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Josepha Fliedner (15) lernt in Kanada Mit Schlafanzug in die Schule? Auf Salt Spring Island geht das
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11:27 20.07.2015
Aussicht vom Mount Erskine über Saltspring Island Quelle: privat
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Nach einem langen und aufregenden Flug hatte ich zum ersten Mal kanadischen Boden unter meinen Füßen. Ich war ziemlich gespannt, wie meine Gasteltern Annette und Kanayo und meine drei Brüder (Koen 3 Jahre, Usher 4 Jahre und Reuben 11 Jahre) aussiehen und wie sie mich aufnehmen würden. Bisher hatte ich noch kein Foto von ihnen gesehen.

Meine Gastfamilie: (v.l.) Ich, Gastmutter Annette mit Koen, Gastvater Kanayo mit Usher und Reuben.


Da ich zwei Tage vor Ostern auf Saltspring Island in Kanada angekommen bin, hatten wir gleich ein "Familien-Fest" zusammen. Unsere Unternehmungen ähnelten den deutschen Traditionen zu Ostern. Wir haben ein Osterfeuer im Garten gemacht, sind am Ostersonntag in die Kirche gegangen und am Tag darauf war ich mit meinen Gastbrüdern auf Eiersuche. Das war wirklich lustig, weil wir nicht genug bekamen und gleich vier Mal gesucht haben.

Meine Schule - die Gulf Islands Secondary School


Freitags haben wir keine Schule, das heißt, die Kanadier haben keine Schule. Ich nehme an einem "Eco Adventure Program" teil, bei dem wir per Kajak, Kanu oder wandernd die Insel und die Landschaft erkunden. Bei unseren ersten Treffen waren wir mit dem Kajak unterwegs und wanderten durch die Berge. Zuletzt haben wir wie die "First Nations" (Ureinwohner) gekocht, also im Boden mit heißen Steinen und Blättern. Außerdem haben wir unsere eigene Sauna mit Planen und Zeltstangen gebaut, in der wir es uns mit heißen Steinen und Wasserdampf ziemlich gemütlich machten.

Jeden Tag die gleichen Fächer zu haben, macht den Schulalltag sehr eintönig. In Englisch und Mathe bin ich dem Stoff auch schon voraus. "Media Art" und "Cafeteria" sind meine interessantesten Fächer, da ich in "Media Art" sehr viel über meine Kamera und Photoshop lerne. Cafeteria ist ein sehr gutes Fach, um Freunde zu finden.

Meine Insel hat knapp über 10 000 Einwohner und mein bisheriger Eindruck ist, dass die Kanadier sehr aufgeschlossen und freundlich sind. Wenn man mit dem Bus fährt, wird man beim Aussteigen mit einem lauten "Thank you" bedacht. Wir grüßen uns immer mit den Worten: "Hey, how are you? I'm fine, thank you and you? Good, thanks for asking", egal ob man sich kennt oder nicht. 

Wenn man barfuß, im Schlafanzug oder wie man es mag in die Schule kommt, wird nicht komisch geguckt. Es ist hier ganz normal! Das ist das Schöne auf meiner Insel. Jeder ist hier willkommen. Der Alltag hier ist wirklich entspannt und es fühlt sich fast wie Urlaub an. Nachdem ich in den ersten Wochen noch sehr gesittet in Jeans und T-Shirt mit meiner Gastmutter einkaufen gefahren bin, kleide ich mich jetzt mit Flip-Flops, Jogginghose und "Schlabber-Pulli".

Mein Geburtstagskuchen


Aussicht vom Mount Erskine über Saltspring Island


Der Sonnenuntergang über über Saltspring Island vom Mount Erskine

Auf dem Rückweg nach unten war es dann ziemlich dunkel und echt gruselig im Wald des Mount Erskine Provincial Parks. Das einzige woran wir denken konnten, war der Horrorfilm "slender man", was die Sache wirklich nicht einfacher gemacht hat.

In meiner Freizeit treffe ich mich oft mit Freunden oder unternehme etwas mit meiner Gastfamilie. Sehr oft war ich schon auf dem Salt Spring Markt. Hier ist alles handgemacht und daher auch etwas teurer. Aber es ist ein toller Ort, um einen Samstag zu verbringen.

Der Salt-Spring-Market


Mit Freunden am Felsenstrand von Saltspring Island


Der Hafen von Victoria


Ich sitze inmitten der First Nation Pfähle.


Herzliche Grüße aus dem See


Meine Freundin und ihre Mutter tanzen zusammen.


Mein Englisch hat sich bereits um einiges verbessert. Ich habe vorher schon viel verstanden, musste aber noch angestrengter und konzentrierter zuhören. Jetzt verstehe ich so gut wie alles, ob leise oder laut, oder auch nur im Hintergrund. Unterhaltungen oder Small Talk fallen mir viel leichter. Dafür brauchte ich relativ lange, um mich wieder zurück ins Deutsche zu denken und diesen Bericht schreiben zu können.

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