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Stormarn Zufallsfund in Meddewade: Heidi Kabel trifft sägenden Hai
Lokales Stormarn Zufallsfund in Meddewade: Heidi Kabel trifft sägenden Hai
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22:07 26.07.2018
Ein Sammler vor dem Herrn: Werner Fiedler mit seinem Shantybuch und dem Theater-Ticket. Quelle: Fotos: Von Dahlen
Meddewade

Bei einer Wohnungsauflösung im Zuge einer Erbschaft sind dem Rentner jetzt erneut einige Raritäten in die Hände gefallen. Sie bringen wohl nicht unbedingt das große Geld, können Liebhaber alter Dinge aber dennoch begeistern. „Was keiner wollte und liegen blieb, habe ich genommen“, sagt Fiedler. Beim Durchschauen der Bücher, die ohne sein Zutun vielleicht im Container gelandet wären, entdeckte der Meddewader unter anderem ein altes Shanty-Buch.

Ihm würde TV-Promi Horst Lichter mit dem schwungvoll nach oben gebürsteten Schnurrbart sicher die Händlerkarte geben. Ob Gewichte oder Bügeleisen aus Urgroßvaters Zeiten – der Meddewader Werner Fiedler sammelt, was das Zeug hält. Mit Glück könnte er „Bares für Rares“ bekommen.

„Früher habe ich mal im Männerchor in Reinfeld gesungen. Und da war ich gespannt, ob ich das eine oder andere vertraute Lied darin finde“, erzählt der Meddewader. Doch Fehlanzeige – das über 70 Jahre alte Büchlein enthielt eine Sammlung ihm völlig unbekannter, deshalb aber umso interessanterer Titel. Die Auswahl reicht vom norwegischen Matrosenlied über das friesische Shanty „Hebbt ji den noorsche Vullrigger sehn“ über irische Whiskey-Songs bis hin zum schwedischen Sjömannssaang. Illustriert sind die Lieder ebenfalls auf launige Weise. Da spießt ein Sägehai das vom havarierten Dampfer über Bord gefallene Schifferklavier auf seine spitzen Zähne, führen Seeleute mit reichlich Rum im Blut Freudentänze auf.

Was Werner Fiedler jedoch am meisten imponierte: Im Inneren des Buches lag eine Eintrittskarte. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sie sich als Ticket für eine Vorstellung des Hamburger Ohnsorg- Theaters. „Kunzert in Dippelshagen. Kummedie in 3 Törns“, lautet der Titel des Stücks, das offenbar kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in der Hafenmetropole aufgeführt wurde. Denn am unteren Rad des Billets ist vermerkt, dass die Aufführung „mit Genehmigung der Militärregierung“ stattfand. „Aber noch viel interessanter ist, dass alle Darsteller darauf stehen. In der Form hatte ich das noch nicht gesehen“, sagt Fiedler. Allen voran natürlich Heidi Kabel, Ikone des beliebten Volkstheaters, aber auch ihr Ehemann Hans Mahler und Rudolf Beiswanger, der in der Nachkriegszeit Regie führte, sind darauf verewigt.

Von Dorothea von Dahlen

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