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Auto und Verkehr Dieben per GPS-Tracker auf der Spur
Mehr Auto und Verkehr Dieben per GPS-Tracker auf der Spur
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18:22 05.11.2016
Lübeck

Zwei junge Männer stehlen zwei hochwertige Kleintransporter von einem Autohaus im niedersächsischen Stade. Auf ihrer Flucht werden sie auf der Autobahn 20 nahe der Abfahrt RostockWest von der Polizei entdeckt und nach einer kilometerlangen Verfolgungsjagd schließlich auch gestoppt. Aufgespürt haben die Beamten den 21- und den 26-Jährigen über GPS-Systeme.

Die Geräte werden in hochwertige Fahrzeuge gelegt oder eingebaut – Sie übermitteln den Standort des Wagens.

„In bis zu zwei Stunden ist der Dieb gestoppt.“Delphos-Chef Thorsten Möller

Die Nachfrage nach solchen Trackern, mit deren Hilfe gestohlene Fahrzeuge geortet werden können, steige sehr stark, berichtet Thorsten Möller, Geschäftsführer von Delphos. Der Lübecker Sicherheitsdienstleister vertreibt die Geräte seit zwei Jahren und hat inzwischen deutschlandweit 200 Stück im Einsatz – in verschiedenen Bereichen. „Der überwiegende Teil sind Firmenkunden, die mit den Trackern neben ihren Wagen auch die geladene, hochwertige Ware sichern wollen“, sagt Möller. Dazu kämen Privatpersonen, die zum Beispiel ihren teuren BMW oder Audi schützen wollten. Aber auch einige Landwirte hätten sich die kleinen Geräte bereits angeschafft. Denn in den vergangenen Monaten gab es laut Bauernverband Schleswig-Holstein immer wieder Einbrüche auf Höfen. Dabei wurden auch große landwirtschaftliche Maschinen gestohlen (die LN berichteten).

„Viele sind beunruhigt“, sagt Möller. Um sich sicherer zu fühlen, schaffen sie sich unter anderem solche Tracker an. Die mobile Variante wird im Auto versteckt, die andere verdeckt im Motorraum eingebaut und an die Autobatterie angeschlossen. Die Kosten betragen 1200 bis 2500 Euro.

In die Geräte muss eine Sim-Karte gesteckt werden. Wenn das Fahrzeug bewegt wird, kann – je nach Einstellung – sofort ein Alarm ausgelöst werden. Der Besitzer hat aber auch die Möglichkeit, einen Bereich festzulegen, den der Wagen nicht verlassen darf. Via mobiler Datenübertragung oder SMS wird ihm dann alle fünf bis zehn Sekunden übermittelt, wo sich sein Auto gerade befindet.

Der fest eingebaute Tracker bietet neben der Überwachung auch noch andere Funktionen. „Der Besitzer kann beispielsweise per SMS die Anweisung geben, dass der Motor ausgeschaltet wird“, sagt Möller.

„Das geht aber nur, wenn das Fahrzeug gerade steht – und nicht bei Tempo 80 auf der Autobahn.“ Eine andere Möglichkeit sei, die Hupe dauerhaft ertönen zu lassen – ebenfalls per SMS-Befehl. „Das erregt natürlich Aufmerksamkeit“, sagt der Sicherheitsexperte.

Das Landeskriminalamt in Schleswig-Holstein hält die Nutzung von GPS-Trackern für sinnvoll. „Dadurch kann der Besitzer feststellen, wo sich sein gestohlenes Auto befindet“, sagt Sprecher Uwe Keller.

Dass ein Dieb das GPS-Gerät vor der Fahrt entdeckt und aus dem Wagen entfernt habe, sei bei Delphos noch nicht vorgekommen, sagt Möller. „Ein FahrzeugDiebstahl dauert in der Regel 30 Sekunden. Da hat der Dieb keine Zeit, das Auto erst mal ein bis zwei Stunden abzusuchen.“

Die meisten seiner Kunden ließen die Überwachung der GPS-Daten von seiner Firma vornehmen, sagt Möller. Doch das kostet zusätzlich. Wenn Delphos einen Alarm bekommt, hält der diensthabende Mitarbeiter zunächst Rücksprache mit dem Fahrzeugbesitzer. Denn manchmal komme es vor, dass dieser einfach nur vergessen habe, den Alarm vor der eigenen Fahrt auszustellen. Handelt es sich wirklich um einen Diebstahl, wird die Polizei alarmiert. „Wir können die Beamten dann dank des GPS-Trackers direkt zu dem gestohlenen Fahrzeug lotsen“, sagt Möller. „Innerhalb von ein bis zwei Stunden ist der Dieb in der Regel gestoppt.“

Erst vor Kurzem ist es ihm gelungen, auf diese Weise einen Autodieb aufzuhalten: Der Mann wollte im Raum Bremen einen Sprinter mit Elektronik-Ladung stehlen. Möller: „Noch bevor er die Stadt verlassen hatte, war das Fahrzeug geortet und der Mann von der Polizei gestellt.“

Diebstähle rückläufig

1007 Kraftfahrzeuge wurden laut Kriminalitätsstatistik der Polizei im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein gestohlen, die Aufklärungsquote lag bei 27,9 Prozent. Zudem wurden landesweit 885 Motorräder und Mopeds entwendet, hier wurden 19,9 Prozent der Fälle aufgeklärt. In beiden Bereichen sind die Diebstahlszahlen rückläufig. So wurden

laut Statistik im Jahr 2006 noch 1651

Kraftfahrzeuge (Aufklärungsquote: 23,4 Prozent) und 1973 Krafträder

(Aufklärungsquote: 18,6 Prozent)

gestohlen.

Janina Dietrich

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