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Stormarn „Woody“, der tadellose Bernhardiner
Lokales Stormarn „Woody“, der tadellose Bernhardiner
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18:14 14.02.2018
Geschafft: Fünf der in Rehhorst gekörten Bernhardiner schoben ihr Mittagessen auf die lange Bank und posierten fürs Gruppenfoto. Quelle: Fotos: D. Von Dahlen
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Rehhorst

Die Halter der angemeldeten Rassehunde hatten arg mit der Witterung zu kämpfen. Sie arbeiteten sich sogar aus Markranstädt bei Leipzig auf verschneiten Straßen nach Stormarn vor. Manch einer kam nur mit Tempo 30 hinter Räumfahrzeugen voran. Doch die Hindernisse vermochten die Züchter nicht aufzuhalten. Das Zertifikat des Zuchtverbands St. Bernhards-Klub war ihnen wichtig.

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Wer ist wohl der Schönste im hohen Norden? Nicht nur diese Frage stellten sich die Richter bei der Körung zuchttauglicher Bernhardiner auf dem Hof von Elke Schwaiger in Rehhorst. Sie legten auch großes Augenmerk auf die Charaktereigenschaften der künftigen Vererber.

Um mehr als eine Stunde verspätet traf etwa Ane Christiansen ein, die zwei Rüden begutachten lassen wollte. „Bei uns gibt es keine Körung. Deshalb kommen wir hierher, um ein zusätzliches Qualitätsprädikat für unsere Tiere zu bekommen“, erklärte sie. Und so wurden auch ihre beiden Vierbeiner „Medar vom Ebersoll“ und „Zoommarf’s Herr Anderson“ nach allen Regeln der Kunst inspiziert.

Mit einer Checkliste ausgerüstet nahm Zuchtbuchführerin und Richterin Annegret Splinter aus Martfeld bei Bremen die Proportionen eines jeden Rüden genau in Augenschein, um etwa das Verhältnis von Brusttiefe und Widerristhöhe genau abzumessen und die Stellung der Beine zu taxieren. Denn nicht nur Schäferhunde, auch Bernhardiner können mit Hüft- oder Ellbogendysplasie – Fehlbildungen der Gelenke – zur Welt kommen, was sie von der Zucht von vornherein ausschließt.

Außer einem intakten Gebiss glänzt der ideale Zuchtrüde aber ebenso mit einem ausgeglichenen Gemüt. „Beim Wesenstest gibt es so einige Punkte, die wir genau beobachten: wie der Hund auf Geräusche oder ungewohnte Gegenstände reagiert, aber auch wie er sich gegenüber Menschen und anderen Hunden verhält, ob er panisch, ängstlich oder eher selbstsicher ist“, erklärte Annegret Splinter.

Die meisten der 67 Kriterien erfüllte aber „Woody vom Wertachtal“, der heimliche Star des Tages. Der dreijährige Rüde von Daniela und Uwe Sagave aus Brunsbüttel bestach nicht nur durch seinen nahezu perfekten Körper, er wird auch wegen seines untadeligen Charakters geschätzt.

Daheim in Brunsbüttel kümmert sich „Woody“ nämlich um die mehrfach behinderte Tochter der Sagaves, agiert dort als Therapiehund. „Die beiden sind unzertrennlich. Er ist ihr ständiger Begleiter und Beschützer und liefert sie auch am Tor der Tagesförderstätte ab“, berichtete Mutter Daniela. Ihre Tochter sei mit 25 Jahren auf dem Stand eines Kleinkindes, spreche nicht und sei authistisch veranlagt. Der Hund sei ihre einzige Verbindung zur Außenwelt und so auch in der Lage, sie zu trösten und beruhigen, wenn sie schreit und autoaggressive Anfälle bekommt.

Schon „Woodys“ Vorgänger, der 2015 verstarb, wies diesbezüglich verblüffende Qualitäten auf. „Angeregt durch Filme wie ,Heidi’ oder ,Ferien auf Saltrokan’ war es immer schon mein Traum, einen Bernhardiner anzuschaffen. Beim Züchter dann kam der frechste angerannt und begrüßte uns. Unsere Tochter hat sich gleich gebückt und ihn gestreichelt“, erzählte Daniela Sagave.

Letztlich teilte Richterin Splinter Körscheine für alle sieben Bernhardiner aus. Sehr zur Freude von Elke Schwaiger, die ihren Tierpalast erstmals für eine solche Veranstaltung des St. Bernards-Klubs zur Verfügung gestellt hatte. „Die Stimmung ist gut, alle haben bestanden“, sagte sie. Seit Anfang dieses Jahres fungiert die Tiertrainerin, deren Schützlinge gern für Filmaufnahmen gebucht werden, übrigens als Landesgruppenchefin der Zuchtvereinigung und ist damit Ansprechpartnerin für den gesamten norddeutschen Raum.

Zuerst in der Schweiz gezüchtet

Augustinermönche begannen Ende des 17. Jahrhunderts mit der Zucht der Bernhardiner. Sie lebten nahe des Alpenpasses am Großen St. Bernhard in der Schweiz, der der imposanten Rasse ihren Namen gab. Die Ordensleute setzten die Hunde ein, um ihr Hospiz zu bewachen. Da es ihnen zudem immer wieder gelang, verschüttete oder verirrte Reisende aufzuspüren, setzte man sie später generell als Lawinen- und Rettungshund ein. Berühmtheit erlangte Bernhardiner „Barry“, der über 40 Menschen das Leben gerettet haben soll. Der Hund starb 1812 im Alter von Jahr zwölf Jahren.

Der St. Bernhards-Klub wurde 1891 in München, dem heutigen Stammsitz, gründet. Ziele sind unter anderem der Nachweis von rassereinen Bernhardinern, die Vermittlung von Welpen und Deckrüden, das Veranstalten von Hundeausstellungen und Ausbildungen sowie die Herausgabe eines Spezialzuchtbuches.

Dorothea von Dahlen

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