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Stormarn Zwei Kinder ertrinken in Regenrückhaltebecken
Lokales Stormarn Zwei Kinder ertrinken in Regenrückhaltebecken
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22:35 10.08.2018
Rettungskräfte arbeiten auf einem Regenrückhaltebecken eines Hotels. Quelle: Foto: Daniel Bockwoldt/dpa / Video: jeb
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Glinde

Sie waren gekommen, um ihren Propheten Jeremiah auf seiner Europatour zu sehen. Doch für zwei Elternpaare endete der Ausflug nach Glinde in einer Tragödie. Ihre beiden Jungen im Alter von fünf und sechs Jahren ertranken in einem Regenrückhaltebecken hinter dem Veranstaltungsort am Sportplatz.

Es ist Freitagmittag 11.35 Uhr, als der Notruf bei der Einsatzleitstelle der Polizei eingeht, erklärt Polizeisprecher Gerd Dietel: „Uns wurde gemeldet, dass zwei Kinder in Glinde, in der Straße 'Am Sportplatz', in ein Regenrückhaltebecken gefallen seien. Daraufhin haben wir sofort unsere Kräfte in Marsch gesetzt.“

Nach ersten Erkenntnissen der Kriminalpolizei Reinbek, die die Ermittlungen in dieser Sache führt, sind die beiden Jungen von der Veranstaltung im Saal weggelaufen und wollten lieber draußen spielen. Sie gelangten auf das Gelände des eigentlich eingezäunten Regenrückhaltebeckens, denn die schwere Eisentür war nicht verschlossen. Und auch im Zaun gleich neben der Tür klaffte ein großes Loch. Aus bislang ungeklärten Gründen fielen die beiden Kinder in das Becken mit dem brackigen Wasser.

Als einer Mutter das Fehlen ihres Kindes auffiel, begann sie mit der Suche. Dabei wurde sie von Billy Ataihujie unterstützt. Der junge Mann aus Nigeria mit Kieler Wohnsitz fand zwar einen Jungen auf einem Spielplatz, doch er war keiner der beiden gesuchten Kinder. Als Billy wieder in den Bereich des hinteren Parkplatzes kam, sah er die weinende Mutter, die in Richtung Regenrückhaltebecken zeigte und davon sprach, das die Kinder dort hineingefallen seien.

Ersthelfer holen Jungen aus dem Teich

Der Nigerianer zögerte keine Sekunde, zog sich aus und sprang in das Wasser. Irgendjemand anderes hatte schon einen Jungen herausgeholt, er suchte und fand den anderen Jungen und holte ihn ebenfalls an Land. „Wir haben sofort damit begonnen, die Kinder zu reanimieren“, sagte der junge Nigerianer. Zu diesem Zeitpunkt seien die Kinder nicht mehr bei Bewusstsein gewesen, erklärte Polizeisprecher Dietel.

Weil zunächst nicht klar war, ob noch mehr Kinder unter Wasser sein könnten, wurde zusätzlich zur Freiwilligen Feuerwehr Glinde, die längst vor Ort war, auch die Schnelleinsatzgruppe „Taucher“ der Hamburger Berufsfeuerwehr alarmiert. Unterdessen wurden die beiden Jungen unter Reanimationsbedingungen in die Uniklinik Hamburg Eppendorf gefahren. Auch die beiden Mütter wurden in die gleiche Klinik gebracht. Wie lange die Kinder im beziehungsweise unter Wasser gewesen sind, weiß niemand.

Retter und Angehörige psychologisch betreut

Weitere Kinder wurden nicht gefunden, sodass der Einsatz für die Feuerwehren zunächst beendet war. Die Einsatzkräfte wurden anschließend in der Glinder Feuerwache psychologisch betreut. Für die Angehörigen und auch andere Beteiligte wurden ebenfalls Fachkräfte für eine Betreuung angefordert.

Gegen 15.40 Uhr kam dann die Nachricht aus dem Universitätsklinikum Eppendorf, dass die beiden Jungs es nicht geschafft haben und gestorben sind. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt lief die Veranstaltung des Propheten Jeremiah im Hotel weiter. Die rund 300 Teilnehmer waren nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden angereist.

Jens Burmester

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