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Stormarn Soll das Tunneltal Unesco-Welterbe werden?
Lokales Stormarn Soll das Tunneltal Unesco-Welterbe werden?
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11:38 26.09.2018
Ingo Clausen (l.) untersuchte zusammen mit seinen Mitarbeitern, was im Schlamm der Bohrung lagert. Quelle: Bettina Albrod
Ahrensburg

 Soll das Ahrensburger Tunneltal Unesco-Welterbe werden? Die Interessengemeinschaft zum Erhalt der Bodendenkmäler und Naturschätze im Ahrensburger Tunneltal hatte sich vor einem Jahr mit einer entsprechenden Eingabe an die Stadt Ahrensburg gewandt. Das Tunneltal ist aufgrund seiner einmaligen Konzentration von vorgeschichtlichen Fundstätten bekannt geworden. Der Hobbyarchäologe Alfred Rust hatte hier durch Grabungen in den 30er-Jahren die Existenz eiszeitlicher Rentierjäger nachweisen können.

Derzeit beschäftigen sich Ahrensburgs Politiker mit der Frage. Am Donnerstag, 27. September, wird der Leiter des Archäologischen Landesamtes, Dr. Ulf Ickerodt, einen Vortrag dazu beim Bildungs- Kultur- und Sportausschuss halten. Er rät eher zum Regiobranding, das die gesamte Region touristisch erschließen würde. Auch die Beschlussvorlage zur Sitzung sieht keine Antragstellung auf Unesco-Welterbe vor.

„Wir haben vor zwei Jahren angefangen, über das Ahrensburger Tunneltal nachzudenken“, erläutert Sigrid Kuhlwein vom Kreiskulturausschuss. „Ziel ist es, die einmaligen Funde zu sichern und eine Öffentlichkeit dafür zu erzeugen.“ Deshalb habe der Kreis eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die nun vorliegt. Demnach gibt es zwar ein großes Angebot an Informationen, Wanderungen, Infotafeln und Prospekten, aber dahinter stehen unterschiedliche Anbieter. Eine zentrale Vernetzung, beispielsweise in Form einer eigenen Website, fehle. „Sie bildet das Fundament für weitere Komponenten, wie z.B. den Abruf von Informationen im Tunneltal mittels QR-Code und als nächsten möglichen Entwicklungsschritt eine App mit Augmented Reality Anwendungen“, heißt es in der Studie.

Wo derzeit ein vermoostes Schild im Grünen mit ein paar Zeilen Text auf die archäologische Bedeutung des Gebiets hinweist, könnten Mammuts sich in der Virtual-Reality-Brille aufbäumen oder farbige Illustrationen von Rentierjägern Appetit auf Geschichte machen. Drohnen-Filme des Geländes und Assoziationen zum Thema Eiszeit könnten anschaulich Informationen vermitteln. Denkbar wäre laut Studie auch der Bau eines Besucher-Informationszentrums.

Laut Dr. Ulf Ickerodt biete sich statt des Unesco-Antrags eher das Regiobranding an. „Das Tunneltal bietet grundsätzlich die wissenschaftlichen und fachlichen Voraussetzungen für eine Antragstellung“, sagt Ickerodt. „Es ist aber zu prüfen, ob das Tunneltal und die angestrebten Vermittlungsziele in das Bewertungsschema der Unesco passen.“ Die Unesco wolle derzeit keine weiteren Anträge aus Europa verfolgen, zudem beliefen sich die Kosten für einen Antrag auf rund 400 000 Euro. Bis zur Entscheidung würden Jahre vergehen.

Ein Regiobranding beinhalte eine regionale Markenbildung, die nicht nur das Tunneltal im Blick hätte, sondern die Frage, wie man das kulturelle Erbe einer Region insgesamt erschließen könne. „Man nimmt alle Natur- und Kulturdenkmale dazu und diskutiert mit Interessengruppen vor Ort, wie eine Inwertsetzung der Region aussehen könnte“, so Ickerodt. Die Angebote könnten vernetzt und ein Gefühl für die Region geschaffen werden, bei der Erarbeitung könnten die Bürger beteiligt werden. „Ahrensburg kann vor allem als Bereich der Naherholung für Hamburg und für den Tourismus im Lübecker Raum interessant sein.“ Das Tunneltal ist bereits Natur- sowie Grabungsschutzgebiet und Teil des Schutzgebietssystems „Natura 2000" zum Schutz der einheimischen Natur in Europa.

„Ein Unesco-Welterbe-Antragsverfahren wird nicht initiiert“, heißt es in der Beschlussvorlage des Ausschusses für Donnerstag. Eine Inwertsetzung des Ahrensburger Tunneltals könne im Rahmen des Stadtmarketingprozesses und der strategischen Stadtentwicklungsprozesse in einer interfraktionellen Steuerungsgruppe unter Beteiligung aller betroffenen Akteure erörtert werden. Die Verwaltung solle beauftragt werden, die Kosten für diesen Planungsprozess zu ermitteln und im Rahmen der Haushaltberatungen 2019 vorzulegen. Die Entscheidung darüber trifft am Donnerstag die Politik.

Vortrag am Donnerstag

Der Wissenschaftler Dr. Ulf Ickerodt vom Archäologischen Landesamt wird am Donnerstag, 27. September, um 19.30 Uhr in Ahrensburg einen Vortrag zum Thema halten. Der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss trifft sich in der Stadtbücherei, Manfred-Samusch-Straße 3.

Bettina Albrod

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