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Stormarn Zottelig und gutmütig: Die Rindviecher von Rümpel
Lokales Stormarn Zottelig und gutmütig: Die Rindviecher von Rümpel
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21:19 29.12.2015
Hat auf der Frauen-Koppel das Sagen: „Morag“ mit den schiefen Hörnern.

Sie sind zottelig, neugierig — und vor allem hungrig. „Melvin“, „Connor“und „Ferquhard“ stehen auf der Koppel in Rümpel und bedienen sich aus der Salatbar. Das Beste aus der Natur für die Schottischen Hochlandrinder, auch bekannt als Highland Cattle. „Unsere Tiere bekommen nur Gras, Heu und Heulage“, sagt Rüdiger Lange, dem die Herde gehört. „Und ab und zu ein Leckerli“, fügt Ehefrau Regina Lange hinzu und schüttelt einen Futtereimer mit getrockneten Brotscheiben. Das Brotklappern wirkt Wunder: Die Rindviecher schauen auf und kommen im nächsten Moment schon angaloppiert. „Man denkt, die Tiere seien langsam und schwerfällig, aber von wegen. Wenn‘s um Futter geht, kommen sie ganz schnell angeflogen“, lacht die Rümpelerin.

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Hat auf der Frauen-Koppel das Sagen: „Morag“ mit den schiefen Hörnern.

Seit 2013 züchtet Rüdiger Lange, der in Hamburg eine Firma für Unfall-Reparaturen betreibt, Schottische Hochlandrinder. „,Wenn ich mal in Rente gehe, will ich Rinder züchten‘, habe ich 2011 beiläufig zu meinem Freund Volker Hahn gesagt“, so Lange. „Ein Jahr später hat Volker mich angerufen. Er hätte eine Koppel für mich.“ Zwar war Lange noch lange nicht in Rente, aber das neue Hobby startete er trotzdem — und zwar gemeinsam mit Volker Lange. Im Juli 2013 kauften die beiden Rümpeler die ersten Tiere. „Sechs Färsen, von denen fünf belegt sein sollten.“ Soll heißen: Fünf Tiere sollten schwanger sein. Aber die beiden Neu-Landwirte hatten wohl Anfänger-Pech: Statt fünf Kälber kamen nur drei.

Aber die kleinen Schotten waren so zottelig und furchtbar süß, dass auch Langes Frau Regina dahinschmolz. „Erst wollte ich gar nichts damit zu tun haben, aber mittlerweile macht mir das richtig Spaß.

Ich kümmere mich vor allem um die jungen Tiere.“ „Melvin“ heißt ein Jungbulle, der ihr besonders am Herzen liegt. „,Melvin‘ war eines unserer ersten Kälber. Er war als Baby besonders scheu. Aber ich habe ihn dann aufgepäppelt“, erinnert sich die 56-Jährige. Mittlerweile lässt sich „Melvin“ am liebsten von Regina Lange füttern und streicheln.

„Aber was die Schottischen Hochlandrinder fast noch lieber mögen, ist die Fellpflege“, weiß Rüdiger Lange, zückt den Striegel aus seiner Jackentasche und beginnt, seinem größten Bullen „Ferquhard“, der vor fünf Jahren in Schottland das Licht der Welt erblickte, die lange rotbraune Mähne zu kämmen. Der 800-Kilo-Bulle genießt die Prozedur — und wie! Der Vierbeiner legt den Kopf schief, reckt seinen Hals und grunzt vor Vergnügen.

„Highland Cattle sind von Natur aus sehr ruhig und gutmütig“, erklärt der Rümpeler Züchter. „Nur mit den mächtigen Hörnern muss man aufpassen. Und man sollte nicht den Fehler machen und mit dem Futtereimer auf die Weide gehen — dann drehen die Tiere auf dem Teller.“ Ansonsten seien die Rinder lammfromm, ließen sich anbinden und sogar am Halfter führen. 22 zottelige Schönheiten gehören mittlerweile zu Langes Herde, die ganzjährig auf verschiedenen Weiden in und um Rümpel grasen. „Fürs nächste Jahr erwarten wir acht Kälber“, so der Rümpeler. „Das ist schon spannend — jeden Tag könnte ein Neugeborenes auf der Weide liegen.“ Bei der Geburt müsse kein Tierarzt dabei sein. „Das machen die Kühe alles ganz allein.“

Im Herbst waren Familien Lange und Hahn erstmals mit drei Jungbullen bei einer Schau in Norderstedt, wo sich die kuscheligen Viecher den Preisrichtern stellten. Die Bemuskelung wurde bewertet, die Linie, die Schönheit des Kopfes, die Hörner und auch der Charakter. „Wir sind eher im Mittelfeld gelandet, aber wir fangen mit der Züchtung ja auch erst an.“ Im kommenden Jahr soll zum ersten Mal eine Kuh geschlachtet werden. „Vorausgesetzt, wir finden einen Schlachter aus der Nähe, der das Tier ohne Stress töten kann.“ Die Nachfrage nach dem Fleisch sei jedenfalls riesig. „Unsere erste Kuh ist quasi schon verkauft.“

Highland Cattle
Das Schottische Hochlandrind oder auch Highland Cattle ist die älteste registrierte Viehrasse. Die Rinder stammen ursprünglich aus dem Nordwesten Schottlands. Schottische Hochlandrinder gelten als gutmütig, robust und langlebig. Die Rinder werden das ganze Jahr über im Freien gehalten. Sie fressen im Sommer Gras. Im Winter wird Heu und Heulage verfüttert.



Das Geschlecht der Rinder lässt sich an den Hörnern erkennen. Bei Bullen haben sie eine kräftige, waagerecht nach vorn gebogene Form. Bei den Kühen sind die Hörner meist deutlich länger und weit ausladend nach oben gebogen. Das Fleisch mit seinen kurzen, feinen Fasern ist sehr zart, fett- und cholesterinarm.

Britta Matzen

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