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Auto und Verkehr Mit Handy am Steuer: Hohes Unfallrisiko
Mehr Auto und Verkehr Mit Handy am Steuer: Hohes Unfallrisiko
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08:41 14.04.2016
Alena Kay schreibt SMS nur, wenn das Auto geparkt ist. Während der Fahrt kann sie Musik und Telefonate über das Lenkrad regeln. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Kiel/Lübeck

Das teilte jetzt das Landespolizeiamt in Kiel mit. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. Fast jeder hat schon einmal den Griff zum Gerät beim Autofahren riskiert.

„Das Bewusstsein bei den Menschen ist einfach nicht da“, klagt Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Wer beim Autofahren nur zwei Sekunden aufs Handy schaut, fährt schon bei Tempo 50 ganze 30 Meter im Blindflug, bei 100 beträchtliche 60 Meter. „Dabei muss bedacht werden, dass die Fahrer nicht nur beim Blick auf das Gerät abgelenkt sind, sondern darüber hinaus noch durch die gedankliche Ablenkung“, sagt Hack. „Die Ablenkung durch Smartphones ist ein sehr heißes Thema — gerade nach den neuesten Ermittlungen zum Zugunglück in Bad Aibling.“ Dort soll der Fahrdienstleiter durch ein Handy-Spiel abgelenkt gewesen sein und damit das Unglück verursacht haben.

„Beim Autofahren ist die Lebensgefahr sofort gegeben — wir bewegen uns schnell und müssen auch schnell auf neue Situationen reagieren“, sagt Hack. Eine Studie der Technischen Universität Braunschweig zeigt, dass die Smartphone-Nutzung mit einer Alkoholeinwirkung von 1,1 bis 1,2 Promille vergleichbar ist. Der ACE fordere deshalb, dass die Handy-Nutzung in polizeiliche Berichte aufgenommen werden müsse. „Und das eben nicht nur bei einem Anfangsverdacht, sondern vor allem bei Unfällen mit unklarer Ursache.“ Die Zahl dieser Unfälle steige sehr stark an. Der ACE vermutet einen Zusammenhang zur Handy-Nutzung beim Autofahren.

„Wie oft die Nutzung eines Mobiltelefons unfallursächlich war, kann nicht beantwortet werden“, sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt. Die unzulässige Handy- Nutzung werde derzeit nicht in das bundesweit einheitliche Verzeichnis der Unfallursachen aufgenommen. Entsprechende Auswertungen seien deshalb nicht möglich. „Besteht bei der Aufnahme von Verkehrsunfällen mit schweren Unfallfolgen der Verdacht, dass ein Unfallbeteiligter ein Handy genutzt hat und dies als Ursache in Frage kommt, kann es sichergestellt oder beschlagnahmt und nach richterlicher Anordnung ausgewertet werden“, sagt Börner.

Auch die Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein versucht auf die Gefahren hinzuweisen. Darüber hinaus bietet der Verein Fahrsicherheitstraining an. „Dabei können die Teilnehmer unter anderem auch ausprobieren, wie sich Ablenkungen auf das Fahrverhalten auswirken“, sagt Elisabeth Pier, geschäftsführende Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht. Dabei würden zum Beispiel Fragen über Kopfhörer gestellt oder sie müssen SMS schreiben. Selbst auf dem Übungsplatz werde dies nicht im Auto ausprobiert. „Das ist auch da zu gefährlich — man ist damit einfach zu schnell unterwegs“, sagt Pier. „Stattdessen fahren die Teilnehmer in elektrischen Go-Karts.“

Obwohl sie sich der Gefahr bewusst sind, nutzen viele Norddeutsche das Handy beim Autofahren. Auch Anna Lena Merz gibt zu, dass sie dabei schon mal SMS geschrieben und telefoniert hat. „Gerade im Auto ist immer viel Zeit dazu“, sagt die 24-Jährige. „Ich habe mir das aber inzwischen abgewöhnt. Das ist saugefährlich.“

Der Radiosender N-Joy warnt mit diesem Video auf Facebook eindringlich vor den Gefahren vom Handy am Steuer:

Von Kim Meyer

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