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Auto und Verkehr Wenn der Autolack zur Leinwand wird
Mehr Auto und Verkehr Wenn der Autolack zur Leinwand wird
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21:22 29.08.2014
Stephan Runge (48) hat seinen VW Typ 3 mit Skizzen und Rostflecken bemalt — echte Korrosion Fehlanzeige.

Allein der Sound des weißen Typ 3 VW 1500, den Stephan Runge gerade von der Auffahrt vor seinem Einfamilienhaus in Groß Grönau lenkt, ist außergewöhnlich. Doch das satte Wummern des 1,5 Liter Flachmotors wird noch vom Lack übertroffen. Dutzende Skizzen hat Stephan Runge auf den weißen Lack gezeichnet. Damit hat er erstmals sein großes Thema, die Vergänglichkeit alter Fahrzeuge, in Öl auf Leinwand, auf Blech projiziert. Diverse Skizzen aus seiner Künstlerschublade hat er dabei verwendet. Das Originelle: Der nahezu rostfreie Typ 3 wurde mit künstlichen Rostflecken verziert. Die aufgemalte Korrosion schadet dem Wagen kaum, verleiht ihm jedoch die Aura, die der Maler so liebt. Heute sind Hunderte seiner Bilder und auch der Oldtimer beim Tag der offenen Tür im Nachtigallenweg in Groß Grönau zu bewundern.

„Ich möchte alte Autos darstellen, die ihre Blütezeit längst hinter sich haben, aber dennoch imposant auf uns wirken“, erklärt der 48-Jährige, der inzwischen über 600 Bilder gemalt hat. Er bittet in sein lichtdurchflutetes Atelier, einen Wintergarten, der extra zum Malen gebaut wurde. Tageslicht scheint dort auf einige seiner Bilder, deren Farben, deren lässige Haltungen der Menschen und deren komplexe Schattengebung einen modernen Charakter verströmen. Drei nackte Frauen rennen an einem Steg am Hemmelsdorfer See ins Wasser. Auf der Staffelei wird gerade an drei Männern gearbeitet, die in legerer Pose mit aufgeknöpftem Hemd und lockerer Krawatte nebeneinander sitzen.

Überall sind bunte Farbkleckse am Boden. Pinsel und Farbtöpfe sind verstreut. „Schade, dass wir hier nicht sitzen können“, sagt seine Ehefrau, Wiebke Runge (52), mit Blick auf das hell erleuchtete Atelier. Doch sie hat viel Verständnis für die Leidenschaft ihres Gatten. Zumal der gepflegte Garten genug Platz zum Relaxen bietet.

Ihr Mann hat eigentlich einen recht ungewöhnlichen Brotberuf für einen Künstler. Er ist Beamter bei der Hansestadt Lübeck. Jüngst hat er seine Vollzeitstelle aber um einen Tag pro Woche gekürzt. „Ich will das sichere Beamtenleben behalten. Vor einem totalen Cut schrecke ich zurück“, erklärt er. Zusammen mit anderen Künstlern betreibt er das Atelier 44 in der Fleischhauerstraße.

Dort und beim Tag der offenen Tür, den Runge regelmäßig einmal im Jahr veranstaltet, hat er schon viele seiner Bilder verkauft. Ob es ein alter Dodge Charger, ein ausrangierter Chevrolet oder ein in die Jahre gekommener Porsche ist — die Facetten des ausgeblichenen Lacks und die Nuancen des Rostes haben es dem Maler angetan. Er zeichnet seit frühester Kindheit. Im Alter von 30 Jahren ging es mit Öl- und Acrylmalerei los. Schnell folgten erste Ausstellungen in Lübeck, auch in Hamburg. Im Mai 2010 hat Stephan Runge zusammen mit Schülern die Paul-Klee-Schule umgestaltet.

• Mehr Informationen zum Künstler Stephan Runge im Internet unter www.kunst-runge.de

Offene Galerie
Zum Tag der offenen Tür lädt Stephan Runge heute in den Nachtigallenweg 5. Die Veranstaltung in Groß Grönau mit Verlosung, Beamershow, Kaffee, Kuchen und Getränken jährt sich in diesem Jahr zum sechsten Mal. Besucher sind von 11 bis 16 Uhr herzlich willkommen.

Florian Grombein

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