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Hanno Kabel Wenn der Wald zu uns kommt
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14:09 07.01.2013

Hin und wieder kommen Gerüchte auf: von fleischfressenden Pflanzen und verschwundenen Spaziergängern; von vergessenen Investitionsruinen unter dichtem Brombeergestrüpp, in denen bei Neumond die Geister qualvoll verendeter Unternehmer spuken; manche schwören sogar Stein und Bein, sie hätten einen Bären, der „Bruno“, dem verstorbenen Braunbären aus dem abgewickelten Tierpark, verteufelt ähnlich sah, ruhelos durchs Lauerholz schnüren sehen. Der Wald ist schon länger hier als die Stadt.

Er hat kein demografisches Problem, er braucht nur Platz. Er kann warten, bis die Menschen wieder weg sind. Hier ein kleiner Leerstand, dort eine unbebaute Fläche, schon schiebt der Wald sich wieder ein paar Meter vorwärts. Aus dem Osten rücken die Wölfe ein, die Förster ziehen sich zurück, wer weiß, wann die Bären zurückkommen, und eines Tages stolpern vielleicht Hänsel und Gretel durchs Unterholz und stoßen sich den Fuß an einem Fragment aus Ziegelstein, auf dem zu entziffern ist: „Concord... do...“ Es sei denn, der Klimawandel ist schneller und verwandelt Lübeck in eine verwunschene Unterwasserlandschaft, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Hanno Kabel

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