit energetisch optimierter LED-Technik. Die Räume waren einfach zu dunkel“, erklärte Mandy Treetzen bei einer Begehung der Baustelle im April. Die Lampen, die sämtliche Räume des historischen Rathauses in den vergangenen drei Jahrzehnten erhellten, waren für Einrichtungsfreunde allerdings stilvolle Besonderheiten: Designklassiker des dänischen Leuchtenherstellers Louis Poulsen. 99 Stück an der Zahl. Angeschafft wurden diese 1986 bei der letzten tiefgreifenden Renovierung des Rathauses. Nach Auskunft des jetzigen Bürgermeisters Jörg Lembke sollen die Lampen damals einen sechsstelligen Betrag in D-Mark gekostet haben.

Während die Kämmerin beim Ortstermin vom neuen Kronleuchter schwärmte, der bald im Trauzimmer funkeln solle – „eine Art Pendelleuchte in Blütenform“, kam die Frage auf, was mit den alten Leuchten geschehen solle. Die Stadt könne nicht wie Privatpersonen auf Ebay verkaufen, teilte Treetzen mit. Sowohl beim Einkauf als auch bei der Veräußerung müsse man sich an das Vergaberecht halten.

Dennoch: Lampenklassiker wegschmeißen? Da blutet jedem Designliebhaber das Herz. Also hakten die Lübecker Nachrichten nach. Fragten die Architekten Frauke Busdieker und Gregor Sunder-Plassmann, ob die Lampen wirklich auf dem Müll landen würden, doch keiner konnte Auskunft geben.

Vergangene Woche dann folgende Erkenntnis: „Die alten Lampen sind nicht mehr da“, sagte ein Handwerker, der gerade von seiner Baustelle im Rathaus kam. Wann sie abgehängt wurden und was damit passiert sei, wisse er nicht. Eine Nachfrage bei Bürgermeister Jörg Lembke ergab: „Die Lampen wurden über die Zollauktion versteigert. Der Wert, den wir erzielten, liegt aber deutlich unter Sammlerwert.“ Zwei Auktionen liefen über die Internetplattform des Zollamts. Am 22. August startete der Verkauf eines Konvoluts von 22 Poulsen-Pendelleuchten zum Startpreis von 440 Euro, am 4.

Oktober bot die Stadt elf große Poulsen-Pendelleuchten ab 220 Euro an. Am 7. September endete die erste Auktion, die zweite am 18. August. Zwei Bieter hatten Glück – sie erhielten den Zuschlag zum Startpreis. „Wenn ich das mal überschlage, sind das 20 Euro pro Stück – für eine 30 Jahre alte Lampe doch gar nicht so schlecht“, meinte Lembke gestern. Er persönlich finde die Lampen auch nicht besonders schön, „aber das ist ja auch Geschmacksache.“

Doch was ist mit den übrigen 66 Lampen, die in den vergangenen Monaten im Rathaus abgehängt wurden? Darunter auch zahlreiche halbkreisförmige „Quarto“-Wandleuchten von Torsten Thorup und Claus Bonderup, die neu pro Stück 200 Euro kosten. „Man weiß es nicht“, teilt die Stadt mit. Bis zur nächsten Woche wolle der Bürgermeister versuchen, das herauszufinden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lampen entsorgt wurden“, so Lembke

KOMMENTAR

Aus Liebe zu alten Sachen

Was für manche wertloser Kram ist, ist für andere ein Schätzchen. Bestimmt gibt es den einen oder anderen Oldesloer, der gern eine alte Lampe aus dem Rathaus in seiner Wohnung aufgehängt hätte. Zumal skandinavische Retroleuchten derzeit schwer angesagt sind. In der Küche hätte sich so eine Pendelleuchte gut gemacht – oder zwei von diesen herrlich blendfreien Wandleuchten links und rechts vom Bett. Schön wäre es gewesen, wenn die Stadt ihre Bürger über die Auktion informiert hätte. Wer weiß, wer alles mitgeboten hätte. 20 Euro für eine Lampe, 30 oder sogar 100? Vermutlich wäre das Loch in der Stadtkasse durch die Einnahmen etwas kleiner geworden. Wer weiß: Wenn die 66 Leuchten wieder auftauchen, stellt die Stadt vielleicht auch diese zum Verkauf im Internet ein. Dann aber hoffentlich einzeln. Denn wer braucht schon 22 Leuchten auf einmal.

 Britta Matzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige