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Stormarn Zeugnisse mit und ohne Zensuren
Lokales Stormarn Zeugnisse mit und ohne Zensuren
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20:35 26.01.2017
Wiebke (9) und ihr Bruder Thilo (8) sind an der Stadtschule. Wiebke bekommt heute zum ersten Mal ein Zeugnis mit Noten. Weil sie bisher aber immer nur gute Bewertungen hatte, ist die kleine Oldesloern überzeugt, jetzt auch ein paar Einsen dabei zu haben. Quelle: Fotos: Sandra Freundt
Bad Oldesloe

Heute gibt es Zeugnisse in Schleswig-Holstein. Einige Schüler sehen diesem Tag besonders aufgeregt entgegen, da sie zum ersten Mal in anderer Form bewertet werden.

Heute erhalten die Schüler der Oldesloer Schulen ihre Beurteilungen.

„Ich bekomme zum ersten Mal ein Zeugnis mit Noten von eins bis sechs“, erzählt Wiebke. Die Neunjährige besucht die Oldesloer Stadtschule, an der es grundsätzlich erst ab Klasse vier diese Art der Bewertung gibt. In den Jahren zuvor hatte die kleine Kreisstädterin stets die einzelnen Teilbereiche eines Fachs durch Kreuze in fünf verschiedenen Spalten von „sicher“ bis „unsicher“ bekommen. „Das fand ich auch gut, jetzt mit Noten finde ich es aber auch ok.“ In diesem Halbjahr wurden nun auch die Arbeiten mit Zensuren bewertet. „Einmal hatte ich ein Drei, da fühlte ich mich ganz schlecht. Für nicht so gute Schüler sind Noten bestimmt nicht so schön“, sagt die Viertklässlerin. Denn Wiebke hatte bisher immer ihre „Kreuzchen“ in den beiden ersten Spalten.

Mutter Frauke aber tröstete zu Hause, eine Drei sei überhaupt nicht schlimm. Da Wiebke ansonsten überwiegend Einsen und Zweien geschrieben hat, erwartet sie heute ein sehr gutes Zeugnis. Entspannter ist da Wiebkes Bruder Thilo. Der Zweitklässler, der insbesondere Kunst mag, findet „richtige Zensuren“ eher nervig und freut sich, dass er diese noch nicht hat. Besonders hütet der Achtjährige sein „Kofi-Zeugnis“. An der Stadtschule hat jedes Klasse ein Klassentier. Bei Wiebke ist es der Igel, bei Thilo der Vogel Strauß „Kofi“. Von besagtem Klassentier gibt es für die Schulanfänger einen kleinen Text, wie schön es ist, sie an der Schule zu haben.

Mutter Frauke, selbst Lehrerin sieht in jeder Bewertung Vor- und Nachteile. „Am aussagekräftigsten ist ein Zeugnis mit schriftlicher Bewertung in den Teilbereichen und einer Gesamtnote für das Fach“, meint sie. Tatsächlich gibt es solch ein Zeugnis an der Grundschule West ab dritter Klasse. Leonard bekommt dieses als Viertklässler nun zum dritten Mal – und guckt dabei besonders auf die Zensuren:

„In Sport hoffe ich auf eine Eins. Und bei einer Eins in Mathe gibt’s von Papa eine Belohnung“, berichtet der Neunjährige.

Speziell dieses Zeugnis ist auch wichtig für die Wahl der weiterführenden Schule. Diese steht für Leonard allerdings schon fest: „Ich möchte aufs Gymnasium.“ Da er gute Zensuren erwartet, wird das kein Problem sein. Erwartungsvoll blickt sein Bruder Laurenz dem heutigen Zeugnistag entgegen. „Du bekommst noch kein richtiges Zeugnis, nur eine Urkunde“, erklärt Leonard dem Erstklässler. Diese wird von den Lehrern ausgegeben, weil im ersten Halbjahr nur ein Gespräch zum Leistungsstand vorgesehen ist. „So haben die Kinder wenigstens auch etwas in der Hand“, freut sich die Mutter der beiden Jungs.

„Ich bin froh, dass ich erstmal keine Zensuren hatte, sondern eine Bewertung in schriftlicher Form“, betont Tim. Der 14-Jährige besucht die achte Klasse der Ida-Ehre-Gemeinschaftsschule (IES) in Bad Oldesloe und bekommt erst jetzt, ab Klasse 8, erstmals nach der Grundschule wieder Zensuren. „Der Leistungsdruck wird stärker, einige werden überrascht sein, dass sie gar nicht so gut sind, wie die schriftlichen Bewertungen es haben klingen lassen“, sagt er, denn seine große Schwester hat es so erlebt. Mit den Zensuren kommt auch eine neue Einstufung in Gymnasial-, Real- und Hauptschulbereich.

Das erste Jahr in der Oberstufe an der IES haben Jenny, Jolina und Helena zu fassen. Das Fach Naturwissenschaften ist jetzt aufgeteilt in Biologie, Chemie und Physik, Weltkunde wurde zu Erdkunde und Geschichte. Die Zensuren von 1 bis 6 sind nun in Punkte von 15 bis 0 aufgesplittet. Die 17-jährigen Mädchen mit dem Profilfach Wirtschaft /Politik fanden die Umstellung schwer. „Die Lehrer machen mehr Druck und erinnern immer wieder daran, dass es bis zum Abi nicht mehr so weit hin ist“, erzählt Helena. Durch das Punktesystem kann man sich aber schneller verbessern. Etwas schlechter als in Klasse zehn wird ihr Zeugnis wohl, locker bleibt das Trio trotzdem: „Unsere Eltern sind da recht entspannt“, sagt Jolina.

Für Kinder und Jugendliche, die Stress mit dem Zeugnis haben, gibt es vom Kinderschutzbund kostenlos und anonym Hilfe unter der bundesweiten Telefonnummer 0800/1110333, und zwar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr.

Unterschiede an Schulen: Noten erst ab achter Klasse

Heute gibt es Zeugnisse. Das Bewertungssystem ist dabei nicht an allen Schulen und in allen Jahrgängen gleich. Meist gibt es im ersten Halbjahr des ersten Schuljahres nur eine Besprechung und eine Urkunde. Danach werden dann Bewertungsbögen in Text- oder Ankreuzform ausgegeben. An der Klaus-Groth-, Masurenwegschule und der Grundschule West bekommen die Schüler ab Klasse 3 Zensuren von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend), an der Stadtschule erst ab dem viertem Jahrgang.

Auch an den weiterführenden Schulen läuft nicht alles einheitlich. So gibt es an der Ida-Ehre-Schule zunächst Berichtszeugnisse, erst ab achter Klasse Noten von 1 bis 6, dabei noch unterteilt in Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulebene.

Sandra Freundt

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