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Stormarn Frischer Wind in Stormarns SPD
Lokales Stormarn Frischer Wind in Stormarns SPD
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17:43 15.09.2018
Tobias von Pein und Susanne Danhier, SPD Stormarn.  Quelle: mc
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Lütjensee

Die alte Tante SPD lebt – und wie! Auf dem Parteitag am Sonnabend in Lütjensee zeigte sich der Stormarner Kreisverband kämpferisch und diskussionsfreudig wie lange nicht mehr. Und das lag nicht nur an dem prominenten Gastredner, dem Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert. Etwa 100 Sozialdemokraten sorgten für ein volles Dorfgemeinschaftshaus und allein zehn Redebeiträge zur Wahl eines neuen Vorsitzenden.

Mit Tobias von Pein (33) aus Ahrensburg und dem Reinbeker Gerd Prüfer (61) hatten sich zwei Kandidaten um die Nachfolge von Susanne Danhier aus Bargteheide beworben – und jeweils rund die Hälfte der Delegierten hinter sich. Am Ende setzte sich der Landtagsabgeordnete, der gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist, mit 36 zu 31 Stimmen durch. Danhier war sechs Jahre lang Vorsitzende und hatte nicht wieder kandidiert.

Gerd Prüfer, stilecht mit rotem Schal gekommen, nahm die knappe Niederlage sportlich und gratulierte seinem Kontrahenten als einer der ersten. Zusammen waren beide in den vergangenen Monaten durch den gesamten Kreis getingelt und hatten sich in den Ortsvereinen vorgestellt. Die SPD wieder stärker in der Fläche zu verankern, war und ist daher ein Ziel beider Sozialdemokraten. „Es gibt zu viele weiße Flecken“, hatte Gerd Prüfer in seiner Bewerbungsrede festgestellt.

Leidenschaftlich setzten sich einige Jusos, Mittvierziger und Ü-60er für ihren jeweiligen Favoriten ein – mit vielen guten Argumenten für den einen oder anderen. Prüfer leiste bereits hervorragende Arbeit im Kreistag, bei von Pein lobten viele dessen Dialogfähigkeit. SPD-Kreistagsfraktionschef Reinhard Mendel stellte daraufhin fest: „Die Partei kann stolz sein, zwei so gute Kandidaten zu haben.“

Niegengerd zieht zurück

Zwei Bewerber waren anschließend auch nur noch übrig bei der Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden. „Die Partei wünscht offenbar eine Verjüngung, daher ziehe ich meine Kandidatur zurück“, erklärte Reinhard Niegengerd aus Großhansdorf. Der 65-Jährige war bislang – wie auch Tobias von Pein – Stellvertreter von Susanne Danhier. Damit war der Weg frei zum einen für Lukas Zeidler (21) aus dem Ortsverein Reinfeld und Marion Meyer (52) aus Barsbüttel. Beide wurden mit großer Mehrheit gewählt, wobei die Mitarbeiterin aus dem Wahlkreisbüro des SPD-Landtagsabgeordneten Martin Habersaat trotz urlaubsbedingter Abwesenheit sogar das bessere Ergebnis erzielte.

Wie Tobias von Pein spricht auch Lukas Zeidler von einer Modernisierung der Partei und einem notwendigen Erneuerungsprozess. „Wir müssen neue Dinge ausprobieren“, sagte Zeidler und berichtete von einem sogenannten Bar-Camp, einer Zusammenkunft ohne vorherige Themenfestlegung, das die SPD vor kurzem abhielt.

SPD neu denken

Der frische Wind in der Partei zeigt sich auch in einem Antrag, den der Kreisverband entwickelte und der genauso vom Plenum verabschiedet wurde. Darin geht es zum Beispiel um die Stärkung besagter Ortsvereine, um eine fortwährende Evaluation der eigenen Arbeit oder auch um eine bessere Vernetzung innerhalb und außerhalb mit etwa Gewerkschaften oder anderen Organisationen.

Viel zu hohe Kita-Gebühren

Kritik musste sich unterdessen die Kreistagsfraktion der SPD gefallen lassen. Der vorgelegte Rechenschaftsbericht komme sehr selbstgefällig daher, hieß es aus dem Ortsverein Ahrensburg. Auch Eckart Kuhlwein aus Ammersbek vermisste darin eine Aufarbeitung des schlechten Ergebnisses bei der Kommunalwahl vor vier Monaten. „Es reicht nicht zu sagen, dass wir Kinderarmut bekämpfen wollen. Wir brauchen mehr konkrete Aussagen.“

Ein Denkanstoß kam von Heiko Winckel-Rienhoff, zugleich DGB-Kreisvorsitzender. „Ich höre immer mehr Kritik an dem sogenannten Stormarner Modell, bei dem sich alle Fraktionen untereinander bei den Haushaltsberatungen auf einen gemeinsamen Nenner einigen.“ Vielleicht brauche die SPD eine neue Strategie und müsse klarer zeigen, wofür sie steht.

Deutliche Worte kamen aus Barsbüttel und Ahrensburg zur Kinderbetreuung im Kreis. Die Kita-Gebühren seien viel zu hoch in Stormarn. Da müsse die Kreistagsfraktion tätig werden. „In anderen Bundesländern ist die Kinderbetreuung kostenlos, bei uns kostet sie teilweise 600 Euro pro Kind pro Monat. Es gibt Familien, die deswegen aus Stormarn wegziehen“, hat auch Gerd Prüfer erkannt. Er versprach, das Thema im Kreistag auf die Agenda zu nehmen.

Markus Carstens

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