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Frank Meyer Manchmal geht es um die Wurst
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18:10 09.04.2016

Mir bluten die Ohren vom Slogan, man müsse wegen der Dividenden, die im Frühjahr gezahlt werden, jetzt unbedingt Aktien kaufen. Die Marketing-Experten verweisen auf die 600 deutschen, an der Börse notierten Firmen, die in diesem Jahr 42 Milliarden Euro auszahlen. Dazu muss man aber auch die Aktien besitzen, was mit üppigen Kosten verbunden ist. Vielleicht werden sie noch billiger.

Daimler schüttete an seine Aktionäre 3,25 Euro pro Papier aus und damit eine Dividendenrendite von 5,3 Prozent in dieser zinslosen Zeit. Dabei hat sich Daimler seit der letzten Dividende um 28 Prozent verbilligt. In neun Jahren wäre dieser Kursverlust durch Dividenden ausgeglichen. Aktien muss man langfristig sehen. Vielmehr zählt, zu welchem Preis man sie gekauft hat.

Vor einem Jahr stand der Dax noch bei 12300 Punkten, als es hieß, Aktien wären alternativlos und Dividenden der neue Zins. Nun steht der deutsche „Leid“-Index ein Viertel tiefer als vor einem Jahr. Bei gleichbleibenden Dividenden ist das Minus in zehn Jahren aufgeholt, vorausgesetzt, sie werden künftig so gezahlt wie heute. Dazu muss man jede Menge Börsenstress aushalten und Experten aus dem Weg gehen.

Dividenden sind nett! Doch erst beim Verkauf der Aktie zeigt sich, ob sich das Geschäft gelohnt hat. Das könnte auch erklären, warum ein hungriger oder auch gieriger Daimler-Aktionär in Berlin auf der Hauptversammlung einen Polizeieinsatz auslöste, als er acht der 12500 schwäbischen Saitenwürstchen als Extra-Dividende einstecken wollte. Einem anderen Aktionär schmeckte das überhaupt nicht und es kam zum Tumult. Ich habe auch schon Prügeleien um Stifte und Schokolade auf Finanzmessen erlebt. Wie bei Hunden und an der Börse gilt: Wenn es um die Wurst geht, ist jedes Mittel recht, selbst das, sich lächerlich zu machen.

LN

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