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Echt wahr Mußestunden mit Wattestäbchen.
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09:31 16.03.2016
Sabine Latzel sabine.latzel@ln-luebeck.de

Herrlich, wenn Kopf und Seele unbeschwert von Sorgen sind, wenn der Geist eine Mußestunde nimmt. Das ist gemeinhin ein seltener Zustand, den der Mensch genießen und nicht gleich nutzen sollte, um beispielsweise bedeutsame Literatur zu lesen, auch wenn einem jemand vor geraumer Zeit Thomas Manns „Der Zauberberg“ geschenkt hat.

Mußestunden sind schließlich zum Herumtrödeln da, auch für den Geist, allerdings kann es sein, dass dabei der Blick in der Gegend herumschweift und irgendwo hängenbleibt, sagen wir: an einem Plastik-Kästchen, in dem Wattestäbchen ruhen. Einem hässlichen Plastik-Kästchen, wie der Geist rasch erkennt, weil er ja eben gerade sonst keine Probleme hat.

Von dort ist‘s nur ein kurzer Schritt ins Internet, wo das Paralleluniversum der Wattestäbchenbehälter existiert. Dort gibt es Kästchen aus Acryl und im Landhausstil, Dosen aus Keramik, Halterungen in Form einer Lotusblüte, Apothekergläser, metallene Retro-Boxen und ein buntes Männchen aus „thermoplastischem Harz“, das ungefähr so viel kostet wie 3700 handelsübliche Wattestäbchen, und wenn der Benutzer oben am Kopf des Männchens zieht, ploppen unten die Stäbchen heraus.

Einen Ausweg aus dieser wirren Welt der unnützen Dinge kann der Schlaf bieten, und/oder die Idee, die Stäbchen in einem bereits im Haushalt vorhandenen Porzellan- Eierbecher zu arrangieren. Verbunden mit dem Vorsatz, künftige Mußestunden des Geistes doch lieber für Literatur zu nutzen. „Der Zauberberg“ ruht wirklich schon lange im Regal, und es scheint keine Anzeichen dafür zu geben, dass darin Wattestäbchenbehälter auch nur die geringste Rolle spielen.

LN

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