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Stormarn Zieht der Lütjenseer Wolf nordwärts?
Lokales Stormarn Zieht der Lütjenseer Wolf nordwärts?
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10:49 08.03.2018
Karl-Friedrich Wernecke inmitten seiner Highland-Herde. Eines der Kälber fand er am Montag tot auf der Weide. Quelle: Foto: Markus Carstens
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Travenbrück

Es war am Montagmorgen, als Karl-Friedrich Wernecke auf der Schlosskoppel im Travenbrücker Ortsteil Tralau ein totes und ausgeweidetes Kalb entdeckte. Der Tiefbau-Unternehmer und HobbyLandwirt züchtet Highlandrinder. „Ein Bekannter meinte gleich, dass das ein Wolf gewesen sein könnte“, erzählt Wernecke den LN.

Hat der Wolf vom Lütjensee in der Gemeinde Travenbrück sein Unwesen getrieben? Während ein Hobby-Landwirt in Tralau ein gerissenes Kalb beklagt, sind im benachbarten Vinzier auf einem Hof Pferde durchgegangen. Aufgrund der Spuren könnte es ein Wolf gewesen sein.

Also wandte er sich an Wolfsbetreuer Malte Göpel aus Mölln, der schnell vor Ort war, Spuren sichtete und sicherte und den Kadaver des Kalbes in Absprache mit den zuständigen Landesbehörden nach Neumünster in das Landeslabor brachte. Dort wird nun mittels der DNA-Proben untersucht, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handelt. Ergebnisse sollen in drei Wochen vorliegen.

„Die Wahrscheinlichkeit ist wohl sehr groß“, sagt Wernecke. Es gebe die Theorie, dass der Wolf vom Lütjensee entlang der Wildschutzzäune der Autobahn bis nach Travenbrück gewandert ist. „Wölfe sind unheimlich mobil. 70 Kilometer pro Nacht sind kein Problem“, erklärt Malte Göpel. Theoretisch könne der Wolf mittlerweile zum Beispiel schon in Schleswig sein. In Lütjensee war vor gut einer Woche ein Wolf über den gleichnamigen – zu der Zeit zugefrorenen – See spaziert, dabei fotografiert und gefilmt worden.

Spuren im Schnee

Da am Montag noch Schnee lag, konnten Wernecke und Wolfsbetreuer Göpel auf der Koppel in Tralau auch einige Pfotenspuren entdecken, die möglicherweise einem Wolf zuzuordnen sind. Letzte Gewissheit fehlt allerdings, weil die Spuren nicht lang genug zu verfolgen waren. Experten sprechen dabei vom „geschnürten Trab“ des Wolfes. Wenn diese Spur etwa 100 Meter lang ist, sei sie einwandfrei einem Wolf zuzuordnen. Das war hier jedoch laut Göpel nicht der Fall. Auch Hunde könnten den „geschnürten Trab“ laufen, allerdings höchstens 30 Meter.

„Die Trittsiegel in Tralau könnten auch genauso gut zu einem Hund gehören“, erklärt Göpel, einer von 71 Wolfsbetreuern im Land. Im Labor werde nun untersucht, ob am Kadaver Speichel zu finden ist.

Außerdem hat Göpel bei den Experten fünf Haare abgeliefert, die er im weiteren Umfeld des toten Kalbes gefunden hat.

Pferde gingen durch

Die Bissspuren an dem Kalb könnten ebenfalls auf einen Wolf hindeuten. „Das kann kein Fuchs und auch kein Hund gewesen sein“, meint Wernecke. Göpel wiederum glaubt, dass auch ein anderes Tier der Verursacher gewesen sein könnte, da das Kalb noch sehr jung war und die Knochen dementsprechend dünn waren. „Es haben sich schon einige Experten vertan“, sagt Malte Göpel und will sich nicht festlegen. Ein eindeutiger Beweis fehlt.

Auf der anderen Seite „haben wir hier keine herumstreunenden Hunde“, erklärt Wernecke und berichtet von einem Vorfall im Nachbarort Vinzier im gleichen Zeitraum. Dort waren auf einem Hof die Pferde durchgegangen. „Das machen die nicht ohne Weiteres“, sagt Wernecke. „Die Tiere sind über die Elektrozäune gesprungen und standen morgens überall versprengt herum“, berichtet Göpel, der sich auch dort genauer umschaute – aber erneut keinen klaren Nachweis finden konnte.

In Stormarn wäre es nicht der erste Wolfsriss. „Vor vier, fünf Jahren wurde mal in Klinken in der Gemeinde Rümpel ein Reh von einem Wolf gerissen“, erinnert sich Uwe Danger, Vorsitzender der Kreisjägerschaft.

Noch kein Wolf angesiedelt

600 Wölfe gibt es derzeit mittlerweile in Deutschland. „In Schleswig-Holstein hat sich noch kein Rudel angesiedelt, nicht mal ein einzelner hat ein festes Revier“, erklärt Wolfsbetreuer Malte Göpel.

Die ersten Wölfe waren 1999 in der Lausitz gesichtet worden. In Schleswig-Holstein tauchte der erste 2007 auf. Er wurde in Süsel im Kreis Ostholstein überfahren.

 Markus Carstens

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