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Stormarn Zur Fastenzeit wird auch nachts gekocht
Lokales Stormarn Zur Fastenzeit wird auch nachts gekocht
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18:31 18.06.2016

Von Michael Thormählen Die Kicker bei der Fußball-Europameisterschaft machen es zurzeit nicht, weil sie als Sportler fern der Heimat Speisen und Getränke brauchen, doch in der Oldesloer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge halten sich Salman Tawfeq (23), Ali Al Nasrawy (23) und Sameer Noori (21) als streng gläubige Muslime an die Vorschriften des Ramadans: Während der Fastenzeit darf nur nach Sonnenuntergang bis zum nächsten Morgen gegessen und getrunken werden. Deshalb herrscht jetzt auch in der Nacht Betrieb in der geräumigen Küche.

„Ein Ramadan kann auch im Dezember sein.“Ibrahim El Nabulsi, Dolmetscher
Kochen und essen nur nach Sonnenuntergang: (v. l.) Samaar Noori, Ali Al Nasrawy und Salman Tawfeq in der Küche am Sandkamp. Quelle: Fotos: Mt/archiv
„Ein Ramadan kann auch im Dezember sein.“Ibrahim El Nabulsi, Dolmetscher
Kochen und essen nur nach Sonnenuntergang: (v. l.) Samaar Noori, Ali Al Nasrawy und Salman Tawfeq in der Küche am Sandkamp. Quelle: Fotos: Mt/archiv

Rund 50 Männer im Alter zwischen 18 und 42 Jahren leben in dem Gebäude am Sandkamp. Die Flüchtlinge aus den unterschiedlichen Ländern versorgen sich selbst. „Das ist bei uns wie in einem Studentenwohnheim“, erläutert Ilka Lambke-Muszelewski. Sie leitet für die Johanniter die städtische Gemeinschaftsunterkunft. Für den Kauf von Lebensmitteln verfüge jeder Flüchtling über ein Budget.

Viele, so Ilka Lambke-Muszelewski, kauften auch gemeinsam ein. Lebensmittel würden auch von der Oldesloe Tafel bezogen.

Gläubige Muslime müssten allerdings darauf achten, kein Schweinefleisch zu verwenden und auch Produkte zu meiden, für deren Verarbeitung Teile dieses Tieren verwendet worden sein, erläutert Ibrahim El Nabulsi. „Es gibt auch schon in Bad Oldesloe einige Geschäfte, die diese Waren anbieten.“ Der 50-Jährige stammt aus dem Libanon und lebt seit 17 Jahren in Deutschland. Der Muslim arbeitet als Betreuer für die Johanniter, weil er über ausgezeichnete Sprachkenntnisse verfügt.

In dem Gebäude am Sandkamp existiert eine große Küche, auf sieben Herden können die Speisen zubereitet werden. Dabei allerdings müsse bei dem Kochen darauf geachtet werden, dass die Produkte und das Geschirr der unterschiedlichen Speisen nicht in Berührung kommen. Weil während der Fastenzeit Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken dürfen, sind die Benutzerzeiten der Küche erweitert worden. „Normalerweise ist um Mitternacht Schluss, jetzt aber bleibt die Küche rund um die Uhr offen“, sagt Ilka Lambke- Muszelewski.

Auch Salman Tawfeq und Ali Al Nasrawy, die beide aus dem Irak kommen, sowie Sameer Noori aus Afghanistan stehen deshalb erst ab 21 Uhr am Herd und dann meistens noch einmal um 3 Uhr, um Speisen zu kochen. „Diese Küchennutzung während des Ramadans hat schon zu etwas Unruhe geführt“, lauten die Erfahrungen Johanniter-Mitarbeiter. Immerhin gebe es unter den Flüchtlingen auch zahlreiche Christen, die nachts schlafen wollen, sowie andere Muslime, die zurzeit nicht fasten möchten. „In einigen Fällen haben die Bewohner deshalb die Zimmer getauscht, damit es nachts möglichst wenige Störungen im Gebäude gibt“, erklärt Ilka Lambke-Muszelewski.

Für die jungen Flüchtlinge, die seit sechs bis neun Monaten in Deutschland leben, ist es die erste Fastenzeit in ihrer neuen Heimat. Und sie haben sich fest vorgenommen, die Regeln des Ramadans, der am 6. Juni begann und dann bis zu 30 Tagen dauert, einzuhalten. „Es ist für mich sogar etwas leichter als im Irak“, hat Salman Tawfeq festgestellt. Vor allem der Durst quäle den 23-Jährigen zurzeit nicht stark. „Dafür gibt es eine plausible Erklärung. In den Herkunftsländern herrscht meistens ein Wüstenklima mit großer Trockenheit. Und da spürt man den Verzicht auf Flüssigkeit viel stärker“, erläutert Ibrahim El Nabulsi. Er fastet auch und kann dabei auf die Rücksicht seiner Kollegen zählen, die erst fragen, ob sie in seiner Gegenwart etwas zu sich nehmen könnten.

Es gibt Ausnahmen während der Fastenzeit. „Wenn ich krank bin oder mich nicht gut fühle“, sagt der Johanniter-Mitarbeiter – oder auch fern der Heimat wie die Fußballer bei der EM in Frankreich. Dann allerdings müssten die Fastentage später nachgeholt werden. Salman Tawfeq, Ali Al Nasrawy und Sameer Noori hoffen jedoch, in Bad Oldesloe eine neue Heimat gefunden zu haben und fasten, obwohl die Tage ohne Nahrung angesichts des frühen Sonnenaufgangs und des späten Untergangs im Juni mit bis zu 19 Stunden sehr lang sind.

„Ein Ramadan kann aber auch im Dezember sein und dann muss nur wenige Stunden am Tag gefastet werden“, sagt Ibrahim El Nabulsi. Und in der Küche der Gemeinschaftsunterkunft gelten dann wieder fast die üblichen Betriebszeiten.

LN

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