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Lokales Trucker wollen nicht ins Hotel
Lokales Trucker wollen nicht ins Hotel
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19:30 04.12.2018
Dann gute Nacht: Marcel Ross nächtigt auf dem Rastplatz Buddikate in seinem Lkw. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Buddikate/Kiel

Nachdem die EU-Verkehrsminister sich geeinigt haben, europaweit bessere Bedingungen für Lkw-Fahrer zu schaffen, fragen sich Spediteure und Fahrer, wie das gehen soll: Jeder Fahrer, der auf Tour ist, soll seine wöchentliche Ruhezeit im Hotel verbringen dürfen?

Auf dem Rastplatz „Buddikate“ an der A 1 stehen die Laster dicht an dicht. In vielen Fahrerkabinen sind die Vorhänge zugezogen, an einem Fahrzeug kocht ein polnischer Trucker Gulasch. „Kein Deutsch“, bedauert er. Im Fahrzeug daneben sitzt Alexander Born (62) aus Leopoldshöhe in Westfalen am Steuer seines Sattelzuges. Lust im Hotel zu nächtigen, hat er nicht. „Ich schlafe gern in der Kabine“, sagt er. „Ich habe da ein sauberes Bett und ein sauberes Laken von zu Hause. Besser geht's nicht.“

Fahrer schätzen Sauberkeit im Laster

„Welches Hotel hat denn bitte einen Lkw-Parkplatz?“, fragt sich Marcel Ross (46) aus Rostock. In Rotterdam hat er seinen Lebensmittel-Tanklaster mit Orangensaft beladen. Jetzt ist er auf dem Rückweg. „Soll ich zwischendurch mit dem 40-Tonner in die Stadt fahren, um ins Hotel zu gehen?“ Er würde es ohnehin nicht wollen: „Hier im Laster hab’ ich meine Sauberkeit. Das bietet kein Hotel.“

„Eine Spedition könnte es sich auf Dauer doch gar nicht leisten, ihre Fahrer schön im Hotel nächtigen zu lassen“, glaubt Fahrer Marcel Schalm (29) aus Rendsburg. Er frage sich, wozu das gut sein solle. „Die Lkw sind mittlerweile ziemlich bequem.“

Wohnen im Gewerbegebiet rechtlich schwierig

Thomas Rackow, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Logistik Schleswig-Holstein, sieht das ähnlich. Um die Bestimmungen zu erfüllen, müssten Unterkünfte und Parkmöglichkeiten geschaffen werden. „Viele Spediteure sind willens, Übernachtungsmöglichkeiten in den Gewerbegebieten zu schaffen. Aber das ist rechtlich nicht so einfach.“

Die bisherige Regelung

Schon seit Mai 2017 gilt in Deutschland ein Gesetz, wonach Lkw-Fahrer nach sechs Schichttagen 45 Stunden Pause machen müssen. Sie dürfen dabei nicht im Lkw übernachten, Ausnahmen sind aber möglich. So darf alle zwei Wochen eine verkürzte Ruhezeit von 24 Stunden mit Übernachtung im Lkw eingelegt werden. Viele deutsche Speditionen beauftragen übrigens ausländische Fahrer – nicht zuletzt, weil der heimische Nachwuchs fehlt.

„Wohnen geht nicht im Gewerbegebiet“, bestätigt Dirk Hundertmark, der Sprecher des Kieler Innenministeriums. Von diesem Grundsatz gebe es wenige Ausnahmen. Vorstellbar aber seien Beherbergungsbetriebe, die ähnlich wie ein Hostel auch Schlafräume mit mehreren Betten haben könnten. „Eine Rezeption müsste vorhanden sein, das Wechseln der Bettwäsche und dergleichen geregelt sein.“ Auch der Lärmschutz müsse gewährleistet sein.

Schutz vor Lohndumping

Obwohl die Umsetzung noch Probleme bereiten werde, vom Ansatz her sei die neue Regelung richtig, stellt Rackow klar, denn sie helfe heimischen Speditionen, gegen die Konkurrenz billiger Fahrer aus Osteuropa zu bestehen. Rackow: „Es ist gut, dass diese ausländischen Fahrer jetzt den Mindestlohn bekommen müssen, wenn sie regelmäßig in Deutschland unterwegs sind.“ Ein anderer Aspekt sei, dass die Produkte wohl teurer würden, da die Neuregelung die Personalkosten erhöhe. „Das wird auf den Kunden umgelegt.“

Für Mario Klepp von der Gewerkschaft Verdi Nord in Lübeck spielt das eine untergeordnete Rolle. „So, wie es lief, ist es menschenunwürdig.“ Es gehe darum, dass Menschen derzeit „campierend wochenlang unterwegs sind, ohne heimischen Boden betreten zu haben“. Überfüllte Rasthöfe und Parkplätze auf der Autobahn, auf denen Lkw-Fahrer ihre Ruhezeiten verbrächten, seien ein unhaltbarer Zustand. „Auch dieses Problem wird mit der Neuregelung endlich gelöst.“

Lkw-Fahrer zeigen ihre Kabine

Nicht nur deshalb ist die neue EU-Regelung für Trucker Jörg Volkmann (49) genau richtig. „Ich bin dafür. Aber hundertprozentig.“ Seine Spedition namens Norway Trans in Scharbeutz fahre kaum noch nach Skandinavien. „Es lohnt sich nicht mehr, wegen des Lohndumpings, das viele osteuropäische Konkurrenzfirmen betreiben. Dadurch sind viele deutsche Speditionen kaputt gegangen.“ Auch er selbst sei 35 Jahre lang selbstständig gewesen. „Ich weiß, wovon ich spreche.“

Marcus Stöcklin

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